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FUSSBALL: Sperren machen Babbel sauer

Patrick Rahmen coacht den FCL heute (16.00, SRF 2) in Lugano, weil sein Chef Markus Babbel zum zweiten Mal in dieser Saison gesperrt ist. Für die Strafe zeigt dieser kein Verständnis.
Als Markus Babbel von Schiedsrichter Stephan Klossner am 19. März in Thun schon zum zweiten Mal in seiner Tätigkeit als FCL-Trainer auf die Tribüne verwiesen wurde, ist etwas vorgefallen, das unterschiedlich wahrgenommen worden sein soll. (Bild: Keystone / Peter Schneider)

Als Markus Babbel von Schiedsrichter Stephan Klossner am 19. März in Thun schon zum zweiten Mal in seiner Tätigkeit als FCL-Trainer auf die Tribüne verwiesen wurde, ist etwas vorgefallen, das unterschiedlich wahrgenommen worden sein soll. (Bild: Keystone / Peter Schneider)

daniel wyrsch

Lediglich eine rote Karte hat die Mannschaft des FC Luzern in 30 Runden dieser Saison geholt. Dario Lezcano, inzwischen in der Bundesliga bei Ingolstadt engagiert, wurde des Feldes verwiesen. Der bayrische Cheftrainer dagegen ist bereits zweimal auf die Tribüne geschickt worden. Auf diesen nicht unbedingt vorbildlichen Sachverhalt reagiert der bitter lächelnde Markus Babbel mit einer Prise Ironie: «Ich versuche, der Mannschaft eine gewisse Aggressivität vorzuleben.»

Er ist sauer, dass er sowohl von der Disziplinarkommission wie auch vom Rekursgericht der Swiss Football League (SFL) als sogenannter «Wiederholungstäter» mit zwei Spielsperren bestraft worden ist. Die nun folgenden Partien heute in Lugano und eine Woche darauf in Vaduz muss der Bayer von der Tribüne aus verfolgen. Zuerst will er den Vorfall, für den er sanktioniert worden ist, nicht kommentieren. Er sagt: «Ich muss die Strafe akzeptieren.» Später deutet er an, falsch verstanden worden zu sein (siehe unter Auszeichnungspunkt Thun - Luzern).

Bereits am 23. September 2015 hatte er ein FCL-Auswärtsspiel in Vaduz von der Tribüne aus verfolgen müssen. Sein inzwischen freigestellter Assistent Roland Vrabec machte seine Sache gut – der FCL gewann in Liechtenstein 2:1.

Babbel sagt über seinen heutigen Stellvertreter, Co-Trainer Patrick Rahmen: «Ich bin überzeugt von ihm. Patrick weiss genau, was die Mannschaft braucht. Er wird die richtigen Entscheide treffen.» Etwas weniger scheint Babbel seinen Spielern zu vertrauen, wenn er sagt: «Ich hoffe nur, die Mannschaft zieht mit.»

Babbel fährt separat ins Stadion

Der FCL ist bereits gestern ins Tessin gereist. «Wir gehen das Spiel hochprofessionell an, wollen unsere Chance auf einen internationalen Platz wahren», hält Babbel fest. Der Cheftrainer übernachtet im Mannschaftshotel, und er wird heute nach dem Mittagessen die Teamsitzung leiten. Babbel: «Das Prozedere bis zur Abfahrt ins Stadion bleibt genau gleich wie bei jedem Spiel.»

Babbel fährt dann aber nicht im Bus mit der Mannschaft, sondern separat ins Stadion. Aus Vorsicht, denn die SFL verlangt, dass ein gesperrter Trainer im Stadion keinen Kontakt zum Team und zum Staff hat. «Bevor wir wieder einen Fehler begehen, gehen wir dieser Situation ganz aus dem Weg», meint Babbel.

Der FCL-Trainer muss in einem ihm zugewiesenen Sektor auf der Tribüne Platz nehmen. Erst nach dem Abpfiff im Cornaredo darf Babbel mit seinen Profis kommunizieren.

In 194 Pflichtspielen als Trainer ist Babbel dreimal auf die Tribüne verwiesen worden. Mehr als zwei Drittel aller Partien stand er in der Bundesliga und der 2. Bundesliga bei Stuttgart, Hertha Berlin und Hoffenheim an der Seitenlinie. Auf die Frage, ob die Deutschen von der Rhetorik her weniger zimperlich sind als die Schweizer, antwortet Babbel: «Das kann ich mit hoher Überzeugung sagen.» In der Bundesliga wurde er einmal auf die Tribüne geschickt.

In chronologischer Reihenfolge die drei Verbannungen auf die Tribüne mit einer Einschätzung des 43-jährigen Ex-Internationalen:

  • Hoffenheim - Augsburg (0:0) am 29. September 2012: «Einen Tag vor dem Spiel hatte unser Hoffenheim-Spieler Boris Vukcevic einen fast tödlichen Autounfall. Wir waren schon sehr angespannt, weil wir in Gedanken bei ihm waren. Er hat Gott sei Dank überlebt, aber zu dem Zeitpunkt wussten wir nicht, ob er durchkommt. Wir mussten trotzdem spielen.» Nach einer Verbalattacke gegen den Schiedsrichter musste Babbel die Coachingzone verlassen. «Ich entschuldigte mich hinterher beim Schiri, er hat verstanden, dass die Situation grenzwertig war. Ich bin bestraft worden, musste auf die Tribüne, aber es gab keine zusätzlichen Sanktionen.»
  • Luzern - GC (3:3) am 13. September 2015: «In diesem Spiel habe ich etwas gesagt, dasich nicht hätte sagen sollen.» Babbel brüllte die Schiedsrichter an: «Ihr seid alles Würste!» Heute sagt er darüber: «Ich kann die Spielsperre, die ich damals bekam, nachvollziehen.»
  • Thun - Luzern (1:1) am 19. März 2016: «Diese Bestrafung mit zwei Spielsperren kann ich nicht nachvollziehen. Ich weiss, was ich gesagt habe und was ich nicht gesagt habe. Das ist bitter für uns. Leider ist es nicht so wahrgenommen worden, wie wir es wahrnahmen.» Babbel will nicht verraten, was er sagte. Er soll ein Fluchwort benutzt haben, das der 4. Offizielle auf sich und das Schiedsrichtergespann bezogen haben soll. Die SFL sprach von «leichter Beleidigung».

Babbel zeigt sich nun trotzdem reumütig. «Eigentlich bin ich ein eher ruhiger Zeitgenosse. Ich hoffe, dass ich dies künftig auch wieder an der Seitenlinie beweisen kann.» Zudem findet er, dass nicht nur die Trainer und Spieler während des Spiels in Stresssituationen sind, sondern auch die Schiedsrichter. «Dieses Grundverständnis habe ich.»

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