FUSSBALL: Tomi Juric schlägt Topangebot aus

FCL-Profi Tomi Juric geht nicht zum englischen Zweitligisten Reading. Er zieht es vor, zumindest bis Ende Saison in Luzern zu bleiben. Die FCL-Leitung ist einerseits erfreut und andererseits perplex.

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Der Australier Tomi Juric (vorne) im FCL-Trainingslager in Spanien. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Marbella, 15. Januar 2017))

Der Australier Tomi Juric (vorne) im FCL-Trainingslager in Spanien. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Marbella, 15. Januar 2017))

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch


Tomi Juric (25) gehört offenbar zu den Menschen, die sich wegen des Geldes nicht von ihrem eingeschlagenen Weg abbringen lassen. Der australische Nationalstürmer und Sohn kroatischer Einwanderer hätte vor geraumer Zeit die Gelegenheit gehabt, in China innert dreier Jahre über 10 Millionen Franken zu verdienen. Er sagte ab. Wenn Juric, dessen Vater ein hart arbeitender Handwerker ist, gestern die lukrative Offerte des FC Reading aus Englands zweithöchster Liga angenommen hätte, wäre er innerhalb eines Jahres ebenfalls Schweizer-Franken-Millionär geworden. Der FCL-Stürmer schlug dieses Topangebot ebenfalls aus.

Wechsel wäre zum falschen Zeitpunkt gekommen

Remo Gaugler, Sportkoordinator des FC Luzern, besprach mit Juric gestern Morgen dessen Situation. «Tomi hat mir gesagt, dass er uns vorläufig nicht verlassen wolle. Er fühle sich nach seiner Verletzung noch nicht in der Verfassung, um den Klub zu wechseln.» Im Sommer soll es dann so weit sein. Gaugler verrät, wo Juric ab nächster Saison seine Karriere fortsetzen möchte: «In Deutschland bei einem Bundesligisten.»

Juric hatte Anfang November zu Beginn des Heimspiels gegen YB (2:2) eine Innenbandverletzung am Knie erlitten. Der Angreifer (drei Tore, drei Assists in 14 Ligaeinsätzen) musste, ohne operiert zu werden, eine Zwangspause einlegen. Somit verpasste er den Rest der Vorrunde. Erst im Trainingslager Mitte Januar in Marbella konnte er wieder mit der vollen körperlichen Belastung mittrainieren und Testspiele bestreiten. Aus dieser Sicht ist der Entscheid des Spielers vernünftig. Umsomehr Juric schon in der letzten Saison, die er beim holländischen Ehrendivisionsklub Roda Kerkrade bestritt, längere Zeit wegen Verletzungen ausgefallen war. Wie er unserer Zeitung in einem Interview versicherte, fühlt er sich bei Trainer Markus Babbel und dem gesamten Staff gut aufgehoben. Besonders lobt Juric den Konditionstrainer Christian Schmidt: «Er ist ein positiv Verrückter.» Mit dessen Unterstützung will der «Aussie» nun endlich topfit werden.

Die Millionenablöse hätte dem FCL gutgetan

In der FCL-Führung freut man sich einerseits über die Charakterstärke des Profis. «Vom Typ her zeigt Tomi, dass er der Richtige für uns ist», findet Gaugler. Andererseits sind Gaugler und die Klubleitung etwas perplex über die Absage von Juric an Reading. Von den 2,5 Millionen Franken Ablöse wäre dem FCL der Löwenanteil geblieben. Einige Prozent wären an eine Privatperson aus Holland gegangen, die eine Beteiligung an Juric seit dessen Wechsel von Kerkrade zu Luzern besitzt. Gaugler sagt: «Für mehr als 2 Millionen hätte ich Tomi Juric mit dem Velo rüber nach England gebracht. Wir können ihn als Stürmer sicher brauchen, aber das Geld hätte uns natürlich auch geholfen.» In den letzten Jahren hat das jährliche Defizit des FCL 2 Millionen Franken betragen. Gaugler hofft jetzt, dass Juric im Sommer eine ähnlich hohe Transfersumme einbringt. Sein Vertrag in Luzern läuft bis Mitte 2018.