FUSSBALL: Omlins unerwartete Feuertaufe

Grosser Moment für den FCL-Goalie Jonas Omlin (21) heute im Heimspiel gegen Basel (17.45). Der junge Sarner spielt erstmals für den verletzten David Zibung.

Daniel Wyrsch
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FCL-Goalie Jonas Omlin ist im Training voll bei der Sache. (Bild: Martin Meienberg)

FCL-Goalie Jonas Omlin ist im Training voll bei der Sache. (Bild: Martin Meienberg)

daniel wyrsch

Das Sportlerherz von David Zibung (31) blutete gestern Mittag, als das FCL-Urgestein den Journalisten sein Forfait für das Heimspiel gegen Basel erklären musste. Seit zehn Jahren ist der Hergiswiler Stammgoalie, 375 Pflichtspiele hat er für Luzern bestritten. Zibung kann sich nicht erinnern, jemals wegen einer Verletzung pausiert zu haben. Nun ist es so weit. Für den formstarken Schlussmann ein bitterer Moment, seine Worte lassen tief blicken: «Für mich ist es nicht einfach, mir persönlich einzugestehen, dass ich jetzt nicht im Tor stehen kann.» Besonders in der jetzigen Phase, in der er sich gut fühle, es der Mannschaft läuft. «Aber diesmal hat die Vernunft über den Ehrgeiz gesiegt.»

Vorbeugende Wettkampfpause

Zibung ist aus medizinischer Sicht zu einer Wettkampfabsenz, die mindestens noch weitere 14 Tage über die gesamte Länderspielpause hinaus dauert, gezwungen worden. Er leidet seit Anfang Februar an einem Muskelfaserriss im Oberschenkel. Trotzdem hat er alle sechs Rückrundenspiele bestritten. «Als Fussballer tut immer etwas weh», erklärt er, darum habe er die Verletzung nicht allzu ernst genommen. Auch weil er die Schmerzen von den kraftvollen weiten Abschlägen und Auskicks in der Woche nach den Spielen relativ schnell wieder losgeworden sei. Doch nach dem 2:0-Heimsieg gegen Vaduz am letzten Samstag war es anders. Zibung hat schliesslich in diesen Tagen die Reissleine gezogen und sich von den Ärzten untersuchen lassen.

«Im ersten Augenblick bin ich etwas erschrocken, da die Verletzung gravierender ist, als ich erwartet hätte», gibt Zibung zu. Würde er nicht pausieren, wäre das Risiko gross, im tangierten Hüftlochmuskel einen Abriss zu erleiden. Das würde bedeuten, dass der FCL sicher zwei Monate auf seine Nummer 1 verzichten müsste. Den Match gegen das in der Champions League gestählte Schweizer Topteam aus Basel heute von der Tribüne anzuschauen, sei für ihn das Schlimmste, da er als Zuschauer viel nervöser sei als auf dem Platz.

Zibung anerkennt Omlins Potenzial

Zibung hält viel von seinem heutigen Stellvertreter Jonas Omlin. «Er hat grosses Talent, das ist unbestritten, und das Potenzial einer künftigen Nummer 1.»

Für die Wachtablösung ist es noch zu früh. Zibungs Vertrag läuft bis Sommer in einem Jahr. Er will so lange wie möglich auf höchstem Niveau spielen. Doch ihm ist bewusst, dass der Tag des Rollentausches nicht mehr allzu fern ist.

Für den 21-jährigen Omlin ist es ein grosser Moment, gegen den FCB vor mindestens 13 000 Zuschauern (so viele Tickets wurden im Vorverkauf abgesetzt) zu debütieren. Ausgerechnet gegen den Serienmeister mit dem stärksten Angriff (53 Tore in 24 Saisonpartien). Besteht für den FCL-Coach nicht die Gefahr, einen jungen Goalie zu verheizen? Markus Babbel: «Wir sind mittlerweile in der Abwehr zu gut», antwortet dieser überzeugt. Doch das sei nicht die Frage, die sich ihm stelle. «Irgendwann ist es so weit, dann wirst du reingeschmissen. Ich wurde auch einmal reingeschmissen», stellt Babbel fest. Das war 1991 als Teenager in der FC-Bayern-Abwehr. In dem Moment gehe es darum, «sich ein Stück freizuschwimmen». Er betont, wenn er sich für Omlin entscheide, «dann aus voller Überzeugung».

Vor acht Tagen gegen Vaduz sass Omlin erstmals anstelle des erfahrenen Lorenzo Bucchi (31) auf der Ersatzbank. Ein erstes Zeichen, dass Omlin die Zukunft beim FCL gehören könnte. «Ich habe Jonas vor Augen geführt, welche Möglichkeiten er hat. Er soll Druck auf die arrivierten Torhüter machen, das hat er sehr gut umgesetzt. Er trainiert sehr engagiert bei uns und spielt stark bei der U 21, dafür wollte ich ihn belohnen.»

Damit der ruhige Goalie mehr aus sich herauskommt, verlangt Babbel von ihm, die Spiele wie ein Radioreporter volle 90 Minuten lang zu kommentieren.

Im Hinblick auf Zibungs auslaufenden Vertrag Ende nächster Saison könnte es zu einer Wachtablösung im FCL-Tor kommen. Babbel: «Es ist natürlich unser Ziel, dass junge Schweizer spielen. Es liegt an Jonas. Wichtig ist, dass auch bei den Goalies Konkurrenzkampf herrscht.»

Paradox: Vielleicht bleibt Bucchi

Trotz des Abstiegs zur Nummer 3 hat Bucchi vielleicht eine Zukunft in Luzern. Babbel: «Ich habe überhaupt nichts dagegen, weiter mit Lorenzo zusammenzuarbeiten. Er ist professionell und sorgt für gute Stimmung im Team.» Sportchef Rolf Fringer bestätigt: «Die Tendenz besteht, dass wir Lorenzo Bucchis auslaufenden Vertrag verlängern. Drei Goalies brauchen wir; zwischen Zibung, Omlin und Bucchi stimmt die Chemie.»