FUSSBALL: Schneuwly-Tore wirken wie Balsam

Dem FC Luzern ist die Vorrunde missraten. Weit unter den Erwartungen und Möglichkeiten belegt er den letzten Platz. Dabei hat man wieder einen Topstürmer.

Daniel Wyrsch
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Der beste FCL-Spieler der Vorrunde - und nun der Hoffnungsträger im Abstiegskampf: Marco Schneuwly. (Bild: Keystone)

Der beste FCL-Spieler der Vorrunde - und nun der Hoffnungsträger im Abstiegskampf: Marco Schneuwly. (Bild: Keystone)

David Zibung, Note 3,5 Es gab Spiele, in denen er haltbare Gegentore zuliess. Die neuen Abwehrleute machten es ihm nicht leicht. Gegen Ende der Vorrunde wurde er sicherer. 16 Spiele, 1440 Minuten, 0 Tore/0 Assists, 50 Schüsse gehalten, 1 gelbe Karte. (Bild: Philipp Schmidli)
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Lorenzo Bucchi, Note 4 In den zwei Partien gegen St. Gallen (1:2) und Sion (1:3) konnte ihm nur Russos Tor angelastet werden. Als Babbel kam, musste er wieder auf die Bank. 2 Spiele, 180 Minuten, 0 Tore/0 Assists, 5 Schüsse gehalten. (Bild: Philipp Schmidli)
Sally Sarr, Note 4 Meist Rechtsverteidiger, unter Babbel auch Innenverteidiger. Gute und weniger gute Partien wechselten sich ab. Insgesamt aber immer sehr engagiert. 12 Spiele, 1007 Minuten, 0 Tore/0 Assists, 3 Torschüsse, 4 gelbe Karten. (Bild: Philipp Schmidli)
Andrés Lamas, Note 3 Der lustige Uruguayer konnte als Innenverteidiger nicht überzeugen. Bei jedem seiner vier Spiele agierte er fehlerhaft, der FCL verlor. Vertrag bis Juni 2016. 4 Spiele, 324 Minuten, 0 Tore/0 Assists, 2 Torschüsse, 1 gelbe Karte. (Bild: Philipp Schmidli)
François Affolter, Note 3 Der Romand ist nicht der erhoffte Abwehrchef. Als Innenverteidiger meist zu wenig hart oder mit Aussetzern. Unter Babbel wurde er etwas konstanter. 17 Spiele, 1500 Minuten, 0 Tore/0 Assists, 1 Torschuss, 4 gelbe Karten, 1 rote Karte. (Bild: Philipp Schmidli)
Claudio Lustenberger, Note 4,5 Er übernahm erneut zu Beginn einer heiklen Saison das Captainamt. War kämpferisch und läuferisch ein Vorbild, es unterliefen ihm kaum grobe Fehler.  16 Spiele, 1418 Minuten, 0 Tore/1 Assist, 7 Torschüsse, 5 gelbe Karten. (Bild: Philipp Schmidli)
 Wie zuletzt bei Austria Wien war der Innenverteidiger auch beim FCL recht lange verletzt. Wahrscheinlich fand er deshalb nie richtig zu seiner Sicherheit. 10 Spiele, 818 Minuten, 0 Tore/0 Assists, 4 Torschüsse. (Bild: Philipp Schmidli)
Jérôme Thiesson, Note 3,5 Hatte bei Bernegger den Stammplatz fast auf sicher, musste sich unter Babbel neu beweisen. Die letzten Spiele mit einer Aufwärtstendenz. 15 Spiele, 1113 Minuten, 0 Tore/1 Assist, 4 Torschüsse, 1 gelbe Karte. (Bild: Philipp Schmidli)
Fidan Aliti, Note 4 Der 21-Jährige kehrte stark ins Team zurück. Doch bei der 2:3-Niederlage bei GC unterliefen ihm Fehler, und er sah rot. Normal: Er braucht noch Zeit. 6 Spiele, 368 Minuten, 0 Tore/0 Assists, 1 Torschuss, 1 gelbe Karte, 1 rote Karte. (Bild: Keystone)
Oliver Bozanic, Note 4,5 Der Australier hatte zu Saisonbeginn Pech mit der Verletzung in Schottland. Unter Babbel kehrte er ins Team zurück - und war meist einer der Besseren.  8 Spiele, 610 Minuten, 1 Tor/0 Assists, 11 Torschüsse, 1 gelbe Karte. (Bild: Philipp Schmidli)
