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FUSSBALL: Rolf Fringer: «Wir haben Mumm bekommen»

Rolf Fringer (58) ist seit fünf Monaten zurück beim FC Luzern. Er spricht über die gute Entwicklung des Teams, über den Trainer und das Ende der Wohlfühloase FCL.
Rolf Fringer in der Swissporarena: Mit seiner Rückkehr entschwand die akute Abstiegsgefahr des FCL. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Rolf Fringer in der Swissporarena: Mit seiner Rückkehr entschwand die akute Abstiegsgefahr des FCL. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

interview daniel wyrsch

Rolf Fringer, seit Anfang Januar sind Sie FCL-Sportchef. Haben Sie es nie bereut, zurück auf die Allmend in die Swissporarena gekommen zu sein?

Rolf Fringer: Im Gegenteil! Ich habe damals gesagt, dass ich topmotiviert bin und mich auf eine neue Herausforderung freue. Nach fünf Monaten kann ich dies nur bestätigen, es ist etwas ganz anderes als in der Zeit als Trainer und andererseits auch nicht. Immer wenn ich in den letzten Jahren hier am neuen Stadion vorbeigefahren war, sagte ich mir: «Hier werde ich ganz sicher wieder arbeiten!» So ist es auch gekommen. Ich habe nun tolle Erfahrungen machen können, es gab zeitweise enorm viel Arbeit, aber ich habe diese sehr gerne gemacht. Ich könnte es mir nicht idealer vorstellen.

Als Sie zum FCL zurückgekehrt waren, gab es Reaktionen von Leuten, die Ihnen gegenüber Unverständnis zeigten, weil Sie hier 2011 einen traurigen Abgang erlebt hatten. Sind inzwischen nie Gefühle aufgekommen, dass beim FCL nicht immer korrekt mit den Leuten umgegangen wird?

Fringer: Nein, im Leben allgemein wie im Fussball muss man gewisse Dinge ein Stück weit akzeptieren können. Ich habe gelernt, dass alle Erfahrungen für etwas gut sind. Man muss auch über den eigenen Schatten springen, etwas einstecken und trotzdem positiv nach vorne schauen können. Wenn man etwas unbedingt will, dann erreicht man es auch sehr oft. Darum habe ich nie Probleme gehabt mit schlechten Gefühlen, die vielleicht eine Zeit lang vorhanden gewesen waren.

Die Trainerarbeit und das Coaching an der Seitenlinie haben Sie nie vermisst?

Fringer: Überhaupt nicht. Ich wusste das und war auf die neue Herausforderung vorbereitet. Als Sportchef war es kein Thema, auf die Bank zu sitzen, da war ich genug lang gewesen. Mir war klar, ins Büro zu sitzen macht mir nichts aus und vielleicht etwas trockenere Arbeit zu haben. Es geht ja nach wie vor um Fussball, so ist mein Hobby weiterhin mein Beruf, und das ist ein grosses Privileg.

Seit dem Ende der Profikarriere haben Sie Rückenprobleme belastet. In der letzten Länderspielpause wurden Sie operiert. Wie geht es Ihnen heute?

Fringer: Ich begann sofort wieder zu arbeiten, anfänglich konnte ich mir die Schuhe nicht binden, doch es wurde jeden Tag etwas besser. Bei der Arbeit hatte ich schon nach zwei bis drei Wochen keine Probleme mehr, sitzen und herumgehen waren möglich. Zugeben muss ich, dass ich zu Beginn zu viel machte, aber ich spüre nun, dass es immer besser wird, und auch eine Kontrolle brachte ein positives Ergebnis. Ich müsste mehr Sport treiben, sobald das Kader steht, werde ich mehr auf meine Gesundheit achten.

Am Pfingstmontag wäre mit einem Heimsieg über Zürich sogar Platz 4 und damit die sichere Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation möglich gewesen. War in diesem Spiel im Gegensatz zum letzten Match beim 3:0 über Sion – nach einer längeren, sehr erfolgreichen Phase die Luft draussen gewesen?

Fringer: Ich würde sagen Jein, dass man natürlich eine mentale und eine körperliche Müdigkeit etwas gesehen hat, ist klar. Obwohl der Abstiegskampf Substanz kostete, standen die anderen auch am Ende der Saison. Die Spieler rissen sich zusammen, spielten einen spektakulären, kräfteraubenden Fussball. Wir brachten das Pensum mit fast immer denselben elf Spielern über die Runden, wenn man wenig wechselt, dann sind die Stammspieler etwas schneller ausgelaugt. Es gab andererseits auch Spiele, in denen es für uns sehr gut lief, da durfte es auch mal wieder einen Match geben wie gegen Zürich, in dem wir vielleicht dem Gegner das Siegtor schenkten. Abgesehen davon spielte der FCZ gegen uns sehr gut.

Schaut man in die jüngere Geschichte des FCL, haben vor zwei Jahren der damalige Sportchef Alex Frei und der damalige Trainer Carlos Bernegger in den letzten zehn Spielen souverän den Ligaerhalt geschafft. Ihnen und Trainer Babbel ist es in der abgelaufenen Halbsaison noch spektakulärer gelungen, den Abstieg zu verhindern und bei einem Basler Cupsieg am nächsten Sonntag über Sion von Platz 5 aus sogar in den Europacup zu kommen. Doch nun folgt die grosse Weichenstellung für die Zukunft, schaffen Sie es, den FCL endlich konstant erfolgreich zu machen?

