Fussball Super League

Varol Tasar schiesst den FCL mit einem Traumtor zum späten 2:1-Sieg in Sion

Für den FC Luzern gibt es im verschneiten Wallis drei Punkte: Der wegen Schneeräumungsarbeiten mit einer halbstündigen Verspätung angepfiffene Match endet mit einem verdienten 2:1-Sieg der angriffslustigen Innerschweizer.

Daniel Wyrsch aus Sion
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Varol Tasar erzielt das 2:1 für den FC Luzern.

Varol Tasar erzielt das 2:1 für den FC Luzern.

Bild: Freshfocus / Martin Meienberger

Die entscheidende Szene

Der FCL sichert sich den dritten Saisonsieg in der 84. Minute: Der eingewechselte Christian Schwegler wirft den Ball in den Strafraum, dieser kommt nach einer ungenügenden Sittener Abwehr zum ebenfalls eingewechselten Varol Tasar. Der Ex-Servettien schiesst die Kugel mit einem unhaltbaren Scharfschuss in die hohe Torecke zum 2:1-Sieg.

Der Kurzbericht

Der FCL beginnt mit einem guten Angriff, der nach einem Steilpass von Filip Ugrinic auf Yvan Alounga vom 18-jährigen Stürmer in der 4. Minute abgeschlossen wird: Sein Flachschuss wehrt der unerwartet für Kevin Fickentscher das Sion-Tor hütende Timothy Fayulu ab.

Nur zwei Minuten später zwingt Sion-Offensivmann Cleilton Itaitinga den FCL-Goalie Marius Müller zu einer Glanzparade (6.). Anschliessend passiert bis zur 23. Minute nichts Aufregendes mehr, ehe Geoffroy Serey Dié mit einem taktischen Foul Dejan Sorgic zurückhält. Als er von Schiedsrichter Lukas Fähndrich die gelbe Karte sieht, reklamiert Serey Dié lautstark. Nach drei Niederlagen in Folge liegen die Nerven bei den Wallisern offensichtlich blank.

Bevor die Luzerner zwei gute Torchancen haben, sieht Itaitinga seinen zweiten Schuss von Müller abgewehrt (27.). Die beste Möglichkeit zum Führungstreffer vergibt Sorgic nach einer halben Stunde: Er kann das Zuspiel von Ugrinic nicht verwerten, bleibt aus kurzer Distanz an Fayulu hängen. In der 34. Minute fliegt der Fernschuss von Ugrinic in Richtung Torecke, doch Fayulu lenkt den Ball mirakulös um den Pfosten.

Das Chancenplus in der ersten Halbzeit zum Trotz geht Sion zu Beginn der zweiten Hälfte in Führung: Ein gut getretener Corner köpfelt Jan Bamert in der 53. Minute zum 1:0 ins Netz. Damit rehabilitiert sich der gebürtige Tuggener für sein Eigengoal zehn Tage zuvor bei der 0:2-Niederlage der Walliser in Luzern.

Das Spielfeld wird vor dem Match vom Schnee befreit.
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Die Arbeiter entfernen den Schnee vom Spielfeld.
Aufgrund des bedeckten Feldes startete das Spiel eine halbe Stunde später als geplant.
Der Walliser Verteidiger Jan Bamert kämpft gegen den Luzerner Verteidier Martin Frydek um den Ball.
Marvin Schulz schnappt sich den Ball.
Stefan Knezevic kämpft sich durch die Mitte.
Geoffrey Serey Die gegen Pascal Schürpf.
Der Luzerner Yvan Aloung gegen Jan Bamert.
Dejan Sorgic gegen Roberts Uldrikis.
Torhüter Marius Müller hält einen Torschuss.
Lucas Alves auf dem verschneiten Spielfeld.
Der Luzerner Louis Schaub gegen Anto Grgic.

Das Spielfeld wird vor dem Match vom Schnee befreit.

Bild: Freshfocus / Martin Meienberger

Ugrinic versucht den Ausgleich zu schiessen, aber sein Abschluss aus 18 Metern ist zu harmlos. Im dritten Flankenversuch überzeugt der eingewechselte Ibrahima Ndiaye in der 72. Minute, seine hohe Hereingabe nimmt Pascal Schürpf mit der Brust an und schiesst mit der Fussspitze, den Abpraller von Fayulu nutzt Goalgetter Sorgic im Nachschuss zum 1:1-Ausgleich. Der FCL-Stürmer steht damit mit Pajtim Kasami vom FC Basel mit fünf Toren an der Spitze der Torschützenliste.

