FUSSBALL: Rausch: «Starker Mann fehlt»

Der FC Luzern steckt in der Krise. Wir haben frühere FCL-Exponenten über die Gründe befragt und dazu, wie der Klub aus dem Tief herauskommen könnte.

Daniel Wyrsch
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Der FCL-Meistertrainer, Friedel Rausch, wünscht sich mehr Selbstkritik beim FC Luzern. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Der FCL-Meistertrainer, Friedel Rausch, wünscht sich mehr Selbstkritik beim FC Luzern. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Friedel Rausch (74) ist der erfolgreichste Trainer in der Geschichte des FC Luzern. Mit dem Deutschen gewannen die Innerschweizer 1989 den einzigen Meistertitel und 1992 den zweiten Cupsieg nach jenem von 1960 unter Landsmann Rudi Gutendorf (88). Rausch lebt mit seiner Frau in Kriens und verfolgt den FCL intensiv. «Ich werde auf der Strasse oft angesprochen, der FC Luzern lässt die Leute nicht kalt.»

Stierlis schweres Erbe

Er hätte es nicht für möglich gehalten, dass die Mannschaft nach einem Viertel der Meisterschaft sieglos mit fünf Punkten am Tabellenende steht. Rausch: «Ich habe mehrere Spiele gesehen, es fehlt einiges. Es fängt damit an, dass man die Kritik nicht gerne hört.» Er findet: «Sie sollten selbstkritischer sein beim FCL.»

Es sei nun wichtig, die Ruhe zu bewahren. «Leute aus dem Umfeld dürfen sich nicht einmischen. Der Trainer trägt die Verantwortung. Er ist es, der rausgeschmissen wird, wenn der Erfolg ausbleibt.» Kritisch äussert sich Rausch zum Sportchef: «Alex Frei war ein erfolgreicher Profi, er muss erst beweisen, dass er auch hinter dem Schreibtisch die richtigen Entscheide fällt.» Rausch hat festgestellt, «dass ein richtig starker Mann beim FCL noch nicht da ist». Für die Geldgeber und Angestellten sollte es eine einzige Ansprechperson geben. «Es braucht einen Chef.» So wie früher Romano Simioni einer war und später Walter Stierli. «Ich hatte es mit Walter immer gut, er hat viel gelernt von mir. Er wäre noch immer der richtige Mann als FCL-Präsident», findet Rausch.

Lambert glaubt an die Wende

Christophe Lambert (27) war am letzten Samstag der Siegtorschütze des SC Buochs beim sensationellen Cup-Coup über YB. Er war in der Saison 2008/09 dabei, als sich der FCL nach einem miserablen Start mit zwei Punkten aus zwölf Spielen unter dem neuen Trainer Rolf Fringer vor dem Abstieg rettete.

Lambert: «Das heutige Kader ist viel breiter und qualitativ besser als damals.» Er erinnert sich: «Ciriaco Sforza trat damals sehr früh zurück, Morinini coachte uns auch nur wenige Spiele, in denen wir schlecht waren. Rolf Fringer brachte den erhofften frischen Wind.» In der aktuellen Situation beim FCL würde Lambert in der Führung ruhig bleiben. «Es ist gut möglich, dass sie von den nächsten drei Spielen zwei gewinnen. Dann sieht es viel besser aus», glaubt Ex-Profi Lambert an die Wende.

Willimann fehlt ein Leitwolf

Ruedi Willimann (68) meint: «Grundsätzlich ist die Mannschaft am sportlichen Desaster schuld. Sie hat zu wenig Klasse, um mittelfristig in dieser Liga um Platz 4 zu spielen.» Ihm fehlt ein Leitwolf. «Es ist kein Chef auszumachen, keiner, der sich auflehnt und die anderen Spieler wachrüttelt.» Ex-Trainer und Beobachter Willimann schaut öfter beim FCL-Training vorbei. «Die Körpersprache ist schlecht, sie trotten hintereinander her auf den Platz. Kein Vergleich zur Bundesliga, wo die Teams als Einheit aufs Feld gehen.» Willimann stört sich an der Informationspolitik des Sportchefs. «Frei macht ein Versteckspiel, statt sich wie früher Stierli den Fragen zu stellen und klare Aussagen zu machen.»

