FUSSBALL: Philipp Muntwiler: «In Vaduz werde ich geschätzt»

Philipp Muntwiler (27) kehrt am Sonntag (13.45 Uhr) mit Vaduz nach Luzern zurück. Der ehemalige FCL-Spieler spricht über zusätzliche Motivation, den Abstiegskampf und Ex-Trainer Carlos Bernegger.

Interview Daniel Wyrsch
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Philipp Muntwiler hat beim FC Vaduz sein Glück gefunden. (Bild: Keystone)

Philipp Muntwiler hat beim FC Vaduz sein Glück gefunden. (Bild: Keystone)

Sechs Jahre lang war Philipp Muntwiler (27) Stammspieler beim FC St. Gallen gewesen, trug bei den Ostschweizern auch die Captainbinde. Im Sommer 2012 wagte der defensive Mittelfeldspieler den Abgang und wechselte zum FC Luzern. In der Innerschweiz konnte der Thurgauer allerdings den erhofften Karriereschritt nicht machen.

Muntwiler erlebte in seiner Zeit in Luzern turbulente Phasen, unter drei verschiedenen Trainern: Murat Yakin, Ryszard Komornicki und Carlos Bernegger. Zu Berneggers Spielkonzept passte der Ostschweizer nicht, worauf er sich entschloss, die Zelte in Luzern vorzeitig abzubrechen. Ende August 2013 wechselte der heute 27-Jährige zum damaligen Challenge-League-Klub FC Vaduz. Mit den Liechtensteinern stieg er gleich in seiner ersten Saison in die Super League auf.

Philipp Muntwiler, freuen Sie sich auf Ihre erste Rückkehr in die Swissporarena, nachdem Sie vor einem Jahr auf eigenen Wunsch den bis Sommer 2015 laufenden Vertrag mit dem FC Luzern auflösten?

Philipp Muntwiler: Ich komme gerne nach Luzern zurück. Das Stadion ist schön und es freut mich, alte Freunde und Bekannte wieder zu sehen.

Kommen bei Ihnen Revanchegelüste gegenüber dem FC Luzern auf?

Muntwiler: Ich bin glücklich beim FC Vaduz, darum habe ich gegenüber dem FCL keine solchen Gefühle.

Carlos Bernegger setzte beim FCL nicht auf Sie. Was denken Sie über seine kürzlich erfolgte Freistellung?

Muntwiler: Für mich ist das schwierig einzuschätzen, denn ich habe alles nur noch von aussen mitbekommen. Wenn der Erfolg ausbleibt, ist der Trainer in jedem Verein das schwächste Glied. Bernegger hat nicht auf meinen Spielertyp gesetzt, ich musste das akzeptieren. Aber ich wollte spielen, statt auf der Ersatzbank oder gar auf der Tribüne zu sitzen. Ich bin mir nicht zu schade gewesen, einen Schritt zurück zu machen und bereits in meiner ersten Saison mit Vaduz schafften wir bekanntlich den Aufstieg in die Super League.

Luzern ist nach elf Runden immer noch sieglos und Tabellenletzter, Aufsteiger Vaduz hat zweimal gewonnen und vier Punkte mehr auf dem Konto. Hätten Sie vor der Saison diese Ausgangslage erwartet für den Match beim FCL?

Muntwiler: Nein, wenn ich ehrlich bin, hätte ich das so nicht gedacht. Im Hinspiel führten wir bis zur 94. Minute mit 1:0, dann bekamen wir den Ausgleich unmittelbar vor dem Abpfiff. Es ärgerte uns sehr, dass wir uns nicht mit dem Sieg belohnen konnten. Wir können am Sonntag befreit in Luzern aufspielen, der Druck lastet eindeutig auf den Schultern der FCL-Spieler.

Luzern gehört, was das Budget anbelangt, in die Tabellenmitte. Denken Sie, die Luzerner haben Fehler gemacht?

Muntwiler: Das ist für mich schwierig zu beurteilen, das muss man in der Innerschweiz selber analysieren. Meiner Meinung nach gibt es aber zu viele Diskussionen im Verein. Es fehlt die Ruhe, um erfolgreich zu arbeiten.

