FUSSBALL: Rolf Fringer rechnet mit dem FC Luzern ab

Ex-FCL-Sportchef Rolf Fringer weilt in den Ferien in Thailand. Von dort aus erhebt er schwere Vorwürfe gegen Verwaltungsrat Marco Sieber und Präsident Ruedi Stäger.

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Ist gekränkt und fühlt sich hintergangen: Ex-FCL-Sportchef Rolf Fringer packt aus und blickt im Zorn zurück. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Ist gekränkt und fühlt sich hintergangen: Ex-FCL-Sportchef Rolf Fringer packt aus und blickt im Zorn zurück. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Daniel Wyrsch

Rolf Fringer (58) hat gestern zurückgeschlagen. Aus den gemeinsamen Thailand-Ferien mit seiner Lebenspartnerin rechnet er mit dem FC Luzern ab, macht den Verantwortlichen seines Ex-Arbeitgebers via «Blick online» heftige Vorwürfe. Den Verwaltungsrat Marco Sieber (59) beschuldigte er gar, eine falsche Rolle gespielt zu haben.

Sieber äussert sich nicht dazu

Sieber wollte gestern gegenüber unserer Zeitung keine Stellung zu den schweren Vorwürfen beziehen. FCL-Präsident Ruedi Stäger (58) sagte am Telefon im Trainingslager in Marbella: «Wir wollen keine schmutzige Wäsche waschen.» Die sofortige Freistellung Fringers sei aufgrund eines weitgehenden Vertrauensverlustes erfolgt. Es sei ein breit abgestützter Entscheid gewesen. Die Trennung habe möglichst schnell erfolgen müssen. Stäger betont: «Wir würden es genau so wieder machen.»

Vor 16 Tagen war es in Luzern zum grossen Knall gekommen. Völlig überraschend wurde Sportchef Fringer per sofort freigestellt. Die einzige Begründung von FCL-Präsident Stäger und des Verwaltungsrats für diesen radikalen Entschluss lautete: «Wir trennten uns vom Sportchef wegen unterschiedlicher Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung.»

Im Zentrum von Fringers Freistellung war bekanntlich gestanden, dass er den Vertrag mit Cheftrainer Markus Babbel nicht verlängern und stattdessen ab Sommer Co-Trainer Roland Vrabec zum Chefcoach befördern wollte. Fringer zum «Blick»: «Ich hatte vor Weihnachten ein Papier erstellt. Darin habe ich aufgezeigt, weshalb Roland Vrabec der richtige Mann für den FCL wäre.» Der Deutsch-Kroate sei ein absoluter Fachmann mit hoher Fachkompetenz. Die Spieler hätten grossen Respekt vor ihm und seinem Fussballwissen. Fringer: «Seinen Anteil am FCL-Erfolg würde ich mit 80 Prozent beziffern. Er ist es, der das Team trägt.»

Entscheidende Telefonkonferenz?

Fringer erzählt, dass er zunächst die Rückendeckung von Sieber erhalten habe. Der vormalige Verwaltungsratspräsident ist in der FCL-Holding AG für die sportlichen Belange zuständig. Von dessen Unterstützung gegenüber Fringer habe Sieber bei einer Telefonkonferenz mit den Investoren dann aber nichts mehr wissen wollen. Stattdessen wurde einstimmig entschieden, Fringer zu entlassen.

Als Präsident Stäger ihn am 7. Januar sprechen wollte, sei Fringer ahnungslos gewesen. Fringer war der Meinung, dass man ihm für die geleisteten Dienste danken würde. Fringer: «Als ich vor einem Jahr kam, war die Mannschaft am Boden, der FCL am Tabellenende. Ich habe Tomislav Puljic zurückgeholt, viele Einzel- und Gruppengespräche geführt. Nun sind wir auf Platz 4 und stehen im Cup-Halbfinal.» Er fügt an, dass der FCL jetzt mit den Transfers von Dario Lezcano und Remo Freuler Millionen eingenommen habe. «Diese beiden sowie Jantscher und Schneuwly im Sommer zu halten, war eine schwierige Mission.»

Fringer erzählt gekränkt, dass er sich wie einer fühle, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt und nicht einmal das Opfer kennen würde. Fringer erbost: «Eigentlich ist es eine Schweinerei, wie man mit mir umgegangen ist! Es ist hart, von Leuten liquidiert zu werden, die gar nicht vom Fussball kommen.»

