FUSSBALL: Rabello, die neue FCL-Hoffnung

Bryan Rabello ist die neue Offensivkraft des FC Luzern. Der Chilene dürfte am Sonntag (13.45) gegen die Young Boys seinen Einstand geben. In Spanien hat der 20-Jährige bereits auf sich aufmerksam gemacht.

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Der Chilene Bryan Rabello gestern im Training des FC Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Der Chilene Bryan Rabello gestern im Training des FC Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Bryan Rabello ist seit 14 Tagen beim FC Luzern. Der Chilene konnte die Meisterschaftspause dazu nutzen, sich in der Mannschaft zu integrieren. Gestern Vormittag trainierte er zusammen mit Spielern wie Jahmir Hyka, Sava Bento und dem wieder genesenen Oliver Bozanic. FCL-Assistenztrainer Thomas Wyss (48) leitete die Einheit.

Deutlich robuster als Hyka

Rabello wirkt ballsicher und geschmeidig. Trotz seiner Körpergrösse von nur 1,68 Meter ist er viel robuster als der bloss einen Zentimeter grössere Hyka, denn der dreifache chilenische Nationalspieler Rabello ist breiter und athletischer als der «Messi von Albanien», wie Hyka in seiner Heimat bezeichnet wird.

Rabello unterschrieb am 29. August einen Leihvertrag, der den offensiven Mittelfeldspieler bis zum Saisonende an den FCL bindet. Besitzerklub ist nach wie vor der FC Sevilla, für den er in den letzten zwei Saisons neun Spiele in der Primera Division bestritt. An die Andalusier ist er gemäss Kontrakt bis Ende Juni 2017 gebunden. Die letzte Halbsaison war er an Deportivo La Coruña ausgeliehen. Für die Galizier kam er in allen 19 Rückrundenpartien zum Einsatz, gab fünf Assists und stieg mit ihnen in die Primera Division auf.

Thomas Wyss stellt Rabello nach den ersten zwei Wochen in Luzern ein gutes Zeugnis aus: «Bryan ist ein hervorragender, kreativer Fussballer. Er hat gut angefangen, ist ein anständiger, zurückhaltender Mensch. Wir müssen ihm Zeit lassen, sich hier richtig zu akklimatisieren.» Trotzdem glaubt Wyss, dass Rabello bereits am Sonntag in Bern gegen die Young Boys zum Einstand im FCL-Dress kommt. «Wahrscheinlich als Einwechselspieler.»

Rabello fühlt sich gut

Rabello macht den Eindruck, dass er sich über den Trainingsbesuch des Journalisten und des Fotografen freut. «Ich fühle mich gut hier», sagt er und lässt sich fotografieren. Gerne würde er länger über seinen neuen Karriereabschnitt in Luzern reden. Die sportliche Führung des FCL will dies vorerst nicht.

Deshalb haben wir mit dem Fussballjournalisten Carlos Pérez (32) aus Sevilla gesprochen. Dieser arbeitet seit zehn Jahren für die andalusische Sporttageszeitung «Estadio Deportivo», die umfassend und dezidiert über den FC Sevilla und Real Betis Sevilla berichtet. Ressortleiter Pérez hat Rabellos Entwicklung in den letzten zwei Jahren in Spanien genau verfolgt.

Carlos Pérez, welcher Typ Fussballer ist Bryan Rabello?

Carlos Pérez: Rabello ist ein Spielmacher, eine Zehn. Einer, der es mag, mit seinen Mitspielern das schnelle Kurzpassspiel zu pflegen oder sie mit einem präzisen Zuspiel vor dem Tor in Abschlussposition zu bringen. Er hat einen guten langen Ball, aber über allem steht, dass er aus stehenden Bällen Tore vorbereitet. Diese Fähigkeit kam vor allem in den U-Auswahlen Chiles zur Geltung. Im Spiel mag er es, sich zurückfallen zu lassen, um so an den Ball zu kommen und eine grössere Übersicht für seine Pässe zu haben. Rabello spielt mit Zug, und er führt den Ball eng am Fuss.

Wie haben Sie ihn persönlich wahrgenommen?

Pérez: Als Person ist Bryan Rabello reserviert und scheu. Er ist lieber zu Hause als im Ausgang.

