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FUSSBALL: Schicksalsspiel für den Coach

Für FCL-Trainer Markus Babbel könnte das Heimspiel heute (16 Uhr) gegen St. Gallen zur Abschiedsvorstellung werden. Ein weiterer blutleerer Auftritt seines Teams würde dem dienstältesten Coach der Super League kaum verziehen.
Daniel Wyrsch
Enorm unter Druck: FCL-Trainer Markus Babbel. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 22. Oktober 2017))

Enorm unter Druck: FCL-Trainer Markus Babbel. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 22. Oktober 2017))

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Markus Babbel macht sich nichts vor. Der 45-jährige Münchner weiss, dass ein Trainer nach einer schwarzen Serie von neun Spieltagen ohne Sieg mit nur vier Unentschieden um seinen Job bangen muss. In der Bundesliga erlebte der ehemalige Nationalspieler beim VfB Stuttgart, bei Hertha BSC und Hoffenheim das hässliche Gefühl einer Entlassung.

Sein Engagement beim FC Luzern ist das mit Abstand längste seiner Trainerkarriere. Am Sonntag, 12. Oktober 2014, hatte er den Vertrag in der Swisspor-Arena unterschrieben. Der FCL stand damals am Tabellenende. Drei Jahre und drei Wochen später ist die Mannschaft wieder das Schlusslicht. Dazwischen haben die Innerschweizer unter dem dienstältesten Trainer der Super League die Meisterschaft einmal als Dritte und zweimal als Fünfte abgeschlossen.

Babbel: «Wir müssen gewinnen, die Situation erfordert einen Sieg»

Doch diese für einen Club wie Luzern beachtlichen Erfolge interessieren heute um 16 Uhr niemanden, wenn Babbels Equipe gegen den viertplatzierten FC St. Gallen im eigenen Stadion antritt. «Der Weg ist alternativlos. Wir müssen gewinnen, die Situation erfordert einen Vollerfolg», stellt Babbel fest. Der Druck, der auf dem Coach und seiner Mannschaft liegt, ist enorm.

Immerhin sind die letzten Erinnerungen an den Gegner positiv. Der FCL errang gegen die Ostschweizer den letzten Sieg in der Liga. Schon fast drei Monate her ist dieser 2:0-Erfolg vom 9. August gegen ein auffällig zurückhaltendes Team von Trainer Giorgio Contini.

Taktisch wird die heutige Begegnung sehr interessant. Will Contini mit seinen Leuten das angeschlagene Schlusslicht attackieren? Oder wird er die Innerschweizer das Spiel machen lassen, um aus einer kompakten Defensive heraus zu kontern? Über die Hälfte aller Gegentore hat Babbels Equipe bei Gegenstössen kassiert. Nach einem radikalen Umbruch und elf Zuzügen seit Sommer offenbart der FCL Probleme im Spielaufbau – und ist auch aus diesem Grund ziemlich harmlos im Abschluss.

Babbel steht aber weiterhin zur Clubphilosophie, die nacheinander zur Trennung der Leistungsträger Tomislav Puljic, Jahmir Hyka, Marco Schneuwly und Markus Neumayr geführt hat.

Knapp eine Woche nach dem blutleeren Auftritt seines aktuellen Personals im Kellerduell von Lugano (0:1-Niederlage) betont Babbel: «Die Mannschaft ist völlig intakt.» Doch Zweifel bestehen, ob wirklich alles zum Besten steht. Der nominell beste Stürmer Tomi Juric (4 Tore) musste in Lugano – nicht zum ersten Mal in dieser Saison – die erste Halbzeit auf der Ersatzbank absitzen. Den umgekehrten Weg ging der zentrale Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu im Cornaredo. Er musste zur Pause unter die Dusche, nachdem er Lugano-Stürmer Alexander Gerndt nicht am Kopfball zum 1:0-Siegtor gehindert hatte. Nur das Aufbauspiel der Innerschweizer wurde ohne Kryeziu noch fehlerhafter. Das Hauptproblem liegt im Kopf. FCL-Co-Trainer Patrick Rahmen sagte am Montag: «In Lugano hat man gesehen, dass Spieler in der aktuellen Situation ein Problem haben, ihr Potenzial abzurufen.»

Aus diesem Grund ist während dieser Woche der Umgang mit dem Druck ein wichtiges Thema bei der Vorbereitung auf das Heimspiel gegen St. Gallen gewesen. «Die Spieler müssen wissen, dass sie Fehler machen dürfen», stellen Rahmen und Babbel unisono fest.

Die Vorgabe der Vereinsleitung hat Sportkoordinator Remo Meyer (36) am Dienstag bekanntgegeben: «Entscheidend ist die Art und Weise des Auftritts. So uninspiriert wie wir in Lugano und schon vorher beim 0:2 in Thun spielten, das wollen wir alle nicht mehr sehen.»

Babbel kritisiert Geschäftsleitung und kontert Geldgeber Alpstaeg

Darauf angesprochen, dass die vielen Personalwechsel auf der Geschäftsstelle in den letzten Tagen für Wirbel in den Medien sorgten, sagt Babbel: «Wenn es sportlich nicht läuft, dann wird alles kritisch hinterfragt und jeder kriegt sein Fett ab.» Die Atmosphäre sei nicht förderlich. «Wir brauchen eine gewisse Harmonie in diesem Club, das ist sonnenklar. Es ist wichtig, dass jeder Mitarbeiter gerne für den Verein arbeitet.»

An anderer Stelle kontert er Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg, der drohte, den Spielern die «grossen Löhne» zu kürzen. «Wenn hier irgendeiner erzählt, die Jungs verdienen zu viel, da tue ich mich schwer.» Vor vielen der jungen Profis müsse er den Hut ziehen, dass sie für dieses Geld überhaupt spielen würden.

Diese Worte ändern an der prekären Situation des Coaches nichts. Ob sich der Kreis für ihn beim FCL bald schliessen könnte, der Match gegen St. Gallen ein Schicksalsspiel sei, wird Babbel gefragt. Er antwortet: «Ich vertraue nicht darauf, dass der Geduldsfaden ewig lang sein wird.» Aber er sei überzeugt, «dass wir am Sonntag ein gutes Spiel abliefern».

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