Sie sagten, dass sie in Vaduz glücklich sind. Was schätzen Sie denn am FC Vaduz?

Muntwiler: In unserem Klub herrscht eine sehr familiäre Stimmung und ein toller Zusammenhalt innerhalb des ganzen Teams. Als Spieler wird man geschätzt. Ich finde, diese Dinge sind die Basis, um gute Arbeit leisten zu können.

Sie haben zwar gesagt, der Druck laste auf dem FCL. Aber falls Vaduz verliert, würde der Vorsprung auf den Abstiegsplatz nur noch einen Punkt betragen.

Muntwiler: Auf jeden Fall gehen wir nach Luzern, um dort zu gewinnen. Wir sind im Aufwärtstrend, haben zwar zuletzt in Zürich verloren, aber zuvor gegen Sion drei Punkte geholt. Wir sind in der Super League kein Kanonenfutter, die anderen Mannschaften müssen gegen uns vorsichtig sein, denn wir sind ein unangenehmer Gegner.

Was halten Sie vom neuen FCL-Trainer Markus Babbel?

Muntwiler: Ich kenne ihn aus der Berichterstattung über die Bundesliga. Die Luzerner Führung hat sich sicher überlegt, was gut für die Mannschaft ist.

Vaduz kommt am Sonntag gleich mit vier Protagonisten mit FCL-Vergangenheit nach Luzern: Trainer Giorgio Contini war Assistenztrainer von Murat Yakin, Hekuran Kryeziu ist ausgeliehen, Florian Stahel wechselte nach drei Jahren erst im Sommer nach Liechtenstein und Sie. Das ist eine geballte Ladung Erfahrung. Ist die Motivation gegen einen Ex-Klub grösser?

Muntwiler: Ich glaube schon, dass eine solche Konstellation eine Zusatzmotivation mit sich bringen kann. Bei mir ist es auf jeden Fall so, wenn ich gegen den FC St. Gallen spiele. Hat man eine langjährige Vergangenheit beim Gegner, ist man meist noch mehr motiviert. Das kann dem einen oder anderen Spieler sicherlich mehr Schub und Saft auf dem Platz geben.

FCL erwartet über 12 000 Fans

FC-Luzern-Präsident Ruedi Stäger hat sich für das kapitale Heimspiel vom Sonntag (13.45 Uhr) gegen den FC Vaduz etwas einfallen lassen: «Leute, die dem FC Luzern nahe stehen, konnten Tickets zu günstigen Konditionen kaufen.» Die Anzahl ist nicht limitiert gewesen. Einige griffen kräftig zu und kauften gleich 100 Eintrittskarten. Die Tickets sind an Mitarbeiter, Kunden und Bekannte verteilt worden. Stäger rechnet mit 12 000 bis 14 000 Zuschauern, die dank der Aktion den FCL unterstützen werden. «Damit werden wir beim Einstand von Trainer Markus Babbel eine schöne Stimmung im Stadion haben und wir können hoffentlich den ersten Sieg der Saison feiern.» Luzerns Sportchef Alex Frei ist überzeugt: «Die Fans können eine Partie mit ihrer Unterstützung positiv beeinflussen.»
Bereits im Frühling machte der FCL eine ähnliche Aktion. 14 978 Zuschauer sahen am 16. März den 1:0-Heimsieg (Torschütze Rangelov) gegen den FC Zürich.

Aufgrund der grossen Nachfrage bittet der FCL die Matchbesucher, den Vorverkauf zu benützen. Lange Warteschlangen an den Tageskassen könnten so vermieden werden. Es seien in sämtlichen Sektoren – mit Ausnahme der Stehplätze – nur noch wenige Tickets verfügbar. Die Anreise zum Spiel mit dem öffentlichen Verkehr wird ebenfalls empfohlen.

Vaduz verlängert mit Contini

Der Gegner vom Sonntag, der FC Vaduz, hat derweil den im Sommer auslaufenden Vertrag mit Trainer Giorgio Contini um ein Jahr bis 2016 verlängert. Der frühere Schweizer Internationale und ehemalige Co-Trainer von Murat Yakin beim FCL trainiert die Liechtensteiner seit November 2012.