Freis falsche Transferentscheide

Die sportliche Misere hat FCL-Meistercaptain Roger Wehrli (58) vorausgesehen. «Aber so schlimm, wie es jetzt ist, erwartete ich es nicht.» Als Frei im Winter Affolter von YB holte, habe er gewusst, «das wird ein Flop, dafür muss man kein Prophet sein». Ein deutliches Zeichen war, als Bernegger statt Affolter mit den nicht mehr erwünschten Puljic und Stahel in der Innenverteidigung die Saison zu Ende spielte. Die anderen Neuen Rogulj und Lamas schätzt Wehrli nicht besser als Affolter ein. Schneuwly aber bezeichnet er als «Toptransfer». «Schneuwly und Jantscher könnten den FCL aus dem Dreck ziehen.» Und Rangelov hätte Wehrli behalten, «statt drei andere zu holen. Dann hätte Frei nicht jammern müssen, dass Luzern ein Streller fehlt. Rangelov hätte er ja gehabt.»

Rangelov: «Schade ums letztjährige FCL-Team»

Es gibt beim FC Luzern wohl keinen Spieler, der je von einer auf die andere Saison vom Saulus zum Paulus wurde wie Dimitar Rangelov (31). Der bulgarische Internationale weiss, dass er seinem in recht ärmlichen Verhältnissen angeeigneten Überlebenswillen viel verdankt. Andererseits ist ihm klar, damit manchmal auch zu übertreiben. «Es tut mir leid, wie ich damals in Luzern auf Jery losging.» Jérôme Thiesson bekam von ihm vor zwei Jahren im Training einen Kopfstoss. Es war nur eine Episode im Sündenregister des lange erfolglosen FCL-Stürmers. Statt wie im ersten Jahr nur zwei Pflichtspieltore erzielte Rangelov in seiner zweiten Saison für Luzern 17 Treffer (11 Liga-, 6 Cuptore). Trainer Carlos Bernegger hatte den spielstarken Mittelstürmer mental in Form gebracht. Doch Alex Frei – und dies längst nicht nur aus Spargründen – wollte Rangelov Ende Saison nicht behalten, trotz einer praktisch erfüllten Vertragsklausel für eine weitere Spielzeit.

Rangelov wechselte in die türkische Süper Lig zu Torku Konyaspor, wo er einen gut dotierten Zweijahresvertrag unterschrieb. Beim 2:1-Heimsieg gegen Balikesirspor gelang ihm ein Assist. Konyaspor verlor einen weiteren Match und spielte einmal unentschieden. Dabei musste Rangelov wegen einer Zerrung zuschauen. Nun ist er wieder fit.

Zum zweiten Mal Vater geworden

Derzeit lebt Rangelov allein in der 2-Millionen-Einwohner-Stadt Konya, seine Ehefrau gebar vor eineinhalb Wochen in Deutschland Sohn Lenny. Er ist nach der zweijährigen Tochter Emily das zweite Kind. «Bald werden wir alle wieder zusammen sein, das macht mich sehr glücklich.» Die Türkei sei im Vergleich zu den Ländern, in denen er bis jetzt gewesen sei, «etwas völlig anderes. Es ist ein schönes Land mit vielen interessanten Menschen.» Über seinen neuen Klub, der die Heimspiele in einem Stadion für 25 000 Fans austrägt, sagt er: «Konyaspor ist ein guter Verein mit vielen Fans, er hat Ambitionen, noch besser zu werden. Die Leute investieren richtig viel Geld.»

Obwohl Rangelov mehr verdient als beim FCL und es ihm gefällt, vermisst er die Schweiz, die Freunde, die ehemaligen Teamkollegen und Trainer Bernegger. «Wenn ich könnte, würde ich Carlos sofort in die Türkei holen.» Der Stürmer hält grosse Stücke auf ihn. «Bernegger versteht den Fussball. Wir hatten unter ihm ein gut ausbalanciertes Kollektiv.» Das habe funktioniert, bis Sportchef Alex Frei im Winter bekannt gab, künftig auf Puljic, Stahel, Renggli und ihn zu verzichten. «Schade, danach ging es abwärts. Ich glaube, sonst hätten wir den Cup geholt und wären in der Liga Zweiter geworden.»

Dass der FCL nun Letzter ist, wundert Rangelov nicht. Er hofft, dass Bernegger das Team «von unten rausführt». Und Rangelov fordert Frei auf, «sich hinzustellen und seine Fehler zuzugeben».