FUSSBALL: Rolf Fringer: «Es fehlt ein positiv Verrückter»

Sportchef Rolf Fringer (58) erklärt, wieso der FC Luzern beim 0:1 gegen GC erneut zu lange nicht ins Spiel kam. Eine Lösung hat er nicht, aber ein Rezept, um dieses Manko zu verringern.

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Der stärker werdende FCL (von links Ridge Mobulu und Tomislav Puljic) kann in der zweiten Halbzeit den Rückstand gegen GC (von links Matteo Fedele, Gregory Wüthrich und Goalie Vaso Vasic) nicht mehr wettmachen. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Der stärker werdende FCL (von links Ridge Mobulu und Tomislav Puljic) kann in der zweiten Halbzeit den Rückstand gegen GC (von links Matteo Fedele, Gregory Wüthrich und Goalie Vaso Vasic) nicht mehr wettmachen. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Interview Daniel Wyrsch

Rolf Fringer, Sie waren am Sonntagmorgen vor dem Training beim Team in der Swissporarena. Was haben Sie den Spielern eine Nacht nach dem kapitalen 0:1 im Direktduell gegen GC gesagt?

Rolf Fringer: Ich habe schon zum Anfang der Rückrundenvorbereitung am 5. Januar gesagt, dass wir nach so einem Jahr, wie es 2014 war, in einer Bringschuld sind. Dass wir extrem solidarisch sein und zusammenstehen müssen, wenn wir einen Schritt nach vorne machen wollen. Nach so einem Jahr wie dem letzten wird es immer wieder Rückschläge geben, das ist sicher. Wir hatten dies auch vor ein paar Jahren gehabt (in der Saison 2008/09 übernahm Fringer den FCL mit 2 Punkten aus 12 Spielen als Trainer und rettete ihn vor dem Abstieg; Anm. der Red.). Wir wollen dies nicht herbeireden, es ist eine realistische Einschätzung der Situation.

Sie wollten mit Ihrer Anwesenheit beim Training ein Zeichen setzen.

Fringer: Wenn man einen Rückschlag hat, kann man entweder jammern oder noch stärker zusammenrücken. Das ist wie in einer Familie, wenn es Probleme gibt, muss man füreinander da sein. Darum bin ich am Sonntag hierhergekommen.

Die erste Niederlage im fünften Spiel der Rückrunde ist das ein Rückfall?

Fringer: Es ist kein Weltuntergang, wir haben den ersten Match in diesem Jahr verloren. Es ist besser, wenn wir uns ärgern, dass wir mehr hätten herausholen können aufgrund der Torchancen. Man könnte auch 1:4 verlieren, und der Gegner hat acht Chancen und wir nur eine. Das 0:1 ist halt einfach ein negatives Resultat.

Einen Durchmarsch durfte man nach dem miserablen letzten Kalenderjahr 2014, das Luzern mit 32 Punkten als schlechtestes aller Teams der Liga mit 5 Punkten weniger als Aarau hinter sich brachte, sicher nicht erwarten.

Fringer: Das ist so, umso mehr wir auf dem Feld nur Tomislav Puljic gegenüber dem letzten Jahr neu dabei haben. Wenn man vom Januar bis Dezember in einem negativen Strom drin ist, kann man nicht meinen, man könne im Januar einen positiven Kick kreieren, um problemlos durch den Abstiegskampf zu kommen.

Machen Sie sich Sorgen, dass der FCL wieder in eine Negativspirale geraten könnte?

Fringer: Nein, wir sind nicht so schlecht, wir sind jetzt einfach enttäuscht. Jetzt gilt: Kopf hoch und positiv reagieren, dazu sind wir auch fähig.

Konkret fallen die schlechten ersten 30 Minuten beim 0:0 in St. Gallen auf, die inferioren ersten Halbzeiten beim 2:2 in Sion und nun bei der Niederlage bei GC. Was sind die Gründe für diese schwachen Spielstarts?

Fringer: Wir haben einen guten Zusammenhalt und ein gutes Klima. Aber dass wir letztes Jahr vier wichtige Persönlichkeiten auf einmal verloren haben, spürt man natürlich immer noch. Mit anderen Worten: Die Spieler sind sehr gut und korrekt zueinander, sie respektieren sich gegenseitig und haben eine professionelle Einstellung. Was uns aber abgeht, ist ein positiv Verrückter, der in der grössten Ruhe und Selbstzufriedenheit ein Zeichen setzt. Das ist eine Frage der Spielertypen.

Sie sprechen die Abgänge von Dimitar Rangelov, Florian Stahel, Michel Renggli und Tomislav Puljic an, von welchen Sie Puljic zurückholen konnten. Die Transferfenster sind geschlossen, wie wollen Sie das Defizit an Führungsspielern wettmachen?

Fringer: Mit der ganzen Dynamik, die wir miteinander haben, müssen wir dieses Manko wettmachen. Es ist eine Frage von Mentalität und Temperament, es fehlen Spieler, welche die anderen anstacheln und wecken. Jetzt muss jeder etwas mehr geben in dieser Beziehung.

Hatte Ihr Team in der erwähnten Saison 2008/09 einen Aggressivleader?

Fringer: Erstens hatten wir von 24 Kaderspielern zwölf Innerschweizer, die sehr viel Herzblut für den FCL entwickelten. Zum Beispiel war Roland Schwegler so einer, der mal einen zusammenstauchte und ausrief, so etwas braucht es einfach.

Trainer Markus Babbel hat die mentalen Defizite erkannt, ändern konnte er bis zum Spiel gegen GC nichts.

Fringer: Es ist für den Trainer nicht einfach, aus einem Introvertierten einen lauten Anführer zu machen. Man muss eng führen und klare Aufgaben geben, dass jeder in diesem Bereich mehr gibt.

Der Druck im nächsten Kellerduell am kommenden Samstag zu Hause gegen Vaduz wird nicht kleiner.

Fringer: Wir müssen jetzt gut trainieren, das Spiel wieder gut vorbereiten. In den beiden Heimspielen gegen YB und Aarau zeigten wir, dass wir dynamisch und druckvoll spielen können, zu guten Leistungen fähig sind. Ich bin überzeugt, dass wir das gegen Vaduz auch zeigen werden.

Die Luzerner Claudio Lustenberger (links) und Alain Wiss (rechts) gegen GCs Amir Abrashi. (Bild: Keystone)
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Luzerns Jahmir Hyka fällt im Duell mit GCs Yoric Ravet (hinten). (Bild: Keystone)
Luzerns Jahmir Hyka (links) verpasst ein Tor gegen GC-Torhüter Vaso Vasic. (Bild: Keystone)
Die Luzerner Ridge Mobulu (links) und Tomislav Puljic bedrängen die Zürcher Abwehr mit Matteo Fedele und Vaso Vasic. (Bild: Keystone)
Die Luzerner Ridge Mobulu (links) und Tomislav Puljic bedrängen die Zürcher Abwehr mit Matteo Fedele und Vaso Vasic. (Bild: Keystone)
Laufdell zwischen dem Luzerner Remo Freuler (links) und dem Züricher Stéphane Grichting. (Bild: Keystone)
Der Zürcher Caio (links) gegen den Luzerner Alain Wiss. (Bild: Keystone)
Kopfballduell zwischen Dario Lezcano (links) und Caio. (Bild: Keystone)

Die Luzerner Claudio Lustenberger (links) und Alain Wiss (rechts) gegen GCs Amir Abrashi. (Bild: Keystone)