Fringer verweigert Unterschrift

Ausserdem hätte Fringer eine Vereinbarung unterschreiben sollen, dass die Trennung «in gegenseitigem Einvernehmen» erfolgt sei. Fringer weigerte sich, das Papier zu unterzeichnen.

Der frühere Nationalcoach und Meistertrainer von Aarau und GC fühlt sich von Präsident Stäger und Verwaltungsrat Sieber hintergangen.

Fringer hat in den letzten Tagen in mehreren Medien ohne Rücksicht auf Verluste ausgepackt. Befragt zu möglicherweise vereinsschädigenden Aussagen von Fringer, meint Stäger: «Das kann man so interpretieren.» Der Ex-Sportchef ist in einem gekündigten Arbeitsverhältnis mit dem FCL. Noch bis Ende April erhält er den Lohn. Vielleicht hat Fringer mit seiner öffentlichen Abrechnung sein ihm vertraglich noch zustehendes Geld riskiert. Nicht auszuschliessen ist, dass Stäger, Sieber und Co. juristisch gegen ihn vorgehen ­werden.

Übrigens: Der FCL ist bereits in einem arbeitsrechtlichen Streit mit Ex-Trainer Carlos Bernegger. Dieser steht noch bis Mitte Jahr auf der Payroll. Seit November werden Bernegger 10 000 Franken vom Lohn abgezogen, weil er ein Trainerjob-Angebot vom Challenge-League-Klub Chiasso nicht angenommen habe.

FCL verliert gegen Kiew und bangt um Basha

Testspieldw. Der FC Luzern hat gegen Champions-League-Achtelfinalist Dynamo Kiew die erste Niederlage in der Vorbereitung erlitten. 1:2 verloren die Luzerner das letzte Testspiel im Camp von Marbella.

Für den ukrainischen Rekordmeister Dynamo Kiew war zweimal der Brasilianer Moraes Junior (22./34.) zum 1:0 und 2:0 erfolgreich. Aussenverteidiger Sebastian Schachten schoss das FCL-Tor. Er war nach einem Freistoss von Jakob Jantscher in der 43. Minute zur Stelle und traf zum 1:2-Endstand.

Bangen muss der FCL um Migjen Basha. Der albanische Nationalspieler wurde kurz vor Schluss mit Verdacht auf Bänderriss ausgewechselt. Sollte er gravierend verletzt worden sein, würde er mehrere Wochen ausfallen, und sein Einsatz beim Rückrunden-Startspiel am 7. Februar in Basel wäre fraglich. Klarheit wird die medizinische Diagnose bringen.

Heute beendet der FCL das neuntägige Trainingslager in Marbella und reist zurück nach Luzern.

Neumayr-Deal am Montag offiziell

Markus Neumayr wird heute in der Swissporarena zum medizinischen Test erwartet. Der FCL und Vaduz sind sich einig über den Transfer. Darüber informieren wollen die beiden Super-League-Klubs aber erst am Montag. Dann wird auch Neumayr vorgestellt. Der deutsche Mittelfeldspieler kostet den FCL knapp 100 000 Franken Ablöse, Extraleistungen an den Spieler und die Berater nicht eingerechnet.

Luzern - Dynamo Kiew 1:2 (1:2)
San Pedro de Alcántara. – 250 Zuschauer.
Tore: 22. Moraes Junior 0:1. 34. Moraes Junior 0:2. 43. Schachten (Freistoss Jantscher) 1:2.
Luzern, 1. Halbzeit: Zibung; Schachten, Rogulj, Puljic, Lustenberger; Affolter, C. Schneuwly; Jantscher, Fandrich, Hyka; M. Schneuwly. – 2. Halbzeit: Bucchi; Schachten (61. Sarr/72. Affolter), Rogulj (61. Schmid), Puljic (61. Brandenburger), Thiesson; Affolter (61. Basha), C. Schneuwly (61. Oliveira); Hyka (61. Kryeziu), Fandrich (61. Cirjak), Haas;
M. Schneuwly (61. Yesil).
Bemerkungen: 72. Sarr (Platzwunde unter dem Auge) ausgewechselt. 88. Basha verletzt ausgeschieden.