Thierry Doubai, Note 3,5 Bis zuletzt fand der Sechser die defensive Abstimmung mit den Innenverteidigern nicht. Schade, denn im Aufbau zog er das Spiel gekonnt in die Breite. 16 Spiele, 1242 Minuten, 1 Tor/0 Assists, 5 Torschüsse, 2 gelbe Karten. (Bild: Philipp Schmidli)
Alain Wiss, Note 3,5  Eine Vorrunde zum Vergessen für den Luzerner, der seit acht Jahren im Fanionteam spielt. Er wäre in der Innenverteidigung derzeit besser aufgehoben. 12 Spiele, 701 Minuten, 0 Tore/1 Assist, 13 Torschüsse, 4 gelbe Karten. (Bild: Philipp Schmidli)
Remo Freuler, Note 4,5 Die Entwicklung des 22-Jährigen zeigt weiter nach oben. Machte schon vieles richtig, am Torschuss aus mehr als zehn Metern muss er aber noch arbeiten. 16 Spiele, 1424 Minuten, 3 Tore/0 Assists, 26 Torschüsse, 2 gelbe Karten, 1 rote Karte. (Bild: Philipp Schmidli)
Adrian Winter, Note 3,5 Schon unter Bernegger hatte seine Spritzigkeit nachgelassen. Bei Babbel sass er die letzten drei Spiele auf der Tribüne. Laut Babbel arbeitet Winter zu wenig. 13 Spiele, 782 Minuten, 0 Tore/3 Assists, 9 Torschüsse, 1 gelbe Karte. (Bild: Philipp Schmidli)
Bryan Rabello, Note 4  Beim 3:2 gegen den FCZ würde er einen Assist verdienen für die Vorlage vor Jantschers abgefälschtem Schuss. Agil, technisch stark. Mangelhaft: der letzte Pass. 9 Spiele, 418 Minuten, 0 Tore/0 Assists, 1 Torschuss, 2 gelbe Karten. (Bild: Philipp Schmidli)
Jahmir Hyka, Note 3 Von der früheren «Zaubermaus» war nicht mehr viel zu sehen. Im Abschluss zu harmlos. Wie Wiss und Winter ausser Form geraten.  11 Spiele, 478 Minuten, 0 Tore/0 Assists, 11 Torschüsse. (Bild: Philipp Schmidli)
Jakob Jantscher, Note 5 Neben Schneuwly der zweite Luzerner Lichtblick. Für die Rückrunde ist zu hoffen, dass sich seine Kollegen die Flanken und Rückpässe von ihm abschauen. 16 Spiele, 1179 Minuten, 2 Tore/7 Assists, 30 Torschüsse, 6 gelbe Karten. (Bild: Philipp Schmidli)
Ridge Mobulu, Note 4 Brachte viel Athletik in den Angriff, muss noch an seinem Dribbling und den Flanken schaffen. Als Neuling zwei Tore in neun Spielen war ein recht guter Start. 9 Spiele, 203 Minuten, 2 Tore/0 Assists, 6 Torschüsse, 1 gelbe Karte. (Bild: Philipp Schmidli)
Sava Bento, Note 3,5 Der technisch starke Luzerner kam nicht vom Fleck. Tiefpunkt in Vaduz: Eingewechselt, Gelbrot wegen Reklamierens - dennoch kam der FCL noch zum 1:1.  2 Spiele, 23 Minuten, 0 Tore/0 Assists, 1 rote Karte, 0 Torschüsse. (Bild: Philipp Schmidli)
Marco Schneuwly, Note 5,5  Der Fribourger übertraf die Erwartungen. Trotz sieben Liga-Toren und drei Assists sowie zwei Europacup-Toren setzte ihn Babbel für zwei Spiele auf die Bank.  18 Spiele, 1367 Minuten, 7 Tore/3 Assists, 48 Torschüsse, 2 gelbe Karten. (Bild: Philipp Schmidli)
Dario Lezcano, Note 4  Er vergab in der Startphase der Saison unfassbar viele hochkarätige Chancen. Zum Schluss der Vorrunde beständiger geworden, immerhin vier Tore erzielt. 16 Spiele, 1115 Minuten, 4 Tore/1 Assist, 41 Torschüsse, 3 gelbe Karten, 1 rote Karte. (Bild: Philipp Schmidli)

David Zibung, Note 3,5

Es gab Spiele, in denen er haltbare Gegentore zuliess. Die neuen Abwehrleute machten es ihm nicht leicht. Gegen Ende der Vorrunde wurde er sicherer.

