FUSSBALL: Rolf Fringer hat es vorgemacht

Der FC Luzern hat vor sechs Jahren eine ähnlich schlimme Krise durchlebt wie jetzt. Damals schaffte die Mannschaft von Trainer Rolf Fringer (57) die Wende.

Daniel Wyrsch
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Wütende FCL-Fans beschimpften am Mittwoch die Luzerner Spieler nach dem Cup-Out gegen Aarau. (Bild: Philipp Schmidli)

Wütende FCL-Fans beschimpften am Mittwoch die Luzerner Spieler nach dem Cup-Out gegen Aarau. (Bild: Philipp Schmidli)

Wie geschlagene Hunde schlichen die FCL-Spieler am Mittwochabend nach der 1:2-Heimpleite im Cup gegen Aarau zum Fanblock. Dort wurden sie von den aufgebrachten Anhängern beschimpft. Die Ultras liessen ihren Frust nach der fünften Niederlage aus den letzten sieben Pflichtspielen an der Mannschaft aus. Captain Claudio Lustenberger (27) stellte sich den aggressiven Fragen.

Rückblende, 25. Oktober 2008: Der FC Luzern hatte durch einen von Julio Hernan Rossi in der 90. Minute verwerteten Penalty bei Neuchâtel Xamax mit 0:1 verloren. Es war sage und schreibe die zehnte Niederlage im zwölften Ligaspiel. Für den inzwischen verstorbenen Roberto Morinini war damit sein Engagement in der Zentralschweiz nach sechs Partien und nur einem Remis zu Ende. Vor ihm hatte bereits Ciriaco Sforza nach fünf Spielen und nur einem Unentschieden das Handtuch geworfen. Zwischen Sforza und Morinini verlor Interimscoach Jean-Daniel Gross zu Hause mit 0:3 gegen YB.

Dritter Trainer nach zwölf Spielen

Als dritter Cheftrainer der Saison 2008/09 übernahm Rolf Fringer die arg gebeutelte Mannschaft. «Er war der richtige Mann für uns, Rolf Fringer hatte schon andere aus heiklen Situationen geführt», sagte kürzlich Ex-FCL-Spieler Christophe Lambert (27), der heute Captain beim SC Buochs ist.

Bei Fringer, der die Luzerner sowie die Liga bestens kannte, passte die Phrase von den neuen Besen, die besser kehren. Er gewann gleich die ersten zwei Spiele mit den Blauweissen; 1:0 gegen Bellinzona (Penaltytor Chiumiento) und 3:0 gegen Aarau (Penaltytor Chiumiento und Treffer von Ferreira und Ravasi). Der FCL hatte nach 14 Runden bereits acht Zähler auf dem Konto.

Negativrekorde drohen

Ein Blick in die Gegenwart zeigt: Falls Luzern am Samstag (17.45) beim Leader FC Zürich nicht gewinnt, wäre der Negativrekord von 13 sieglosen Spielen zum Meisterschaftsstart Tatsache. Würde das Team von Markus Babbel (42) auch eine Woche später zu Hause gegen Thun nicht siegen, wäre der schlechteste FCL-Saisonstart von anno 2008/09 (14/8) entweder egalisiert oder sogar unterboten. Fringer, im Frühling 2011 von den Spielern Hakan Yakin, Daniel Gygax und David Zibung nicht mehr unterstützt und in der Folge freigestellt, will zur aktuellen Situation beim FCL nichts sagen. «Es liegt nicht an mir, die sportliche Arbeit zu beurteilen», sagt der in Hergiswil nur wenige Autominuten von der Luzerner Allmend wohnende Fussballlehrer. Im Fussball könne alles schnell besser laufen. Babbel, dem zweiten Cheftrainer dieser Saison nach Carlos Bernegger, und dem Team würde er beim Leader FCZ mehr Wettkampfglück wünschen als gegen Aarau. Das Cup-Aus gegen die Aargauer verfolgte Fringer übrigens als Gast im VIP-Bereich der Swissporarena, wo er nur einmal im Juli 2012 als Coach des FC Zürich (1:1) an der Seitenlinie gestanden ist.

