FUSSBALL: So geduldig wie noch nie

Fussballreporter Daniel Wyrsch über die Arbeit von Sportchef Alex Frei beim FC Luzern

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Müssen jetzt beweisen, dass sie den FCL in der Super League nach vorne bringen können: Sportchef Alex Frei (links) und Trainer Carlos Bernegger. (Bild: Philipp Schmidli)

Müssen jetzt beweisen, dass sie den FCL in der Super League nach vorne bringen können: Sportchef Alex Frei (links) und Trainer Carlos Bernegger. (Bild: Philipp Schmidli)

Der FC Luzern in den letzten Jahren. (Bild: Grafik Neue LZ)

Der FC Luzern in den letzten Jahren. (Bild: Grafik Neue LZ)

Das hat es beim FC Luzern seit der Einführung des Professionalismus 1985 unter dem späteren Meistertrainer Friedel Rausch noch nie gegeben. So viel Vertrauen und Geduld von Besitzern hat noch keine sportliche Führung wie jetzt Sportdirektor Alex Frei (35) und Trainer Carlos Bernegger (45) geniessen dürfen. Dabei steht das Team nach einem Viertel der Saison ganz unten im Tabellenkeller, hat von neun Ligaspielen keines gewonnen, aber bereits vier verloren. Der als Polterer bekannte Hauptinvestor Bernhard Alpstaeg (69) hat den beiden wichtigsten Angestellten sowie dem hauptamtlichen FCL-Präsidenten Ruedi Stäger (57) am Tag nach der 2:3-Niederlage in Thun den Rücken gestärkt. Alpstaeg: «Ich habe Vertrauen ins Management, in den Sportchef und in den Trainer. Wir haben eine längere Durststrecke, aber es kommt gut. Wir verfallen nicht in Panik und sprechen keine Entlassungen aus, sondern stehen die Krise gemeinsam durch. Die Investoren stehen dahinter.»

Besonders erwähnte Swisspor-Patron und Milliardär Alpstaeg den prominentesten Arbeitnehmer beim FCL. «Alex Frei war ein guter Fussballer und ist ein guter Sportdirektor.» Mit dieser Aussage trifft Alpstaeg eine heikle Stelle: Denn Frei profitiert enorm von seinem Namen. Ob er tatsächlich ein fähiger Sportchef ist, hat er noch nicht bewiesen.

Vor 18 Monaten wechselte Frei von einem Tag auf den anderen vom Fussballplatz ins Büro des sportlichen Leiters. Am Anfang hatte er zusammen mit dem von ihm aus Basels U 21 geholten langjährigen Nachwuchstrainer Bernegger Erfolg. Neun Monate lang ging es stetig aufwärts: Auf den Ligaerhalt folgte in der Vorrunde der letzten Saison Platz 2. Doch als Frei seinen Hauptjob machen musste, haben die Probleme begonnen. Der Umbruch der Mannschaft ist zur schmerzhaften Operation geworden. In der Rückrunde verlor das Team mit den nach der letzten Saison nicht mehr erwünschten Führungsspielern Puljic, Stahel, Rangelov und Renggli die Stabilität. Nur dank dem gleichzeitigen Straucheln der Mitkonkurrenten Thun und St. Gallen schaffte es Luzern am Ende auf Platz 4, der zur Teilnahme am Europacup berechtigt.

Die zwei Verstärkungen Mikari und Kahraba wollten sich unter Frei nicht beim FCL integrieren. Mikaris Offensivdrang und Kahrabas Durchsetzungsvermögen und Tore fehlen jetzt. Frei kritisierte die vormaligen Innenverteidiger Puljic und Stahel scharf, geholt hat er drei Nachfolger, von denen bis jetzt alle weniger gebracht haben. Affolter (Vertrag bis 2018), Rogulj (bis 2017) und Lamas (bis 2016) sind weder junge, unbekannte Spieler, die man zu festen Grössen machen könnte, wie Frei es grundsätzlich vorschwebt, noch Abwehrgaranten. Dabei hatte Frei von YB Veskovac günstig angeboten erhalten. Der Ex-FCL-Profi wäre gerne zurückgekehrt, er spielt heute bei Toulouse (Ligue 1). Luzern aber leidet unter einem lotterigen Fundament vor dem verunsicherten Goalie Zibung. Da reicht nicht einmal, dass der Angriff um Marco Schneuwly (5 Tore) mit Jantschers (2 Tore) Integration zuletzt viel gefährlicher geworden ist. Kleinste Fehler werfen die Abwehr aus der Bahn, billige Gegentore sind die Konsequenz. 16 Treffer in neun Spielen (pro Match 1,77) kassierte kein anderes Team der Super League.

Falls Frei den Vertrag mit Bernegger vorzeitig verlängert hat oder dies in nächster Zeit tut, wäre das eine unverständliche Handlung. Frei selber ist jetzt gefordert. Von einem Absprung zum Verband ist keine Rede, nur der «Blick» wollte davon wissen. Nachfolger des Technischen Direktors Peter Knäbel, der zum Hamburger SV wechselt, wird nur einer, der die höchsten Trainerdiplome besitzt. Geschenkte Jobs beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) sind auch für verdienstvolle ehemalige Nationalspieler längst passé.

Ausserdem muss der neue Technische Direktor des SFV Erfahrung haben. Frei ist beim FCL noch immer ein Lehrling. Klubführung und Investoren (ausser dem langjährigen Klubchef und heutigen Ehrenpräsidenten Walter Stierli mit höchst bescheidenen Kenntnissen im Fussballgeschäft) lassen Frei und den ebenfalls wenig erfahrenen Bernegger weiter unbegleitet in dieser heiklen Situation wirken. Es ist riskant, einfach zu glauben, es komme alles gut. Immerhin fordert Alpstaeg: «Die Resultate müssen erfolgen, im November schauen wir dann, wie es beim FCL weitergeht.»