FUSSBALL: Steht Sportchef Alex Frei bald im Regen?

Turbulente Tage beim FC Luzern: Die Holding hat wie geplant getagt. Wichtigster Beschluss: Alex Frei bleibt vorderhand Sportchef. Freis Vertraute beim FCL können vorerst aufatmen.

Daniel Wyrsch
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Wenig sportlicher Sonnenschein im Moment: FCL-Sportchef Alex Frei. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Wenig sportlicher Sonnenschein im Moment: FCL-Sportchef Alex Frei. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Öffentlich wurde der Termin im Vorfeld nicht gemacht. Doch FC-Luzern-Präsident Ruedi Stäger (57) sprach gestern von einer «ordentlichen Sitzung der Holding, sie war für den Mittwoch längst geplant. Selbstverständlich war der Sport auch ein Thema.»

Der «Sport» ist in diesen Wochen und Tagen beim FC Luzern ein Synonym für Alex Frei. Stäger gibt sich ausgesprochen Mühe, dass der Sportchef nicht allzu sehr ins öffentliche Kreuzfeuer gerät. Ganz egal, ob Frei sich und seine Position mit einem Interview in der «NZZ am Sonntag» selbst zum Thema gemacht hat. Frei liess dabei einen tiefen Einblick in seine Seele zu: «Ich wusste, dass der FC Luzern ein Haifischbecken ist. Aber mir war nicht bewusst, dass so viele Haie darin schwimmen.» Es ist eine der bildhaften Beschreibungen, die er fast so regelmässig von sich gibt, wie er einst Tore schoss. Beispiel gefällig? «Mit Messer und Gabel kann man nicht Champions League spielen.»

Challenge statt Champions League?

Champions League spielen seine letzten beiden Arbeitgeber als Profi, der FC Basel (siehe Seite 35) und Borussia Dortmund, beim FCL ist man der Challenge League viel näher. In der ganzen Zentralschweiz hat man von niemandem gehört, der von Luzern die Königsklasse erwartet hätte. Platz 10 und die immer grösser werdenden Abstiegssorgen sind jedoch weit unter den realistischen Möglichkeiten. Denn trotz Sparmassnahmen besitzt der FCL immer noch ein Budget, das für die Tabellenmitte ausreichen müsste.

Stäger betonte: «Die Personalie Alex Frei ist nicht traktandiert gewesen.» Wie unsere Zeitung erfahren hat, ist über den Rekordtorschützen der Nati (42 Tore) aber sehr wohl diskutiert worden. Diplomatisch hat man unter den Investoren von einer «durchzogenen Bilanz» gesprochen. Bei einem Sieg, sieben Unentschieden und sieben Niederlagen in fünfzehn Liga-Spielen, Outs im nationalen und europäischen Cup, und das unter zwei Cheftrainern (Bernegger und Babbel), ist dies nett formuliert.

Es heisst, für Frei gebe es keine Entwarnung. Nach den letzten drei Vorrundenspielen in Aarau (nächsten Samstag, 17.45), zu Hause gegen YB (Mittwoch, 3. Dezember) und Basel (Samstag, 6. Dezember) zieht die Holding die definitive sportliche Bilanz.

Dass der Sportdirektor wankt, ist nicht von der Hand zu weisen. Dagegen können Stäger und Holding-Präsident Marco Sieber (56) nichts tun, ihre Argumente pro Frei greifen bei diesen Resultaten nicht. Doch sie selber stehen innerhalb des Aktionärsgremiums nicht zur Diskussion. «Ich spüre das 100-prozentige Vertrauen der Investoren», sagt Stäger. Der erste hauptamtlich angestellte FCL-Präsident erledigt seine Arbeit sogar «zur vollen Zufriedenheit» der Holding. Dass Sieber ausscheidet, dürfte nur der Fall sein, wenn der Unternehmer sich nicht mit der strategischen Ausrichtung seiner Mitstreiter identifizieren könnte. Gestern sprachen sich die Investoren aus, präsentierten sich einträchtiger als erwartet. Sieber, der unter anderem für die Orascom von FCL-Mitinvestor Samih Sawiris strategisch tätig ist, scheint nicht aufzugeben.

Ein Rücktritt ist auch für Alex Frei kaum ein Thema. Eine entsprechende Frage beantwortete er nicht. Würde er, wie es möglich ist, im Dezember freigestellt, dann müsste ihn der FCL drei weitere Monate entlöhnen.

Frei holte seine Vertrauten zum FCL

Allerdings gibt es neben der finanziellen Seite noch andere Gründe, weshalb der Baselbieter nicht freiwillig abdankt. Frei hat mehrere Vertraute nach Luzern geholt. «Es geht hier vieles kaputt, wenn ich gehen müsste», warnte Frei nach der Freistellung Berneggers. Er meinte, dass «seine» Leute mit ihm gehen würden. Dazu gehört der langjährige Mannschaftskollege beim FC Basel und in der Nationalmannschaft, Benjamin Huggel. Als Juniorentrainer beim FCB nicht mehr erwünscht, konnte dieser in Vollzeit das U-16-Team des FCL übernehmen. Damit gehört Huggel zu den wenigen in der Schweiz, die in dieser Nachwuchskategorie 100 Prozent arbeiten. Daneben ist der Ex-Internationale für das SRF als Experte, wie gestern Abend beim Match Basel - Real Madrid, tätig. Auch Nachwuchschef Andy Egli kam dank Frei zum FCL. Der vom Chef-Scout zum Assistenztrainer der Profis umfunktionierte Remo Gaugler stammt wie Frei, Huggel und Marketingleiter Thomas Ulrich aus der Region Basel. Konditionstrainer Christian Schmidt kannte Frei aus seiner Profizeit bei Rennes. Cheftrainer Markus Babbel hat den gleichen Berater wie Frei. Auch Babbels Position ist gefährdet, bleibt der Turn-around aus.

Der Beweis: Die FCL Holding AG tagte am Mittwoch. (Bild: Daniel Wyrsch)

Der Beweis: Die FCL Holding AG tagte am Mittwoch. (Bild: Daniel Wyrsch)