FUSSBALL: Sawiris hilft beim Kahraba-Deal

Der Transfer des Ägypters Mahmoud Kahraba (19) zum FC Luzern ist weiter auf gutem Weg. Allerdings ist der U-20-Nationalspieler immer noch in Kairo.

Daniel Wyrsch
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Verlor an der U-20-WM gegen den Irak 1:2 und schied nach den Gruppenspielen mit Ägypten aus: Mahmoud Kahraba (rechts) gegen Ali Faez. (Bild: Getty/Bulent Kilic)

Verlor an der U-20-WM gegen den Irak 1:2 und schied nach den Gruppenspielen mit Ägypten aus: Mahmoud Kahraba (rechts) gegen Ali Faez. (Bild: Getty/Bulent Kilic)

Transferzeit ist Gerüchtezeit. Fast jeden Tag gibt es Neuigkeiten um Spieler und Vereine. Wie beim FC Luzern, wo der ägyptische U-20-Nationalspieler Mahmoud Kahraba (19) unmittelbar vor der Verpflichtung steht. Sportchef Alex Frei (34) bleibt seinem taktischen Kurs treu: «Ich kann den Transfer weiterhin nicht bestätigen.» Der Ex-Goalgetter kennt das internationale Geschäft wohl zu gut, er weiss, dass ein Spieler erst dann beim neuen Arbeitgeber ist, wenn alle Formalitäten abgeschlossen sind.

Zwar sollen die Verträge (ein Jahr plus Option zur definitiven Übernahme) zwischen allen drei Parteien – dem Spieler, Kahrabas Klub Enppi und dem FCL – unterschrieben sein, aber einige wenige Details fehlen doch noch.

Medizinischer Test und Visum

Ein neuer Spieler muss zuerst vom Klubarzt medizinisch gecheckt werden. In Kahrabas Fall derzeit eine schwierige Angelegenheit, da der Fussballer immer noch in Kairo weilt. Der einzige Grund, weshalb er noch nicht in die Schweiz gereist sei, habe mit dem fehlenden Einreisevisum sowie mit der noch ausstehenden Aufenthaltsbewilligung zu tun, wie unsere Zeitung erfahren hat. Weil der Spieler nicht aus dem EU-Raum stammt, müssen die Luzerner einen erheblichen bürokratischen Aufwand betreiben. Doch was dem FC Basel bei den Transfers der Ägypter Mohamed Salah und Mohamed Elneny (beide 21) gelungen ist, sollte auch für den FCL machbar sein. Kahrabas Übertritt dürfte damit weiterhin auf gutem Weg sein. Am Montag oder Dienstag erwartet man den jungen Ägypter in Luzern.

Vertrauensbeweis für Frei

Falls Kahraba die Aufenthaltsbewilligung bekommt, stehen die FCL-Investoren bereit. Schliesslich wird die Finanzierung des nordafrikanischen Talents durch die Holding Löwen Sport und Event AG ermöglicht. Besonders Samih Sawiris (56) hat sich für den Wechsel seines ägyptischen Landsmanns stark-gemacht: Der milliardenschwere Tourismusunternehmer setzte seinen Einfluss und seine Kontakte in Kairo ein und konnte damit die Verantwortlichen von Kahrabas Verein Enppi überzeugen. Als einflussreicher Geschäftsmann könnte Sawiris gerade bei diesem speziellen Klub, der vom Ölgeschäft finanziert wird, Gewicht gehabt haben. Für den FCL-Sportchef Frei dürfte es eine wichtige Anerkennung sein, dass ihm die Investoren Sawiris, Bernhard Alpstaeg, Walter Stierli, Marco Sieber und Hans Schmid vertrauen und dieses recht komplexe Transfergeschäft finanzieren.

Challandes beobachtete Kahraba

Natürlich kann ein Sportdirektor nicht alle vorbereitenden Arbeiten bis zur Verpflichtung eines Zuzugs allein bewältigen. Kahraba wurde unter anderen von Bernard Challandes (61), Freis früherem Trainer bei der Schweizer U-21-Nationalmannschaft, beobachtet. Challandes sah den Angreifer zuerst Mitte Juni am Walliser Jugend-Cup in Le Bouveret, wo er mit der U 20 von Ägypten gegen Brasilien (0:1) und den Kosovo (8:0) im Einsatz stand. Kurz darauf reiste der ehemalige Meistertrainer des FC Zürich an die U-20-WM in der Türkei. Dort schieden die Ägypter zwar nach Niederlagen gegen Chile (1:2) und den Irak (1:2) sowie einem Sieg gegen England (2:0) bereits in den Gruppenspielen aus, «weil sie als Mannschaft nicht überzeugten», Challandes gewann aber einen «sehr guten Eindruck von Kharaba», der ein Tor erzielte. «Er hat viel Potenzial», sagt der Neuenburger über den 1,82 m grossen Mittelfeldmann. Körperlich findet er den Offensivspieler vom Nil «stark, er läuft viel und kann vorne als Stürmer provozieren, Pressing betreiben und ins 1:1 gehen». Für Challandes ist Kahraba ein Mann für links und rechts aussen sowie für die Mitte hinter der Spitze – also für drei Positionen. Eine Schwäche hat er allerdings ausgemacht: «Er kommt zu vielen Abschlussmöglichkeiten, macht vieles richtig, doch vor dem Tor muss er noch kaltblütiger werden.» Challandes lächelt auf seine typische Art – und ergänzt: «Wenn er schon komplett wäre, würde er wohl nicht nach Luzern gehen.» Weil er jung und hungrig sei, passe er zur neuen Ausrichtung des FCL.

Der erfahrene Fussballlehrer macht jedoch darauf aufmerksam, dass es sich bei diesem Talent um einen Spieler aus einer anderen Kultur handelt. Salah und Elneny hätten sich sehr schnell beim FC Basel integriert. «Für einen Klub wie Luzern ist es der nächste Schritt, dass er bei der Betreuung von Neulingen wie Kahraba viel Zeit investiert.»

Frei ist gut beraten, sich diese Worte seines Ex-Trainers zu Herzen zu nehmen. Es braucht also mehr als nur die Aufenthaltsbewilligung, damit Kahraba in Luzern ankommt.