Innerhalb von knapp vier Minuten scheitern Ugrinic (78,), Sorgic (79.) und der gerade eingewechselte Varol Tasar (81.) am überragenden Sion-Keeper Fayulu. Doch in der 84. Minute trifft Tasar mit einem Traumschuss ins Lattenkreuz zum 2:1-Siegtreffer. Er markiert sein erstes Tor für den FCL nach einem Einwurf des ebenfalls eingewechselten Routiniers Christian Schwegler.

Die Stimmen zum Spiel

FCL-Trainer Fabio Celestini: «Das waren keine einfachen Verhältnisse auf diesem vereisten und schnellen Spielfeld. Wir hatten acht bis zehn Torchancen und erzielten zwei Tore, das ist natürlich nicht die Effizienz, die ich mir vorstelle. In den letzten beiden Spielen gegen YB und in Sion besassen wir total 14 gute Möglichkeiten, daraus haben wir vier Treffer geschossen. Da gibt es noch viel Arbeit. Trotzdem bin ich stolz auf meine Mannschaft, weil sie nicht aufgegeben hat. Auch nachdem wir entgegen dem Spielverlauf 0:1 in Rückstand lagen. Wir geben nie auf, halten an unserer offensiven Spielweise fest. So konnten wir die Partie drehen und unseren dritten Saisonsieg feiern. Unsere Mentalität und unser Weg stimmen. Varol Tasar hat ein super Tor zum 2:1-Sieg geschossen. Seine Geschichte passt zu jener der Mannschaft: Zuerst hat er die Mannschaft und unsere Abläufe kennenlernen müssen, nach persönlich schwierigen Momenten gegen den FC Zürich und zuletzt gegen YB hat er nun gegen Sion für die Erlösung gesorgt. Dieses Erfolgserlebnis tut ihm und dem ganzen Team gut.»

FCL-Goalie Marius Müller: «Es stimmt, mir fliegen die Bälle nicht mehr regelmässig um die Ohren wie in der vergangenen Saison. Dadurch kann ich mich auch nicht mehr in diesem Masse auszeichnen. Meine Vorderleute haben sich verbessert, obwohl wir schon 19 Gegentreffer bekommen haben und gegen Sion wieder mehrere Stockfehler machten. Aber das ist egal, wichtig ist der Sieg. Gerade jetzt in den englischen Wochen sind solche Erfolge mit drei Punkten sehr bedeutend. Wir bleiben hartnäckig, auch wenn wir in Rückstand geraten, diese Mentalität hat uns der Trainer vermittelt.»

Und dann erzählt der 27-jährige Deutsche Marius Müller eine Anekdote aus seiner Kindheit. Die ist ein bisschen im sportlichen Ernst gemeint und ebenso ein bisschen zum Schmunzeln, typisch «Mülli» halt:

«Vor 14 Jahren an unserer Heim-WM in Deutschland habe ich als kindlicher Fan nach dem Halbfinal-Aus gegen Italien bittere Tränen geweint. Es tat weh, als Gastgeberland nicht im Final dieser tollen Weltmeisterschaft zu stehen. Ich habe mir geschworen, dass ich eines Tages an einem der italienischen Weltmeister Revanche nehme, falls ich Gelegenheit dazu erhalte. Jetzt ist es mir mit zwei Siegen innerhalb von zehn Tagen gegen den damaligen Halbfinal-Torschützen Fabio Grosso gelungen. Somit konnte ich meinen Seelenfrieden wieder finden. Ich stellte mir vor, dass ich für über 80 Millionen Deutsche diese Wiedergutmachung herstelle.»

Als Marius Müller diese Wort spricht, läuft David Zibung hinter ihm durch. «Hast du gehört, was ich gerade erzählt habe?», fragt er den Ur-Luzerner. Zibung antwortet: «Klar, ich habe die letzten zwei Wochen nichts anderes von dir gehört.» Fabio Grosso dürfte weniger Freude an der zweiten Niederlage gegen Luzern haben, die letzten vier Partien hat er allesamt verloren. Seine Tage in Sion könnten bereits gezählt sein. Alles hängt wie immer von Präsident Christian Constantin ab. Bekanntlich ist Trainerfresser CC kein geduldiger Mann.