16 Spiele, 1440 Minuten, 0 Tore/0 Assists, 50 Schüsse gehalten, 1 gelbe Karte.

(Bild: Philipp Schmidli)

Daniel Wyrsch

Luzern hatte Spartak Moskau 2:0 geschlagen. Das war an einem hochsommerlichen Samstagnachmittag im Juli. Ex-FCL-Trainer Murat Yakin verschwand nach dem Abpfiff aus dem Gersag in Emmen. Der neue Spartak-Coach ärgerte sich. Aber auch Luzerns Trainer Carlos Bernegger hatte Sorgenfalten auf der Stirn. Unmissverständlich machte er darauf aufmerksam, «dass wir ein zu grosses Leistungsgefälle innerhalb der Mannschaft haben». Tatsächlich lag beim FCL einiges im Argen. Vor allem die Defensivarbeit war fehlerhaft. Und Torhüter David Zibung machte ebenfalls einen unsicheren Eindruck. Doch das 2:0 verklärte den Luzernern den Blick. Man hatte das Gefühl, dass es zum Saisonstart gut kommen könnte.

Die Unangenehmen mussten gehen

Bernegger sah es anders. Er, der im Frühling hinter vorgehaltener Hand, aber mit zu wenig Nachdruck, gefordert hatte, entweder Tomislav Puljic zu behalten oder einen Innenverteidiger mit der gleichen Kopfballstärke und Präsenz zu holen. Er, der es extrem schade fand, dass der spielmachende Centerstürmer Dimitar Rangelov nach elf Liga- und sechs Cup-Toren im Vorjahr ebenso nicht weiterbeschäftigt wurde.

Zwei Leistungsträger im Zentrum weg, Innenverteidiger Florian Stahel und der alternde Michel Renggli (34) auf der Position vor der Abwehr auch. Diese Achse ging verloren. Aus Spargründen oder warum auch immer. So klar war das nicht. Denn ob Sportchef Alex Frei (35) es überhaupt anders gewollt hätte, ist zu bezweifeln. Waren es doch Rangelov, Puljic, Stahel und Renggli, die sich getraut hatten, dem nur wenig älteren Ex-Profi Frei die Meinung zu sagen.

Harmonie im Team statt Qualität

So hatte Bernegger eine neue Mannschaft beisammen, «in der eine viel bessere Stimmung als letzte Saison herrscht», wie es stets aus dem unmittelbaren Umfeld hiess. Über diese Harmonie freuten sich die Offiziellen. Die ist im Spitzensport jedoch keineswegs ein Garant für Erfolg. Denn viel bedeutender als das tolle Zusammengehörigkeitsgefühl im Team war es, dass viel Qualität verloren gegangen war. Der 1,92-Meter-Mann Puljic wurde hinten und vorne vermisst. «Er hat noch immer keinen neuen Klub gefunden», sagte Frei dieser Tage. Das ist ein Fakt, genauso wie der Fakt, dass keiner an seine Stelle getreten ist. Weder der verletzungsanfällige Kaja Rogulj und schon gar nicht François Affolter, der zum Verteidigertypus Schönspieler zählt.

«Vorne haben wir für Rangelov jetzt Marco Schneuwly», erklärte Frei. Und Bernegger dachte laut, wie stark sie hätten sein können, «wenn Dimitar und Marco zusammengespielt hätten». Hinter Basel hätten sie vorne mitgespielt, war Bernegger überzeugt. Doch stattdessen musste er neben Schneuwly auf Dario Lezcano setzen. Als Schneuwly gleich in fast jedem Spiel traf, wurde er vom Schweiz-Argentinier mit einem Star aus der alten Heimat verglichen: «Marco ist mein Gabriel Batistuta.»

Lezcanos Spitzname: «Chancentod»

Doch Lezcano vergab in den ersten Pflichtspielen so viele hochkarätige Möglichkeiten, dass er den unrühmlichen Spitznamen «Chancentod» erhielt. Hinten machte Affolter gegen St. John­stone und Sion Fehler, und in St. Gallen sprang Rogulj Goalie Zibung an. Die Misere begann, sie wurde zur Krise Bernegger musste gehen. Aufwärts ging es in der Tabelle dennoch nicht.

Bevor Frei am Samstag abtrat, wiederholte er: «Die Mannschaft hat das Potenzial, um unten rauszukommen.» Als Betrachter muss man sich fragen: Kann er da so sicher sein? Zum Glück schiesst Schneuwly auch unter dem neuen Trainer Markus Babbel Tore. Tore, die Anlass zur Hoffnung geben und wie Balsam für die geschundene Seele wirken.