FUSSBALL: Rolf Fringer: «FCZ-Erfahrung brauchte ich»

Sportchef Rolf Fringer (58) kehrt mit Luzern heute (17.45) an seine letzte Trainerwirkungsstätte beim FC Zürich zurück. Er spricht über FCZ-Präsident Canepa, Da Costa, Zibung und seinen Rücken.

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Ein Bild aus guten Zeiten: Am 1. April 2012 unterhalten sich Rolf Fringer (links), damals designierter FCZ-Trainer, und Ancillo Canepa auf der Letzigrund-Tribüne beim Heimspiel der Zürcher gegen YB. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Ein Bild aus guten Zeiten: Am 1. April 2012 unterhalten sich Rolf Fringer (links), damals designierter FCZ-Trainer, und Ancillo Canepa auf der Letzigrund-Tribüne beim Heimspiel der Zürcher gegen YB. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

daniel wyrsch

Rolf Fringer, wie geht es Ihnen nach der überstandenen Rückenoperation vor fast zwei Wochen?

Rolf Fringer: Danke, gut. Das war eine schwierige Operation. Die Ärzte mussten mir einen Gleitwirbel versteifen und Verknöcherungen abtragen, weil die Nerven keinen Platz mehr hatten. Zuletzt war der Schmerz so gross und strahlte in die Beine aus, so dass ich nicht mehr um einen Eingriff herumkam. Dafür war die Nationalmannschaftspause der ideale Zeitpunkt. Nach fünf Tagen in der Hirslanden-Klinik St. Anna konnte ich diese Woche wieder von zu Hause aus arbeiten. Ich bin auf dem Weg der Besserung.

Am Samstag sehen Sie beim Auswärtsspiel des FC Luzern in Zürich einen alten Bekannten: Freuen Sie sich auf das Aufeinandertreffen mit FCZ-Präsident Ancillo Canepa?

Fringer: Es ist für mich kein Problem, nach Zürich zu gehen. Die Zeit beim FCZ brauchte ich wahrscheinlich, um meinen Erfahrungsschatz zu vervollständigen. Mein Portefeuille an Erfahrungen ist in meinem jetzigen Job sehr hilfreich.

Canepa hatte Sie Ende November 2012 als FCZ-Trainer fristlos entlassen. Wegen angeblich vereinsschädigender Äusserungen wollte er Ihnen den zustehenden Lohn für die restlichen eineinhalb Jahre nicht bezahlen. Vor Gericht bekamen Sie Anfang dieses Jahres Recht. Haben Sie die ausstehenden 500 000 Franken erhalten?

Fringer: Dieser Betrag stammt nicht von mir. Ich möchte nur so viel sagen: Die Angelegenheit ist zu meinen Gunsten erledigt.

Ihr Nachfolger Urs Meier steht mit dem FCZ zwar als Titelverteidiger im Cup-Halbfinal gegen Sion, in der Meisterschaft gab es zuletzt aber zwei Niederlagen, und seit dem 5. Oktober und dem 3:0 gegen Vaduz wartet Zürich auf einen Heimsieg. Warum tut sich der FCZ trotz qualitativ überdurchschnittlicher Spieler so schwer?

Fringer: Urs Meier hat als Trainer des FCZ in den letzten zwei Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Ich wäre froh, wenn wir im Cup noch dabei wären und in der Meisterschaft Platz 3 belegen würden. Schon im Vorfeld des Spiels gegen die Grasshoppers hat man dem Gegner grosse Probleme angedichtet. Ich sage jetzt wieder: Ein angeschlagener Gegner ist doppelt gefährlich. Das muss uns eine Lehre sein. Wir dürfen nicht wie gegen GC – erst in der zweiten Halbzeit zu spielen beginnen.

David Da Costa ist drei Tage vor dem Spiel gegen Luzern in der Goalie-Hierarchie des FCZ degradiert worden. Das Team scheint ein internes Problem zu haben. Ist es ein Vorteil für Luzern, wenn der junge und wenig erfahrene Rückkehrer Yanick Brecher am Samstag im FCZ-Tor steht?

Fringer: In dem Moment, in dem man sich mit den Problemen des Gegners beschäftigt, hat man selber mehr Probleme, weil man sich nicht mehr um das Wesentliche kümmert, nämlich um seine eigene Leistung. Wir müssen auf uns schauen, uns auf den Match konzentrieren und einstellen, damit wir gut Fussball spielen.

Könnte Da Costa in Ihren Überlegungen betreffend der zukünftigen FCL-Mannschaft eine Rolle spielen?

Fringer: Diese Frage stellt sich mir gar nicht. Wir haben drei gute Torhüter. Überdies hat David Zibung eine sehr gute Rückrunde gespielt, und er wird seine Leistung auch in Zukunft bringen. Davon bin ich überzeugt.

Beim FCL weiss man derzeit nicht recht, in welche Richtung es geht: Gegen Vaduz spielte die Mannschaft nicht gut und gewann 2:0, gegen Basel hielt Luzern eine Halbzeit lang gut mit und verlor 1:4. Wo steht das Team Ihrer Meinung nach wirklich?

Fringer: Gegen Vaduz war das Team tatsächlich nervös. Basel war effizienter als wir damit für uns gegen den FCB etwas drin liegt, müsste es umgekehrt sein. Zürich ist jetzt eine echte Standortbestimmung für uns.

Tabellenschlusslicht FC Aarau hat mit dem heute 60 Jahre alt gewordenen Raimondo Ponte einen neuen Trainer geholt, der vor Jahresfrist beim FC Sion bewiesen hat, dass er auf die Spieler zugehen und Emotionen wecken kann. Der FCL muss darauf gefasst sein, dass Aarau wieder erstarken könnte.

Fringer: Es interessiert mich nicht, was sie in Aarau machen. Sicher kann ein Trainerwechsel einen Ruck auslösen, doch seither ist schon wieder die Länderspielpause gewesen. Wir müssen wie schon einmal erwähnt – nicht schauen, was die andern machen. Wir können unsere Lage nur mit der eigenen Leistung beeinflussen. Das gilt für die Mannschaft und alle andern FCL-Exponenten. Wir sind bis zum letzten Spiel auf einen harten Kampf eingestellt, das haben wir genügend oft gesagt und so ist es auch. Wir müssen dazu bereit sein und dürfen nicht nach jedem Spieltag alles hinterfragen.

Hinweis

Mehr zur Super League lesen Sie auf Seite 34.