Rabello hat für den FC Sevilla zwei Tore in der Europa League und ein Tor in der Copa del Rey erzielt, aber keinen Treffer in insgesamt neun Spieleinsätzen in der Primera Division. Für Deportivo La Coruña gab er in 19 Partien in der zweithöchsten Spielklasse fünf Vorlagen, doch schoss er kein Tor. Luzerns Hauptproblem in dieser Saison ist die Effizienz. Glauben Sie, dass Rabello in der Schweizer Super League mehr Treffer als in Spanien erzielen kann?

Pérez: Er ist mehr ein Vorlagengeber als ein Torschütze. Bekommt er den Ball, dreht er sich, hält den Kopf nach oben und sucht den aussichtsreicher postierten Mitspieler. Seine Schüsse gibt er meist aus stehenden Bällen ab.

Die Super League ist nicht vergleichbar mit den grossen europäischen Ligen wie der spanischen Primera Division, der deutschen Bundesliga, der englischen Premier League, der italienischen Serie A oder auch der französischen Ligue 1. Warum kommt ein Spieler vom Format eines Rabello zum FC Luzern?

Pérez: Rabello bekam Angebote aus Portugal, aus der Segunda Division in Spanien, vom argentinischen Klub San Lorenzo de Almagro, immerhin der Sieger der Copa Libertadores von 2014, dem südamerikanischen Pendant der Champions League. Ausserdem gab es eine Offerte vom FC Brügge, wo sein Landsmann Nicolas Castillo spielt. Ich erwartete, dass er nach dem Abgang von Vadis Odjidja-Ofoe zu Norwich City wenige Tage vor dem Schliessen des Transferfensters dessen Platz bei Brügge einnehmen würde. Aber Bryan war offensichtlich müde, weiter abzuwarten, und entschied sich schliesslich, das Angebot von Luzern anzunehmen. Warum? Wegen Luzern-Trainer Carlos Bernegger. Der gebürtige Argentinier hat sich sehr um Rabello bemüht und ihm im persönlichen Gespräch aufgezeigt, dass er für seine Mannschaft ein sehr wichtiger Spieler sein wird. Rabello ist an den FC Luzern bis zum Ende der laufenden Saison nur ausgeliehen und besitzt beim FC Sevilla einen Vertrag bis zum 30. Juni 2017.

Können Sie sich vorstellen, dass er auf nächste Saison hin zum Europa-League-Gewinner 2014 in die andalusische Kapitale zurückkehrt?

Pérez: Egal, wie gut sich Bryan Rabello in Luzern schlägt, ich sehe nur eine sehr kleine Möglichkeit, dass er zum FC Sevilla zurückkehrt, um dort zu bleiben. Die Italiener und die Deutschen haben viele Spielerbeobachter in der Schweizer Super League, darum ist es viel wahrscheinlicher, dass Rabello in Zukunft in der Serie A oder in der Bundesliga zu sehen sein wird.

Vom deutschen Grossklub Schalke 04 soll es schon einmal ein aufsehenerregendes Angebot an den FC Sevilla für den heutigen Luzern-Spieler gegeben haben. Wissen Sie davon?

Pérez: Ja, der FC Sevilla hat auf ausdrücklichen Wunsch seines Trainers Unai Emery im Sommer 2013 eine Offerte über sechs Millionen Euro plus Bonus von Schalke 04 abgelehnt. Ebenfalls lehnte Sevilla vorher Angebote von Manchester City und Borussia Dortmund ab. Rabello ist ein Versprechen, aber bis heute hat er die enormen Erwartungen nicht erfüllen können.

Bis heute hat Rabello drei Freundschaftsspiele mit der chilenischen Nationalmannschaft bestritten. Wie schätzen Sie seine Chance ein, künftig ein fester Bestandteil dieser Equipe, die an der WM in Brasilien so stark aufgetreten ist, zu sein?

Pérez: Meiner Meinung nach wird es für Bryan Rabello ebenfalls nicht einfach sein, in die Nationalmannschaft von Chile zurückzukehren. Aber alles hängt von ihm selber ab. Er besitzt grosses Talent, doch muss er zeigen können, was in ihm steckt. Am Schluss zählen einzig die Leistungen auf dem Platz. Jorge Valdivia ist mit über 30 Jahren auch schon relativ alt, und Matias Fernandez ist sehr inkonstant, aus diesem Grund könnte es durchaus bald einmal Platz im offensiven Mittelfeld der chilenischen Nationalmannschaft geben.