FUSSBALL: «Sie müssen es ja nicht bezahlen»

Der FC Luzern hat mit Trainer Markus Babbel vorzeitig um zwei Jahre bis Sommer 2018 verlängert. In der Medienkonferenz sind unterschiedliche Meinungen aufeinandergeprallt.

Daniel Wyrsch
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FCL-Trainer Markus Babbel lauscht den Worten seines Freundes und Chefs Ruedi Stäger, für den es keine Zweifel an der Notwendigkeit einer zweijährigen Vertragsverlängerung gibt. (Bild Roger Grütter)

FCL-Trainer Markus Babbel lauscht den Worten seines Freundes und Chefs Ruedi Stäger, für den es keine Zweifel an der Notwendigkeit einer zweijährigen Vertragsverlängerung gibt. (Bild Roger Grütter)

Über Fussball zu diskutieren, kann spannend sein. Und mitunter auch etwas entlarvend. Auf der einen Seite sassen gestern die Vertreter des FC Luzern erhöht auf einem Podium im Medienraum der Swissporarena: Trainer Markus Babbel, Präsident Ruedi Stäger, Medienchef Max Fischer und Claudio Lustenberger. «Lusti», wie der Captain genannt wird, ist schon die zehnte Saison FCL-Profi. Eine ehrliche Haut, aber vielleicht nicht gerade der Mann fürs Pathetische. Es klang etwas aufgesetzt und ziemlich kühl, wie er seinem Chef zur vorzeitigen Vertragsverlängerung über zwei Jahre bis Ende Juni 2018 gratulierte. Diesen Job hätte der noch länger im Amt stehende Für-immer-Luzern-Goalie David Zibung gewiss mit mehr Inbrunst den im Saal sitzenden 15 Journalisten verkauft.

Vertragsdauer ist umstritten

FCL-Präsident Ruedi Stäger begründete die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit seinem Freund so: «Wir sind überzeugt, mit Markus Babbel einen Trainer zu haben, der genau unsere Vision und Philosophie vor allem mit den jungen Spielern umsetzt. Er geniesst unser Vertrauen, dass wir die Ziele, die wir uns gesetzt haben, erreichen werden.» Babbel hielt fest: «Es freut mich natürlich, dass wir ein gegenseitiges Vertrauen haben, zwei weitere Jahre zusammenzuarbeiten.» Zu seinen Beweggründen sagte er: «Es macht unheimlich viel Spass, jeden Tag mit der Mannschaft und dem Trainerteam zu arbeiten. Nun können wir die Arbeit fortführen.»

Zum verbalen Schlagabtausch kam es, nachdem die Frage aus dem Plenum erfolgt war, ob die Mannschaft zu 100 Prozent hinter dem Trainer stehe. Babbel stellte zu Recht fest, dass der Journalist nicht ganz zufrieden sei. Worauf dieser antwortete: «Dass der FCL statt wie ursprünglich geplant um ein Jahr nun um zwei Jahre mit Ihnen verlängert hat, kann ich nicht verstehen. Vor allem nicht nach den negativen Erfahrungen mit dem Mitte 2014 vorzeitig bis Mitte 2016 verlängerten Kontrakt mit Ex- Trainer Carlos Bernegger.» Babbel konterte: «Sie tun ja so, als ob Sie es bezahlen müssten. Wenn Sie es bezahlen müssten, könnte ich es nachvollziehen.» Eine Antwort, die Babbels Gesinnung kurz aufblitzen liess. Der Journalist entgegnete: «Aber jemand muss die Rechnung begleichen.» Das sind die Verwaltungsräte Bernhard Alpstaeg, Samih Sawiris, Marco Sieber, Hans Schmid und Josef Bieri.

Gut beraten war Babbel beim Deal mit dem FCL ganz sicher. Wie immer in den letzten 20 Jahren, seit der schlaue Berner Rechtsanwalt Andy Gross seine Verträge macht. Gross wird die gestärkte Position seines Klienten nach der Freistellung Fringers weidlich ausgenützt haben.

Schliesslich erklärte Babbel seine Sicht der Dinge: «Ich tue mich gerade ein bisschen schwer. Eigentlich waren wir jetzt in einer guten Stimmung, aber ich höre nur: Wie lange gehts? Wann wird der Trainer rausgeschmissen?» Seit er hier sei, habe er gefühlte drei, vier positive Berichte über den FC Luzern in der Zeitung gelesen. «Warum herrscht ein derart gespaltenes Verhältnis zum Klub?» Und: «Ich habe das Gefühl, die letzten zehn Jahre hat man hier acht Mal die Meisterschaft gewonnen und war davon sechs Mal in der Champions League vertreten. Jetzt spielt man eine Saison, die für den FC Luzern sehr gut ist. Wir stehen in der Kritik, das habe ich selten bei einem Verein in dieser Häufigkeit und Schärfe erlebt.» Babbel wollte die Beweggründe erfahren.

Mit dem Argument, dass man aus der erwähnten vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Bernegger offensichtlich nichts gelernt habe, gab sich Babbel nicht zufrieden. Er meinte, er hätte das Angebot auch ablehnen und den FCL Ende Saison verlassen können. Die Antwort des Reporters: «Nun bediene ich mich Ihrer Worte, die Sie nach der Freistellung von Ex-Sportchef Rolf Fringer sagten: Im Fussball ist ein Kommen und Gehen. Der FCL hätte einen neuen Trainer gefunden.»

Stägers Liste der zahlenden Klubs

Grund für die Kritik an der zweijährigen Verlängerung mit Babbel sind Bedenken, die in Luzern nicht erst seit Berneggers Kontrakt aufgekommen sind. Schon zuvor hatte der Klub für Fringer als Trainer mehr als ein Jahr den Lohn bezahlen müssen, für Murat Yakin eine happige Abfindung für eine Saison entrichtet. Stäger erklärte seine Sicht der Dinge: «Diese Bedenken hat man breit diskutiert. Selbstverständlich viele Wenn und Aber ins Feld geführt, aber am Schluss war der Entscheid einfach klar.» Ausserdem seien sie nicht der erste Verein, der im Nachhinein Trainersa­läre bezahlen müsse. «Da sind wir in guter Gesellschaft. Machen Sie sich doch mal eine Liste vom Schweizer Fussball.» Ob der Verweis auf die Konkurrenz den FCL finanziell wirklich entlastet?
 

Daniel Wyrsch