FUSSBALL: Schwankungen verblüffen Babbel

Luzern hat morgen (17.45) bei GC die Chance, die kriselnden Zürcher in der Tabelle zu überholen. FCL- Trainer Markus Babbel spricht vor dem Duell über die Entwicklung seines Teams.

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FCL-Trainer Markus Babbel steht vor dem Rätsel, warum auf ein gutes immer ein schlechtes Spiel folgt. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

FCL-Trainer Markus Babbel steht vor dem Rätsel, warum auf ein gutes immer ein schlechtes Spiel folgt. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Daniel Wyrsch

Der FC Luzern ist in der vorteilhaften Ausgangslage, dass er als bislang unbesiegte Mannschaft dieser Rückrunde morgen gegen die Grasshoppers antreten kann. Das von Pierluigi Tami trainierte GC konnte in fünf Pflichtspielen nur ein positives Resultat erreichen: ein Unentschieden in St. Gallen. Ein Sieg im Letzigrund würde den an zweitletzter Position stehenden FCL in der Tabelle vor die Zürcher bringen.

Allerdings sind die Gefühle bei den Zentralschweizern nach dem 2:2 am letzten Sonntag in Sion zwiespältig. Auf der einen Seite freut sich Luzern-Trainer Markus Babbel über den in der Schlussphase erkämpften Punktgewinn: «Kompliment an meine Mannschaft. Obwohl viele Spieler nicht ihre Leistung zeigten, ist es eine Kunst, trotzdem etwas Zählbares in Sion zu holen.» Da es nach dem 2:0-Rückstand in der 35. Minute und weiteren erstklassigen Konterchancen der Walliser durchaus eine Niederlage mit drei oder vier Toren Unterschied hätte absetzen können, schwingt in der Retrospektive des Spiels auch Unbehagen im FCL-Lager mit.

Babbel rätselte bereits am Sonntag in den Katakomben des Tourbillons, warum sein Team «nach einem guten Spiel immer wieder ein schlechtes folgen lässt». Das sei ihm schon in der Vorrunde aufgefallen. Da folgte auf den 3:2-Sieg beim FC Zürich ein 0:0 zu Hause gegen Thun. Zum Auftakt der Rückrunde erhielt das Team positive Kritiken für das 1:1 gegen YB und noch mehr Lob für den ersten Heimsieg beim 4:0 über Aarau, die als Reaktionen schwache erste 30 Minuten in St. Gallen (0:0) und ebenso inferiore erste 45 Minuten in Sion zur Folge hatten. Im Wallis meinte SRF-Fussballexperte Ludovic Magnin in Anwesenheit des FCL-Coaches mit Empathie: «Für Markus als deutschen Trainer muss es hart sein, solche Schwankungen mit einer Schweizer Mannschaft zu erleben.» Die beiden haben 2007 mit dem VfB Stuttgart die deutsche Meisterschaft gefeiert, Babbel war später Magnins Trainer beim VfB.

Babbel scheint die Herausforderung aber sehr offen anzunehmen. Er sagt: «Das ist ein faszinierendes Phänomen, weil die Jungs ja wollen. Es ist ein Prozess, dorthin zu kommen, wo wir Woche für Woche an unsere Leistungsgrenzen gehen.» Dem Bayer ist klar, dass seine Leute nicht erfolgreich sein können, wenn sie weniger als 100 Prozent Einsatz geben.

Mental und körperlich gesteigert

Noch grössere Schwierigkeiten, in die Gänge zu kommen, hatte der FCL vor einem Jahr zum Start der Rückrunde. Damals waren die von Babbels Vorgänger Carlos Bernegger trainierten Luzerner in jedem der ersten fünf Spiele innerhalb der ersten zehn Minuten in Rückstand geraten. Vier Punkte resultierten daraus, jetzt hat der FCL aus vier Partien bereits sechs Zähler geholt.

Babbel darf zu Recht feststellen: «Seit ich Mitte Oktober gekommen bin, haben wir Fortschritte gemacht.» Ein Plus ist die deutlich verbesserte Moral. Babbel freut es, dass sein Team nach einem 0:2-Rückstand zurückkommen, ausgleichen und einen Punkt holen konnte. Das zweite Plus bezieht sich auf die Physis: «Seit Beginn der Rückrunde sind wir in der Lage, 90 Minuten zu marschieren. In der Hinrunde wäre eine Aufholjagd wie in Sion nicht möglich gewesen.» Ziel sei es nun, Konstanz in die Leistungen zu bringen.

Mit konstanteren Auftritten würde das Team Babbels Arbeit erheblich erleichtern. Er müsste nicht mehr eine so drastische Auswechslung wie in Sion vornehmen. Mittelfeldspieler Thierry Doubai musste vor der Pause vom Feld, was aber zu einer besseren Stabilität in der Defensive führte. «Thierry hat mir leidgetan, eigentlich hätte ich sieben weitere Spieler ersetzen müssen», meint Babbel.

Verteidigung muss besser reagieren

Wie Sion hat der morgige Gegner GC mit Munas Dabbur und Anatole Ngamukol schnelle Stürmer. «Wir müssen nun unsere Lehren aus dem letzten Spiel ziehen», sagt Babbel. Dazu gehört, dass die Viererabwehr bei Ballverlusten sofort parat ist, auf Gegenstösse zu reagieren. «Da geht es nicht mehr, wie in Sion stehen zu bleiben, und auf Abseits zu spielen. Wir schätzten die Situation falsch ein, waren zu träge und faul, um uns fallen zu lassen», spricht der FCL-Coach zum Fehlverhalten Klartext.

Babbel fordert für das morgige Spiel: «Wir müssen sofort hellwach sein. Egal, ob wir hoch oder tief stehen, als Team müssen wir funktionieren.»