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FUSSBALL: Ponte: «Meine Mannschaft lebt»

Raimondo Ponte (60) hat dem FC Aarau wieder Hoffnung gegeben. Im Heimspiel gegen den FC Luzern (heute, 13.45) «müssen wir zwingend siegen», sagt Ponte.
Holte mit dem FC Aarau fünf Punkte aus fünf Spielen und ist überzeugt, den Ligaerhalt zu schaffen: Trainer Raimondo Ponte. (Bild: Freshfocus/Christian Boss)

Holte mit dem FC Aarau fünf Punkte aus fünf Spielen und ist überzeugt, den Ligaerhalt zu schaffen: Trainer Raimondo Ponte. (Bild: Freshfocus/Christian Boss)

interview Daniel Wyrsch

Raimondo Ponte ist mit 60 Jahren der älteste Trainer der Super League. Die NZZ hat kürzlich über den Coach des FC Aarau geschrieben: «Wenn man ihn so sieht in den Gängen des Brügglifeld mit den abgewetzten Spannteppichen, kommt man nicht umhin zu denken: Genau hierhin gehört Ponte; in diese Fussballwelt aus einer anderen Zeit.» Doch nur weil Ponte nicht eitel und anders als die meisten heutigen Trainer telefonisch immer erreichbar ist, wenn ihn ein Journalist etwas fragen möchte, ist er nicht stehen geblieben.

Letzte drei Spiele unbesiegt

Ponte hat den letztplatzierten Aarauern den Glauben an den Ligaerhalt zurückgegeben. Seit er für Sven Christ (41) übernommen hat, holte der FCA fünf Punkte aus fünf Spielen. Seit drei Spielen sind die Aargauer ungeschlagen. Heute empfangen sie den zuletzt drei Mal in Folge siegreichen FC Luzern.

Raimondo Ponte, Sie waren am Donnerstag in der Swissporarena und sahen, wie Luzern gegen St. Gallen 6:2 gewann. Hand aufs Herz, Sie haben bestimmt festgestellt, dass die Luzerner in der Defensive bis zur Pause grosse Lücken offenbarten.

Raimondo Ponte: Die Luzerner habe ich nie auf meiner Rechnung gehabt, sie sind zu gut besetzt, um in der Endabrechnung mit dem Abstieg zu tun zu haben. Es ist von Anfang an mein Ziel gewesen, die Vaduzer einzuholen und danach hinter uns zu lassen. Wir sind auf Augenhöhe mit ihnen, trotz sechs Punkten Rückstand. Da sie am Samstag in Thun verloren, könnten wir mit einem Sieg gegen Luzern auf drei Zähler verkürzen.

Die Luzerner wollen am Sonntag in Aarau im Kampf um den Klassenerhalt alles klar machen...

Ponte: (fällt ins Wort) ... Sie dürfen den Sack ruhig später zumachen, den Ligaerhalt werden sie früh genug sicherstellen.

Zurück zur Ausgangslage für das Spiel im Brügglifeld: Der FCL will siegen, während der FC Aarau richtig unter Druck steht, weil er unbedingt siegen muss. Sehen Sie das ebenso?

Ponte: Es ist genau so, wir müssen diesen Match zwingend gewinnen.

Sie haben Aarau den Mut und Glauben zurückgebracht, der FCA hat zuletzt Vaduz besiegt sowie gegen Zürich und YB gepunktet. Wie haben Sie das geschafft?

Ponte: Wir sind von der individuellen Klasse her nicht so stark besetzt, dass uns ein Einzelner retten kann. Eine Chance haben wir nur, wenn wir miteinander stark sind. Natürlich hätte YB am Mittwoch in der 75. Minute statt den Schüssen an den Pfosten und die Latte mit dem 3:1 alles klar machen können, aber wir sind anschliessend mehr Risiko eingegangen und schossen in der 94. Minute den 2:2-Ausgleich. Meine Mannschaft lebt und glaubt daran, den Abstieg zu verhindern.

Im Vorjahr überzeugten Sie bereits als Retter in der Not beim FC Sion. Der FCL hatte damals nichts zu lachen, unterlag Ihnen zweimal. Liegt Ihnen Luzern oder hinkt der Vergleich, weil es doch deutliche Unterschiede gibt zwischen Sion und Aarau?

Ponte: Qualitativ war Sions Kader sicher besser besetzt. Zudem waren wir nie Letzter gewesen und konnten wie jetzt Luzern – mit einem Zwischenspurt mehrere Siege hintereinander erringen und hatten somit am Ende mit dem Abstieg nichts zu tun. Was Aarau betrifft: Es ist schwierig zu sagen, ob uns Luzern liegt. In dieser Lage, mit dem Rücken zur Wand, müssen wir in der Defensive gut stehen. Viele Gegentore bekommt man nicht nur wegen der Abwehr, sondern weil die gesamte Mannschaft zu wenig nach hinten arbeitet. Umgekehrt ist der Angriff nicht allein schuld, wenn man zu wenige Tore erzielt, weil dann zu wenig Unterstützung von den Spielern dahinter gekommen ist. Einen Klassestürmer wie YBs Hoarau, der Spiele im Alleingang entscheiden kann, haben wir nicht.

Ist Moreno Costanzo, den Aarau von YB ausgeliehen hat, keiner dieser Spieler von Extraklasse?

Ponte: Costanzo wird als Zehner verkauft, dabei sieht er sich selber als Achter. Moreno hat ein falsches Etikett bekommen.

Hat das Duell gegen Ihren Ex-Klub Luzern, bei dem Sie in der Saison 2001/02 ein Jahr Trainer waren, in der sehr prekären Situation mit Aarau überhaupt eine Bedeutung für Sie?

Ponte: Jetzt habe ich tatsächlich keine Zeit, um über den FC Luzern zu reden. Meine ganze Zeit und Energie setze ich gerade für den FC Aarau ein.

Bei Ihrem Team fällt auf, dass Dante Senger gegen Vaduz und Luca Radice gegen YB jeweils herrliche Tore aus der Distanz erzielten. Haben Sie den Spielern gesagt, sie sollen öfter mal schiessen, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt?

Ponte: Wer es nicht probiert, kann keine Tore machen. Wichtig ist, dass man darauf achtet, den Schuss aufs Tor zu bringen. Lieber weniger scharf schiessen, dafür aber genauer. Das habe ich während meiner ganzen Karriere so gehandhabt. Ich weiss noch, wie der Trainer in England (Ponte spielte in der Saison 1980/81 bei Nottingham Forest, das direkt zuvor zweimal den Europacup der Landesmeister, die heutige Champions League, gewonnen hatte; Anm. der Red.) mich aufforderte: «Shot on target!» (Schiess aufs Tor!)

Welche mentalen Auswirkungen hat Radices spätes Tor zum 2:2 gegen YB fürs Team gehabt?

Ponte: Ein solcher Treffer in der Nachspielzeit ist enorm wichtig für die Moral, das fast nicht mehr für möglich gehaltene Erfolgserlebnis mit dem Punktgewinn gegen ein in der Rückrunde erfolgreiches YB setzt neue Kräfte frei.

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