FUSSBALL: Spuckt Daniel Gygax Gift und Galle?

Der FC Luzern trifft heute (19.45, Brügglifeld) in Aarau auf seinen Ex- Stürmer Daniel Gygax (32). Doch vielleicht spielt an dessen Stelle heute ein anderer Ex-Luzerner.

Daniel Wyrsch
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In Luzern geliebt und gehasst: Aaraus Stürmer Daniel Gygax (mitte), hier mit Stephan Andrist. (Bild: Keystone)

In Luzern geliebt und gehasst: Aaraus Stürmer Daniel Gygax (mitte), hier mit Stephan Andrist. (Bild: Keystone)

Der FC Aarau hat als Aufsteiger bisher eine gute Saison gespielt. Er belegt Tabellenplatz 8, der angestrebte Ligaerhalt ist mit 14 Punkten Vorsprung auf Lausanne gesichert. Die «Aargauer Zeitung» zeigt sich nach zwei Auswärtsniederlagen gegen St. Gallen (1:4) und Thun (0:2) ernüchtert, Möchtegern-Experten sollen zuvor in der Kantonshauptstadt von der Europa League fantasiert haben. «Aarau ist vom internationalen Geschäft etwa so weit entfernt wie die Schweiz vom WM-Titel 2014 in Brasilien», heisst es. Einerseits sollen dem Team Qualität und Klasse fehlen, andererseits dem einen oder anderen Spieler im Schlussspurt Kraft und Luft ausgehen. Gut für den FCA, kehren heute im Heimspiel gegen den FC Luzern die zuvor gesperrten Sandro Burki (28) und Sven Lüscher (30) in die Startelf zurück. Der Captain und der beste Vorlagengeber der Liga (12 Assists, 6 Tore) sind Teamstützen. Ausserdem steht Trainer René Weiler (40) wieder an der Seitenlinie, nachdem er am letzten Samstag nicht beim Spiel in Thun war, sondern sich über die Geburt seines zweiten Kindes freuen durfte.

«Gegen den FCL wird es speziell»

Ob Weiler heute von Anfang an auf Luzerns ehemaligen Stürmer Daniel Gygax (32) setzt, ist nicht sicher. Nach dem offenbar leidenschaftslosen Auftritt der Aarauer in Thun spekulierte die «Aargauer Zeitung»: «Vielleicht kommt gegen die Zentralschweizer mit Daniel Gygax etwas mehr Gift und Galle ins Team.» Gygax meint, auf die zusätzliche Motivation gegen den einstigen Klub Luzern angesprochen: «Ich bin nicht mehr oder weniger motiviert wie vor jedem anderen Spiel. Klar ist aber, dass es speziell wird, war ich doch fast vier Jahre in Luzern und hatte eine schöne Zeit.»

Der WM-Traum ist geplatzt

Der Schluss war nicht so schön, wie es sich Alex Frei (34) ausgemalt hatte. Im letzten Sommer glaubte der FCL-Sportchef noch daran, dass Gygax Chancen auf ein WM-Aufgebot haben würde. Damals hatte der gebürtige Badener Luzern mit sechs Toren in den letzten neun Saisonspielen ausgerechnet als Mittelstürmer aus der Abstiegszone geschossen. Doch in der laufenden Saison klebte Gygax von Anfang an das Verletzungspech an den Füssen. Eine Sehnenentzündung zwang ihn zu einer langen Pause. Der Stammplatz war weg. Schliesslich erklärte ihm der frühere Nationalteamkollege Frei, dass Ende Saison Schluss sei in Luzern. Gygax nahm das Schicksal in die eigenen Hände, versucht sich seit Anfang März beim FC Aarau für einen neuen Vertrag zu empfehlen. Bis jetzt hat er sich noch nicht einen Platz in der Startelf sichern können, mit einem Tor aus sieben Partien blieb er relativ unauffällig.

Ein Fussballprofi, der polarisiert

Gygax läuft es nicht mehr so rund wie einst im Nationalteam unter Köbi Kuhn. Dessen Frau Alice hatte den Ex-FCZ-Flügel damals als ihren Lieblingsspieler auserkoren. 35 Länderspiele machte Gygax, fünf Tore schoss er und nahm mit der Schweiz an den EM-Turnieren 2004 und 2008 sowie an der WM 2006 teil.

Der extrovertierte Gygax ist immer zu seiner Meinung gestanden, egal, ob er dabei aneckte. Er polarisierte in Luzern. Die Fans fanden ihn «einen von uns», auf der Haupttribüne verstanden sie ihn nicht, war er unbeliebt, von nicht wenigen wurde er als «leistungsschwacher Grossverdiener» bezeichnet.

Zu unserer Zeitung sagte Gygax beim Abschied aus Luzern: «Der FCL verliert eine Figur, die es nicht mehr so häufig gibt.» Und der NZZ antwortete er auf die Frage, welcher Trainer – ausser Köbi Kuhn – ihn denn so spielen oder sein liess, wie er ist: «Lucien Favre beim FCZ, Yvon Pouliquen in Metz. Und am Anfang eigentlich auch Michael Oenning in Nürnberg.» Die in der Zeit von Gygax beim FCL auf der Allmend arbeitenden Trainer Rolf Fringer, Murat Yakin, Ryszard Komornicki und Carlos Bernegger taten es offensichtlich nicht.

Bernegger wird es verschmerzen können. Er hat Respekt vor Aarau («Das wird ein besonders hart umkämpftes Spiel im engen Brügglifeld») mit den Ex-Luzernern Gygax und Stephan Andrist (26). Der Ex-Basler Andrist dürfte heute wohl auch Gygax vorgezogen werden. Andrist fühlt sich wohl im beschaulichen Aarau. «Hier darf ich einfach Fussball spielen, und es gibt viel weniger Nebenschauplätze als in Basel oder Luzern.»