FUSSBALL: Schneuwlys weiterer Schritt nach vorne

Marco Schneuwly tritt beim FC Luzern das schwere Erbe von Dimitar Rangelov an. An die Innerschweiz hat er ganz spezielle Erinnerungen.

Jonas von Flüe
Drucken
Teilen
Marco Schneuwly blickt beim Mühlenplatz Richtung Spreuerbrücke. Luzern gefällt ihm: «Die Stadt ist wie Thun, einfach eine Nummer grösser.» (Bild Corinne Glanzmann)

Marco Schneuwly blickt beim Mühlenplatz Richtung Spreuerbrücke. Luzern gefällt ihm: «Die Stadt ist wie Thun, einfach eine Nummer grösser.» (Bild Corinne Glanzmann)

Marco Schneuwly schlendert durch die Luzerner Altstadt. Vertraut ist sie ihm noch nicht. Um den Treffpunkt am Mühlenplatz zu finden, braucht er Hilfe. «Die wichtigsten Attraktionen kenne ich, die Namen der Plätze oder Strassen aber noch nicht», sagt er. Kein Wunder, der 29-Jährige hat ja erst vor zwei Wochen seine Arbeit beim FC Luzern aufgenommen. Die Stadt gefällt ihm. Er vergleicht sie mit seiner früheren Wirkungsstätte. «Luzern ist wie Thun, einfach eine Nummer grösser.»

Die Innerschweiz durfte er schon vor einigen Jahren kennen lernen. Vom Sommer 2006 bis Sommer 2007 spielte er äusserst erfolgreich beim SC Kriens in der Challenge League. Die Kleinfeld-Truppe klassierte sich im dritten Rang und wäre beinahe in die Super League aufgestiegen. Schneuwly erzielte neun Treffer. «Ein unvergessliches Jahr für mich. Wir hatten ein Superteam und wurden genial betreut. Das Umfeld war einmalig», erinnert sich Schneuwly gerne an jene Zeit zurück. Der Kontakt mit den einstigen Teamkollegen hat er bis heute aufrechterhalten. «Immer, wenn wir uns sehen, haben wir viel zu lachen», erzählt er.

Zum Führungsspieler gereift

Sieben Jahre sind vergangen, bis Marco Schneuwly in die Innerschweiz zurückgekehrt ist. Beim FCL hat er einen Dreijahresvertrag erhalten. Der Stürmer kam für Dimitar Rangelov, dessen Vertrag trotz 17 Saisontreffern nicht verlängert worden ist. Keine einfache Aufgabe. Doch Schneuwly will von Druck nichts wissen. «Als Stürmer zählen einzig und allein die Tore, das bin ich mir schon bewusst. Doch deshalb lasse ich mich nicht unter Druck setzen», sagt er.

Schneuwly ist nicht nur sieben Jahre älter geworden, sondern auch erfahrener. In den letzten beiden Saisons beim FC Thun ist er zum Führungsspieler gereift. Vor einem Jahr wurde er Vize-Captain, in der zu Ende gegangenen Spielzeit mit zwölf Toren in allen Wettbewerben Topskorer. Den Wechsel nach Luzern bezeichnet er als einen «weiteren Schritt nach vorne».

Schneuwly ist kein Spieler, der sich überschätzt, der mit Geschichten neben dem Platz für Schlagzeilen sorgt. Geborgenheit ist ihm wichtig, wie ein Blick auf seine Karriere zeigt. Er blieb lange bei den Young Boys, obwohl ihm nach seinem Kreuzbandriss 2009 ein rauer Wind entgegenwehte. 2012 wechselte er nach Thun, wo er in den letzten zwei Jahren wieder richtig aufblühte, und wo er das familiäre Umfeld zu schätzen wusste. Er hat sich Stufe um Stufe zurückgekämpft und ist nun mit 29 Jahren wohl in der Form seines Lebens. Wehmut, dass er den Schritt ins Ausland nie geschafft hat, verspürt er keinen. «Meine Karriere verlief zufriedenstellend. Ich habe immer alles gegeben. Für mich stimmt es so», blickt er auf seine Laufbahn zurück.

Täglich von Solothurn nach Luzern

Auch der Wechsel zum FC Luzern hat er sich gut überlegt. Das Gesamtpaket, bestehend aus Lohn, Vertragsdauer und Erfolgsaussichten, habe gestimmt. Für den Familienmenschen aber auch ganz wichtig: Er muss seinen bisherigen Wohnsitz, wo er vor einiger Zeit ein Haus gekauft hat, nicht wechseln und kann am Abend wieder zu Hause bei seiner Frau und seinem dreijährigen Sohn Owen sein. Seit zwei Wochen fährt er täglich mit dem Auto vom Kanton Solothurn statt nach Thun nach Luzern – die Distanz ist in etwa dieselbe. «Seit der Kleine auf die Welt gekommen ist, möchte ich natürlich so viel Zeit wie nur möglich mit der Familie verbringen», sagt er.

Die Familie ist schon seit jeher ein wichtiger Anker in Marco Schneuwlys Leben. Zusammen mit seinen Brüdern Lukas (30) und Christian (26) ist er im Kanton Freiburg, im beschaulichen Wünnewil aufgewachsen, mit ihnen hat er schon als Kind im Garten gekickt und mit ihnen tauscht er sich auch heute noch regelmässig aus. Lukas spielt in der 1. Liga bei Düdingen, Christian beim FC Thun. «Mit ihm hatte ich eine Superzeit in Thun. Doch es ist der Lauf des Geschäfts, dass mein Weg jetzt weitergeht ...»

Zuerst Lehre, dann Fussball

Auch ganz wichtig: seine Eltern. Sie haben ihn ermuntert, sich neben dem Fussball ein zweites Standbein aufzubauen. Also hat er eine Lehre als Konstrukteur abgeschlossen, bevor er sich auf den Fussball konzentriert hat. Mittlerweile hat er gar die Berufsmatura nachgeholt, um auf die Zeit nach seiner Karriere vorbereitet zu sein.

Dass Marco Schneuwly die Innerschweiz besser kennen lernen wird, dafür wird Sohn Owen schon sorgen. «Er hat enorm Freude am Wasser und am Bootfahren. Deshalb werden wir sicher den einen oder anderen Nachmittag in Luzern verbringen», sagt er schmunzelnd.

Sportlich ist ihm der Auftakt gelungen. Im ersten Testspiel gegen Winterthur erzielte er den einzigen Treffer. Besonders freut er sich aber auf die ersten Heimspiele in der Swissporarena. «Die FCL-Fans sind heissblütig. Vor allem wenn die Luzerner in Führung gehen peitschen sie die Mannschaft richtig nach vorne. Das spürst du als Gegner enorm.»

Marco Schneuwly ist froh, dass er nun – zum ersten Mal am 17. Juli in der Europa League gegen St. Johnstone – die Fans in der Swissporarena nicht mehr gegen sich, sondern hinter sich hat.

Hinweis

Der FC Luzern trägt heute Nachmittag um 16 Uhr sein zweites Testspiel aus. In Buttisholz trifft der FCL auf den FC Schaffhausen (Challenge League).