Fringer und van Eck nie auf der Liste

Fringer verbindet eine Gemeinsamkeit mit Babbel: Der Mann mit dem österreichischen Pass trainierte wie der Bayer Babbel in der Vergangenheit den VfB Stuttgart. Zu den Kandidaten für die Nachfolge von Bernegger zählte Fringer nicht. Wie der andere bei den Fans beliebte Ex-FCL-Trainer der letzten zehn Jahre, René van Eck (48), hatte er nichts von Sportchef Alex Frei (35) gehört.

Zurück in die Saison 2008/09: Da gelang es dem Team im sechsten Match unter Fringer, den FC Basel mit 5:1 (FCL-Torschützen Ferreira und je zweimal Frimpong und Paiva) im Allmendstadion zu deklassieren. Aber natürlich konnte der frühere Meistertrainer von Aarau und GC bei der nach einem Saisondrittel hoffnungslos abgeschlagenen Mannschaft nicht einfach eine heilende Hand auflegen. Vor diesem Ausrufezeichen gegen Christian Gross’ FCB war der FCL bei YB mit 1:6 untergegangen und verlor zu Hause gegen GC mit 0:3.

Wende gegen Vaduz und Lugano

Nach zwei Dritteln der Saison betrug der Rückstand auf Vaduz sieben Punkte, bei Fringers Arbeitsbeginn waren es nur zwei Punkte mehr gewesen. Die definitive Wende gelang den Innerschweizern am 27. und 28. Spieltag: Direkt nach dem 3:1-Heimsieg gegen Vaduz (FCL-Torschützen Gajic, Paiva, Claudio Lustenberger) folgte die Auswärtspartie. Am 18. April 2009 machte Luzern mit dem 2:1-Erfolg (FCL-Treffer von Paiva und Lukmon) einen grossen Schritt in Richtung Barrage. Bis 2011/12 musste der Neuntplatzierte der Super League Relegationsspiele gegen den Zweiten der Challenge League bestreiten. Mit am Ende 13 Punkten Vorsprung auf Vaduz schaffte Luzern diese letzte Chance auf den Ligaerhalt. Im Vergleich zum damals von Pierre Littbarski trainierten Vaduz sind die Liechtensteiner nun unter Giorgio Contini und mit den Ex-FCL-Profis Florian Stahel und Philipp Muntwiler stärker und erfahrener besetzt.

Fringers verschworene Mannschaft zeigt Babbels Team, dass noch nichts verloren ist: Zwar verlor der FCL das Barrage-Hinspiel in Lugano 0:1, aber das Rückspiel beim letzten Match im Allmendstadion brachte mit dem unvergesslichen 5:0-Sieg (Torschützen Renggli, Chiumiento, Scarione und zweimal Paiva) am 13. Juni 2009 den Klassenerhalt.

Fällt Adrian Winter gegen Zürich aus?

Luzerns Rechtsaussen Adrian Winter musste gegen Aarau im verlorenen Cup-Achtelfinal in der 65. Minute ausgewechselt werden. Grund: Der 28-jährige Thalwiler hatte in der Anfangsphase einen schmerzhaften Schlag eines Aargauers aufs Bein bekommen. Winter nahm eine Schmerztablette und biss auf die Zähne, bis er dann doch durch Ridge Mobulu ersetzt werden musste.

Diagnose erst heute Mittag

Der FCL konnte gestern nicht sagen, ob Winter morgen (17.45) beim Tabellenersten FC Zürich eingesetzt werden kann oder ausfällt. Luzerns Medienchef René Baumann teilte mit: «Eine genaue Diagnose liegt erst am Freitagmittag vor.»

Der damalige FCL-Trainer Rolf Fringer lässt sich nach der gewonnenen Barrage gegen Lugano am 13. Juni 2009 von den Luzerner Fans feiern. (Bild: Philipp Schmidli)

Der damalige FCL-Trainer Rolf Fringer lässt sich nach der gewonnenen Barrage gegen Lugano am 13. Juni 2009 von den Luzerner Fans feiern. (Bild: Philipp Schmidli)