FUSSBALL: Studhalter: «Wir machten Fehler»

Der tiefe Fall des FC Luzern ist keine böse Laune des Schicksals. Das gesteht Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter ein. Auch die Entlassung von Rolf Fringer war keine Meisterleistung.

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Die Investoren mit Philipp Studhalter (Bild) stehen weiterhin hinter dem Trainer und dem Präsidenten. (Bild Dominik Wunderli)

Die Investoren mit Philipp Studhalter (Bild) stehen weiterhin hinter dem Trainer und dem Präsidenten. (Bild Dominik Wunderli)

Daniel Wyrsch

Philipp Studhalter, der Präsident des FCL-Verwaltungsrats, stand am letzten Mittwoch nach dem Halbfinal-Aus im Cup gegen Lugano (1:2) im Mediencenter der Swissporarena. Er bestätigte, dass er mit Sportchef Rolf Fringer vor dessen Freistellung Anfang Januar nicht gesprochen habe. «Wir haben Fehler gemacht», gab der 40-jährige Luzerner Studhalter zu. «Wir befinden uns in stürmischen Gewässern und müssen da wieder herausfinden.»

Der Rechtsanwalt und Statthalter von Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg (70) im FCL-Verwaltungsrat war nicht nur wegen des Cupmatchs in der Swissporarena. Studhalter sah sich dazu veranlasst zu verkünden, dass die Investoren trotz fünf Pflichtspielniederlagen in Folge weiterhin auf Präsident Ruedi Stäger und Markus Babbel setzen. Schliesslich ist der Vertrag mit dem Cheftrainer erst vor drei Wochen vorzeitig um zwei Jahre bis Sommer 2018 verlängert worden und mindestens eine Million Franken wert.

Alpstaeg bricht sein Schweigen

Dem Verein droht anderthalb Jahre nach der Freistellung von Carlos Bernegger, mit Babbel bald einen weiteren Coach auf der Lohnliste zu haben, der nicht mehr in Diensten des FCL stehen wird. Im unbarmherzigen Profi-Geschäft wird die Luft für den Trainer nach vier Meisterschaftsniederlagen in Serie dünn. Zudem hat der FCL gegen Lugano nicht nur eine Schmach im Cup-Halbfinal erlitten, sondern auch die Chance auf die Direktqualifikation für die Gruppenphase der Europa League verpasst. Der Cupsieg hätte Einnahmen von 2,5 Millionen Franken generiert.

Verliert Babbels Team morgen Sonntag (16.00, SRF 2) in Bern auch gegen die drittplatzierten Young Boys, dann würde es für Babbel mit sechs Niederlagen in sechs Pflichtspielen im laufenden Jahr kritisch. Denn offenbar ist das Bekenntnis des Verwaltungsrats für den Trainer und den Präsidenten keine Sicherheit auf lange Dauer.

Hauptaktionär Bernhard Alpstaeg hat sich gestern erstmals seit seiner selbst auferlegten «Silencio Stampa» (Pressesperre) vom Herbst 2014 wieder geäussert. Er gab unserer Zeitung am Telefon zu verstehen, dass es ihm wegen der Krise beim FCL «gar nicht gut» gehe. Er macht sich Sorgen.

Der vermögende und grosszügige Swisspor-Patron unterdrückte seinen Ärger über den sportlichen Absturz des Vereins nicht. Alpstaeg gibt zu verstehen, dass ihm der FC Luzern nach wie vor am Herzen liegt. Es juckte ihn zwar, seiner Meinung über die Verantwortlichen freien Lauf zu geben. Aber er konnte sich zurückhalten und hielt fest: «Im Augenblick darf ich nichts sagen.»

Sieber schweigt zu seiner Rolle

Alpstaeg scheint auf die Rückkehr von Ehrenpräsident Walter Stierli (67) zu warten, der vor dem Ende einer schönen Ferienreise steht. Ab Montag wird Stierli, der seit Ende 2014 nicht mehr Verwaltungsrat ist und seinen 25-Prozent-Aktienanteil an der FCL-Holding seither treuhänderisch deponiert hat, wieder in Luzern sein. Es ist anzunehmen, dass die Drähte zwischen den beiden lange mächtigsten FCL-Männern und Vätern der Swissporarena längst heissgelaufen sind. Für Stäger und Babbel mag das nichts Gutes verheissen.

Und was heisst das für Investor Marco Sieber? Der Verwaltungsratsdelegierte für die sportlichen Belange im FCL war Fringers Ansprechpartner und direkt in die Freistellung des Sportchefs involviert. Doch zu seiner Rolle wollte sich Sieber nicht äussern.

Verantwortung für das ausgebrochene Chaos im Chaos trägt der Verwaltungsrat als Ganzes. Keiner von ihnen hat je mit Fringer geredet, bevor über ihn gerichtet wurde. Sie vertrauten bloss auf Sieber und Stäger.