Fringer: Wenn man zurückschaut auf den letzten Dezember, haben wir alle miteinander eine sensationelle Entwicklung genommen. Jetzt, wo es läuft, sagen einige Leute, dass es normal ist, denn sie hätten es immer gewusst. Dem ist natürlich nicht so, einige Veränderungen der Rahmenbedingungen waren unbedingt nötig. Wir haben Mumm bekommen, sind nicht mehr die Prügelknaben, sondern ein Team mit Selbstvertrauen. Normalerweise geht man so mit viel Zuversicht in die neue Saison. Trotzdem ist Kontinuität in einer Zehner-Liga ein schwieriges Unterfangen. Es gibt entweder Europa-League-Euphorie oder Abstiegskampf, weil es fast kein Mittelfeld gibt. Das haben wir heuer am eigenen Leib erlebt. Mittlerweile stelle ich fest, dass unsere gesamte Sportabteilung zusammengewachsen ist.

Wie kann man sich das vorstellen?

Fringer: Von mir zu Markus Babbel zum Staff und zur Mannschaft gibt es einen roten Faden, wir sprechen die gleiche Sprache. Es wird nicht möglich sein, dass da einer für schlechte Stimmung sorgt, eine solche Person würde nicht lange hier sein. Es ist wichtig, dass man sich gegenseitig stützt, zusammen erfolgreich sein will und sich dementsprechend verhält. So bringt man die Qualität auf den Platz, jeder hat seine Position gefunden.

Veränderungen wird es trotzdem geben. Gerade auf der Zehnerposition mit Jakob Jantscher, der eine sehr gute Saison gespielt hat, sind die Chancen für ein Bleiben doch sehr gering. Sehen Sie das auch so?

Fringer: Solange kein hervorragendes Angebot vorliegt, müssen wir abwarten. Denn er ist wirklich gerne beim FC Luzern. Sollte keine Möglichkeit bestehen, in eine grosse Liga zu wechseln, bin ich überzeugt, dass Jakob bei uns bleibt. Ich habe ihn längst nicht verabschiedet.

Auch Trainer Markus Babbel hat in der Rückrunde eine sehr gute Entwicklung gezeigt zum Spektakel-Fussball hin, man denke an die beiden 6:2-Siege gegen St. Gallen und Aarau. Doch Hand aufs Herz, hat da auch die Offensiv-Philosophie von Rolf Fringer auf das Coaching abgefärbt?

Fringer: Natürlich reden wir zusammen über Fussball, natürlich sage ich, woran das Luzerner Publikum Freude hat. Aber diese Art des Fussballs hat sich gedanklich gedeckt mit Markus Babbel, Roland Vrabec und deren Staff. Sie haben den Fussball des Agierens auch gerne, sie wollen auch mutig nach vorne spielen. Wir haben eine ähnliche Philosophie, die ein gutes Gefühl gibt für einander. Natürlich mussten wir uns zuerst kennen lernen, als wir noch mitten im Abstiegskampf waren. Danach kam ein Riesensprung nach vorne in Sachen Spektakel und in der Art und Weise, wie wir aufgetreten sind. Wir sind auf einem sehr guten Weg, den wir noch länger miteinander gehen können.

Sie holten im Winter Tomislav Puljic zurück, welcher der Abwehr viel Stabilität gab und bis zu seiner Verletzung in acht Spielen drei Tore erzielte. Andererseits war die andere Rückholaktion nicht erfolgreich. Stürmer Cristian Ianu kam nur zu Teileinsätzen, die Chemie mit Babbel scheint nicht zu stimmen. Ist der Ianu-Transfer ein Missverständnis gewesen?

Fringer: Zu Puljic und Ianu kommt für mich Adrian Winter dazu. Mir war wichtig, dass in diese Mannschaft Leben, positive Energie und Hoffnungsträger kommen. Das war nicht nur Tomislav, der spielte und wichtig war. Der Erfolg ist auch abhängig von der Gruppendynamik, von der Stimmung in der Kabine und vor allem von den Ersatzspielern. Weil Marco Schneuwly und Dario Lezcano überragend spielten, war für Cristian Ianu kein Platz im Sturm. Ohne ihn, Tomislav und Adrian als Antreiber wären wir nicht so schnell aus den Startlöchern gekommen. Aber auch die Verpflichtung von Assistenztrainer Roland Vrabec war sehr wichtig. All diese Veränderungen sowie eine Art Masterplan mit einer Sensibilisierung auf die kommenden psychologischen Hürden waren matchentscheidend.

Mit Alain Wiss gab es keine Einigung, worauf der langjährige FCL-Spieler Sie auf Radio Pilatus verbal angriff.

Fringer: Ich habe mit Alain darüber gesprochen. Ich schätze ihn, er ist absolut zuverlässig. Ich würde in dieser Situation auch meinem Sohn empfehlen, einmal wegzugehen. Alain tut es 100-prozentig gut, denn dann hat er die Chance, noch einmal einen Sprung zu machen. Er hat sich in dieser Saison gut entwickelt, nicht zuletzt weil er einen auslaufenden Vertrag hatte. Künftig wollen wir nicht mehr frühzeitig Dreijahresverträge geben und alle vergolden. Das gibt den Spielern eine falsche Sicherheit, in der es egal ist, hin und wieder ein Spiel zu verlieren. Das muss aufhören. Beim FCL hat viele Jahre lang eine Art Wohlfühloase geherrscht, ich finde, da müssen wir den Charakter in unserem Mannschaftsgebilde ändern.

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