FUSSBALL: Rolf Fringer: «Ich bin schockiert»

Grosser Knall beim FC Luzern: Der Verein stellt Sportchef Rolf Fringer per sofort frei. Offenbar hatte es zuvor einen Machtkampf um die Zukunft von Trainer Markus Babbel gegeben.

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Ist in der Swissporarena nicht mehr erwünscht: der 58-jährige Rolf Fringer. (Bild Manuela Jans-Koch)

Ist in der Swissporarena nicht mehr erwünscht: der 58-jährige Rolf Fringer. (Bild Manuela Jans-Koch)

Daniel Wyrsch

FCL-Sportchef Rolf Fringer (58) war fassungslos. Zu seiner sofortigen Freistellung sagte er gestern am frühen Abend: «Ich bin schockiert, wurde völlig auf dem falschen Fuss erwischt. In meiner ganzen Zeit im Fussball bin ich noch nie so enttäuscht worden.» Die schlechte Nachricht hatten ihm der geschäftsführende Präsident Ruedi Stäger (58) und Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter (38) überbracht. Rechtsanwalt Studhalter führt seit dem letzten Frühling im Auftrag von Hauptaktionär Bernhard Alpstaeg (70) die FCL-Holding, die den Super-League-Klub besitzt.

In einer kurzen Medienmitteilung hatte der Verein nach 17 Uhr die Freistellung Fringers wie folgt erklärt: «Ausschlaggebend für diesen Schritt sind unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung des Klubs.» Stäger gab zur Vertragsauflösung keine weiteren Auskünfte. Studhalter sagte zu unserer Zeitung: «Seit ich im Amt bin, habe ich ein Ziel: dass alle am gleichen Strick ziehen und ein Team sind.» Mit vereinten Kräften wolle man unter Einhaltung der sportlichen Leistung die Finanzen in den Griff bekommen. Das heisst, dass die Investoren künftig nicht mehr 2-Millionen-Franken-Löcher wie in den letzten Jahren stopfen wollen.

Kluft zwischen Stäger und Fringer

Allerdings hat der Rausschmiss von Fringer nicht direkt mit der angespannten finanziellen Lage des Klubs zu tun, vielmehr wurde nicht mehr am gleichen Strick gezogen. Den Beobachtern in und um die Swissporarena ist nicht entgangen, dass sich zwischen Klubchef Stäger und Fringer schon länger eine Kluft auftat. Zusammen mit dem damaligen Sportdirektor Alex Frei (36) hatte Stäger Mitte Oktober 2014 Trainer Markus Babbel (43) zum FCL geholt. Er hat dem Deutschen immer den Rücken gestärkt. Fringer dagegen hielt nur öffentlich zum Coach. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte Babbel nur noch bis zu dessen Vertragsende im Sommer bleiben können. Für Fringer wäre es eine Option gewesen, den jetzigen Assistenten Roland Vrabec (41) zum Cheftrainer zu machen.

Die unterschiedlichen Meinungen in der zentralen Trainerfrage führten zum Bruch. In einem Moment, in dem niemand damit gerechnet hatte. Denn nicht nur Fringer selbst ist über den überraschenden, grossen Knall schockiert, auch für einen Grossteil der Mannschaft ist dieser folgenreiche Entscheid aus dem Nichts gekommen und nicht nachvollziehbar. Ausgerechnet jetzt, wenn der FCL in der Winterpause auf Platz 4 steht, eine gute Ausgangslage für die Rückrunde besitzt und zudem im Cup-Halbfinal steht. Das Jahr unter der sportlichen Leitung von Fringer war eines der sportlich erfolgreichsten und im Umfeld ruhigsten der letzten Dekade. Man darf gespannt sein, wie die Spieler mit Fringers Rauswurf umgehen.

Babbel neu Sportchef ad interim

Die vakante Position des sportlichen Leiters besetzt der FCL per sofort mit verschiedenen Personen, wobei Babbel die Hauptrolle spielen wird. Dieses Doppelmandat hatte er bereits 2012 bei Hoffenheim inne. Der Verein teilte mit, dass bis zur Neubesetzung des Postens ein Sportausschuss mit Trainer Babbel, Chefscout Remo Gaugler, Nachwuchschef Genesio Colatrella und der Geschäftsleitung mit Präsident Stäger an der Spitze Fringers Aufgaben übernehmen wird. Dieser Ausschuss muss nun allfällige Spielerverkäufe und Zuzüge tätigen.