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FUSSBALL: Simioni feiert und bangt um FCL

Romano Simioni prägte als Präsident die sportlich erfolgreichste Zeit des FCL. Heute feiert er mit Familie und Freunden den 80. Geburtstag.
Romano Simioni posiert in seiner Wohnung mit einem Erinnerungsbild, das ihn mit Gianni Agnelli, Ehrenpräsident von Juventus Turin, zeigt. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Romano Simioni posiert in seiner Wohnung mit einem Erinnerungsbild, das ihn mit Gianni Agnelli, Ehrenpräsident von Juventus Turin, zeigt. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

daniel wyrsch

Romano Simioni zu treffen, ist wie in die erfolgreichste Ära des FC Luzern einzutauchen. Fast 23 Jahre, viel länger als jeder andere Präsident vor und nach ihm, prägte der frühere Direktor des Baugeschäfts Anliker den FCL. Höhepunkte waren der einzige Meistertitel der Klubgeschichte 1989 und der zweite, bis dato letzte Cupsieg 1992.

Heute feiert Simioni zusammen mit seiner Familie, Verwandten und Freunden seinen 80. Geburtstag im Restaurant Felsenegg in Luzern. Sein Sohn Franco führt das bekannte Speiserestaurant. Romano Simioni bewohnt im gleichen Haus eine Attikawohnung. Mittags isst der FCL-Ehrenpräsident oft in der stilvoll eingerichteten Gaststube. «Zum Znacht gehe ich meist nicht ins Restaurant runter, sonst würde es für mich zu spät. Denn ich kenne viele Leute, da gibt es lange zu reden», erzählt Simioni. Er ist ein rüstiger Mann mit einem wachen Geist, schaut fast gleich aus wie vor 17 Jahren, als er das Präsidium abgab.

Durch und durch Familienmensch

Geburtstag hat er eigentlich erst am Sonntag, aber für seine in Italien lebende Tochter und deren studierende Kinder war der Samstag der geeignetere Tag zum Feiern. Es ist spürbar, dass dem in Reiden geborenen Sohn italienischer Einwanderer die Familie alles bedeutet.

Nach überstandener Operation am Rücken Simioni litt unter einem Bandscheibenschaden – geht es ihm gut. Zwar muss er weiterhin einen Gehstock benützen, aber das und die wöchentliche Therapie machen ihm nichts aus. Schliesslich sei er nach wie vor mobil.

Seine vor sieben Jahren von einer Sekunde auf die andere verstorbene Ehefrau ist für Simioni während des Gesprächs immer wieder Thema. Ein schmerzhafter Verlust. Er erzählt von einem kürzlich in der Zeitung erschienenen Bild aus alten FCL-Zeiten, auf dem seine Frau mit ihm zu sehen ist, und wie ihn gleichentags die Kinder anriefen, weil sie das bewegt habe.

Der Familienzusammenhalt wird bei den Simionis sicht- und spürbar gelebt. Romano Simioni habe ähnliche Gefühle, wenn er über seine Zeit als Präsident spreche. «Es war schön, wir sind fast wie eine Familie gewesen.» Über seine Wegbegleiter sagt er: «Das waren treue, ehrliche FCL-Anhänger.»

Transfer auf Serviette gekritzelt

Natürlich ist der Vergleich mit der heutigen Zeit schwierig. Simioni macht es trotzdem, und man versteht ihn, wenn er die aktuellen Geschäftspraktiken nicht mag: «Heute hat bald jeder Spieler einen Manager und einen Anwalt.»

Er erinnert sich, wie Luzern-Verteidiger Roli Widmer zu Neuchâtel Xamax wechselte. «Wir waren bei seiner Mutter in der Metzgerei, und als wir dort kein geeignetes Blatt Papier fanden, kritzelten wir die abgemachten Transferdaten auf eine Serviette.» Heutzutage allein wegen der Uefa-Reglemente völlig undenkbar.

Simionis Ära war sicher emotionaler für die Fans, weil die Mannschaft zum grössten Teil aus Innerschweizern bestand. Kaufmann, Bachmann, Fischer, Burri, Waser, Risi, Moser hiessen damals bekannte Spielernamen. Der Ex-Klubchef hat mit praktisch allen früheren Schützlingen aus der Region oder von auswärts (Roger Wehrli, Jürgen Mohr) immer noch guten Kontakt. Gody Waser traf er gestern zufällig, Hansi Burri lud er am letzten Samstag zum Heimspiel gegen YB in die Swissporarena ein. «Ich pflege ein kollegiales Verhältnis zu unseren Ex-Spielern», freut sich Simioni.

Simioni ist, wenn der FCL zu Hause spielt, regelmässiger Zuschauer im Stadion. Die Auswärtsspiele verfolgt er seit dem Ende seiner Präsidialzeit meist via Lokalradios und hin und wieder im Fernsehen. Sein Herz hängt nach wie vor am FCL. «Ich bin und bleibe Luzerner.»

Seine scharfe FCL-Analyse

Leidenschaft gehört bei Simioni dazu. Gegenwärtig bangt er mehr, als dass er sich freut Luzern ist auf dem Abstiegsplatz. «Ich bin etwas skeptisch, zu Hause musst du gewinnen, das 1:1 gegen YB ist wie ein Resultat der Vorrunde.»

Trainer Markus Babbel hat er persönlich kennen gelernt, er habe einen guten Eindruck von ihm. Auch den Wechsel des Sportchefs von Alex Frei zu Rolf Fringer hat er begrüsst. «Es geht nicht, dass einer am Sonntag als Profi aufhört und am Montag als Direktor beginnt. Zudem ist der Unterschied zwischen Basel und Luzern zu gross», ist Simionis scharfe Analyse zum Scheitern Freis.

Aber auch über den nach wie vor starken Mann beim FCL, der sich zwar nur noch im Hintergrund bei den Investoren bewegt, hat Simioni eine akzentuierte Meinung: «Walter Stierli war einst sechs Jahre lang mein Vizepräsident, er hat die Gönnervereinigung Club 200 aufgebaut. Grossartig, wie er später als Klubpräsident die Realisierung des Stadions möglich machte. Doch heute wünschte ich mir, dass er mit dem Rücktritt Ernst macht und wie ich nach meinem Abgang anderen die Vereinsleitung überlässt.» Simioni hofft, dass er und Stierli die FCL-Spiele bald miteinander als Ehrenpräsidenten, die sich nicht einmischen, schauen können. «Gegenwärtig kommt es mir vor, als ob Stierli wie ein Adler darauf wartet, dass er wieder fliegen kann.»

Simioni erinnert sich gerne daran zurück, wie sein FCL 1992, drei Jahre nach dem «wunderbaren Meistertitel», noch Cupsieger geworden ist. Zehn Tage zuvor in Grenchen (1:2) abgestiegen, war in den Tagen vor dem Final «psychologische Arbeit mit den Spielern gefragt». Es hatte sich gelohnt: Luzern besiegte Lugano 3:1 nach Verlängerung.

Am Tag vor seinem 80. Geburtstag hofft Simioni, dass die aktuelle Mannschaft «jedes Spiel wie einen Cupmatch nimmt», damit es dem FCL am Schluss dieser Saison zum Ligaerhalt reicht.

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