FUSSBALL: Thiesson: «YB wird alles in die Waagschale werfen»

Luzern erhofft sich vom YB-Tief heute (16 Uhr, SRF 2) in Bern keine Vorteile. Denn YB – FCL ist ein Duell zweier Teams mit ungenügenden Rückrundenbilanzen auf beiden Seiten.

Daniel Wyrsch
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Machen die Young Boys heute den FCL nass? Luzerns Mittelfeldspieler Jérôme Thiesson (Bild) sagt: «Wir erwarten den stärkstmöglichen Gegner.» (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Machen die Young Boys heute den FCL nass? Luzerns Mittelfeldspieler Jérôme Thiesson (Bild) sagt: «Wir erwarten den stärkstmöglichen Gegner.» (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Luzern-Trainer Carlos Bernegger (45) erwartet «ein intensives Spiel gegen YB. Wir müssen den nötigen Siegeswillen zeigen und unsere defensiven Aufgaben erfüllen.»

Die letzte Erinnerung an die Berner ist schlecht. Am 23. Februar verloren die Luzerner zu Hause mit 1:2 gegen YB. Das war der letzte Sieg der Gelbschwarzen. Anschliessend holten sie aus den letzten fünf Spielen nur noch einen Punkt. Sowohl YB wie der FCL sind in der Rückrunde klar unter den eigenen Erwartungen geblieben. Aus neun Ligapartien 2014 holte YB zehn Punkte, Luzern deren sieben. Damit ist der FCL mit Sion bislang das schlechteste Team der zweiten Saisonhälfte. Das dritte Viertel der Meisterschaft war für die Zentralschweizer zum Vergessen. Sie bezogen sechs Niederlagen, nachdem sie in der ganzen Vorrunde vier Spiele verloren hatten. Nunmehr kommen sie auf zehn Niederlagen wie YB.

Bei den Bernern kommt hinzu, dass die Besitzer Andy und Hansueli Rihs erneut eine zweistellige Millionensumme in die Verstärkung der Mannschaft (Steve von Bergen, Milan Vilotic und Trainer Uli Forte) steckten. Aufwand und Ertrag, Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit deutlicher auseinander als in Luzern, wo die Verhältnisse im Vergleich geradezu beschaulich sind.

Bernegger: «Ich bin vorsichtig»

In Anbetracht dieser Ausgangslage für die Berner – direkt nach einer 1:2-Niederlage bei Aufsteiger Aarau und einer 0:4-Heimdemütigung gegen GC – ist anzunehmen, dass beim Gastgeber heute (16 Uhr, SRF 2) im Stade de Suisse schnell die Nerven blank liegen dürften. Bernegger scheint sich deswegen nichts auszurechnen. Der FCL-Coach sagt über den moralisch angeschlagenen Gegner: «Ich bin vorsichtig und habe nicht zu grosse Erwartungen wie die Öffentlichkeit. Dem Team vermittle ich Vernunft und Realismus, unabhängig davon, wer der Gegner ist.»

Mittelfeldspieler Jérôme Thiesson (26) meint: «YB bleibt YB. Die Mannschaft hat noch immer starke Spieler. Sie werden alles in die Waagschale werfen, deshalb erwarten wir den stärkstmöglichen Gegner.» Trotz des Tiefs des Teams von Trainer Forte will Thiesson die Situation der Berner überhaupt nicht dramatisieren: «Es ist wie in jeder Mannschaft. Man steckt sich Ziele, erreicht man diese, ist es gut, sonst nicht.»

Die Luzerner sind selber klar hinter den gesteckten Zielen zurückgeblieben, betrachtet man die ungenügende Rückrundenbilanz. Wie immer in solch negativen Situationen ist die Suche nach den Gründen schwierig. Lieben es die Verantwortlichen über den Erfolg zu sprechen, zeigen sie sich wortkarg, wenn es darum geht, einen negativen Verlauf zu erklären. Bernegger: «Ich kann der Mannschaft nicht viel vorwerfen.» Einzig die mangelnde Effizienz in den letzten dreieinhalb Partien, die nun schon 323 Spielminuten ohne ein geschossenes Tor dauert, kritisiert der Trainer. Doch Bernegger sagt auch: «Wenn wir uns nicht Chancen erarbeitet hätten, dann wäre es ein wirkliches Problem.»

Spricht man den Schweiz-Argentinier zur Pflichtspielbilanz 2014 an, die inklusive dem verlorenen Cup-Halbfinal in Basel mit sieben Niederlagen aus zehn Partien unerfreulich ausschaut, antwortet er immer wieder ähnlich: «Wir haben nie zweimal hintereinander mit den gleichen Spielern antreten können. Das geht anderen Teams ähnlich. Es ist keine Ausrede, ich muss dies sagen.»

Umbruch macht Team unzufrieden

Doch mindestens so negativ wie die vor allem zu Beginn der Rückrunde zahlreichen Ausfälle hat sich der längst abzeichnende Umbruch auf die Leistungen ausgewirkt. Diese These muss Bernegger bestätigen. Er hat die unmittelbaren Konsequenzen zu tragen. Bei aller Professionalität, die von Sportlern zu erwarten ist, ist es nicht zu verhindern, dass sich durch diese markante Veränderung im Kader Unzufriedenheit breit macht. Jüngstes Beispiel ist Captain Michel Renggli. Ein Spiel bevor er eine bestimmte Anzahl Partien von Anfang bestritten hat und sich sein Vertrag damit um ein Jahr verlängert hätte, wurde dem 34-Jährigen mitgeteilt, dass man künftig nicht mehr auf ihn setzt. Jetzt will der Spieler trotz Anschlussvertrag als U-15-Nachwuchstrainer zusammen mit seinem Berater Josef «Seppi» Jost mit dem FCL nachverhandeln. Es geht inklusive Prämien um eine Summe von geschätzten 250 000 Franken. Die Frage ist – solange keine Einigung erzielt wird – ob Renggli heute auf der Ersatzbank sitzt, er auf der Tribüne Platz nimmt oder sogar zu Hause bleibt (siehe gestrige Ausgabe).

Konditionstrainer zeigt Werte nicht

Ein anderes Defizit ist in den letzten fünf Spielen aufgefallen: Sowohl in Sion (2:3), in Lausanne (0:1), im Cup-Halbfinal in Basel (0:1), daheim gegen Basel (0:2) und selbst beim Heimsieg gegen Zürich (1:0) baute der FCL während der zweiten 45 Minuten stets deutlich ab. Bernegger geht darauf nicht richtig ein. Am letzten Sonntag nach dem Meisterschaftsspiel gegen Basel meinte er, auf die harsche Kritik von FCB-Goalie Yann Sommer («Luzern konnte nach 30 Minuten nicht mehr zulegen, das war schon im Cup der Fall») angesprochen: «Ich hatte nicht dasselbe Gefühl.»

Unsere Zeitung bat FCL-Konditionstrainer Christian Schmidt (42) diese Woche, die Werte der Spieler offenzulegen. Er wollte nicht. Das ist sein gutes Recht. Der gebürtige Korse Schmidt wollte schon zuvor nicht mit den Medien reden. Die französische Sportzeitung «L'Equipe» habe mal Nonsens über seine Arbeit geschrieben, begründete er.

Wenn heute die Young Boys auf Luzern treffen, zählt am Ende nur das Resultat. Beobachtet wird aber auch, ob die Zentralschweizer nach der Pause erneut physisch abbauen.