FUSSBALL: Torerfolge sind die Brücke zum Aufstieg

Ridge Mobulu (23) soll diese Saison den Angriff des FC Luzern verstärken. Mobulu sagt: «Ich weiss, dass ich Tore schiessen muss, um den Durchbruch zu schaffen.»

Turi Bucher
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Ridge Mobulu auf der Spreuerbrücke. «Ich finde mich in Luzern schon gut zurecht», sagt er. (Bild Manuela Jans)

Ridge Mobulu auf der Spreuerbrücke. «Ich finde mich in Luzern schon gut zurecht», sagt er. (Bild Manuela Jans)

Eben erst, am 29. Juni, ist Ridge Mobulu 23-jährig geworden. Diese Information lässt sich ohne grossen detektivischen Aufwand im Internet aufspüren. Aber Mobulu räumt im Gespräch in der Luzerner Café-Bar Lokal zwischen Natur-Museum und Spreuerbrücke gleich mal mit einem Internet-Irrtum auf: «Ich bin nicht in Kinshasa geboren, sondern in Aigle in der Schweiz.»

FCL-Sportchef Alex Frei beobachtete den Flügelstürmer mit kongolesischen Wurzeln in den vergangenen Monaten, als Mobulu mit dem Erstligisten Le Mont im Schweizer Cup für Aufsehen sorgte (4:1 gegen die Young Boys; 1 Mobulu-Tor), und engagierte ihn schliesslich für den FC Luzern.

Seit drei Wochen wohnt Mobulu nun im Hotel Spatz in der Nähe der Swissporarena. «Das ist gar nicht so einfach», erzählt Mobulu, es sei ein wenig «petit», und er hoffe, dass er mit Hilfe des FCL vielleicht schon nächste Woche ein passendes Appartement gefunden habe. Unterdessen hat das neue FCL-Stürmertalent auch schon den einen und anderen Abstecher in die Stadt Luzern unternommen. «Es gefällt mir sehr gut hier», sagt Mobulu, «es ist halt alles ein bisschen kleiner als in Lausanne. Aber wenn ich etwas zum Essen oder für den täglichen Gebrauch einkaufen muss, finde ich mich schon gut zurecht.»

M’Futi ist sein Bruder

Mutter Jose und Vater Florent kamen 1990 in die Schweiz, ein Jahr später kam Ridge Mobulu zur Welt. Sein Vater (57) arbeitet als Taxichauffeur in Aigle. Von seinen drei Schwestern und drei Brüdern vermisst ihn vor allem die kleine Ketsia (9). «Ich war halt immer da, wenn sie von der Schule nach Hause kam», sagt Mobulu. Seit seinem Trainingsstart in Luzern war Mobulu erst zweimal auf Besuch in Aigle.

Genaustens beobachtet wird sein Werdegang beim FCL übrigens von Bruder M’Futi. Der inzwischen 33-jährige M’Futi blickt selber auf eine erfolgreiche Stürmerkarriere zurück, arbeitet unterdessen als Fitnesscoach. M’Futi spielte in Sion (94 Spiele/6 Tore), bei Xamax (91/23), in Frankreich beim FC Istres (52/10), beim FC Aarau (11/0) und in Genf bei Servette (19/4). Hiermit kann Ridge Mobulu gleich noch ein Missverständnis aus der Welt räumen: Weil M’Futi in der Schweiz nur unter genau diesem Namen bekannt wurde und ist, stellte sich die Frage, ob dieser tatsächlich Ridge Mobulus leiblicher Bruder ist. Dieser bejaht und klärt auf: «M’Futi ist der Vorname, aber er trug diesen Namen immer auf dem Trikot. Sein Familienname lautet Mobulu, auch wenn es ständig verwechselt wird.»

Unter Umberto Barberis debütiert

Als Sechsjähriger kickte Ridge Mobulu erstmals für den FC Aigle, mit 15 kam er via Yvorne zu Lausanne-Sport. Im Alter von 17 Jahren debütierte er unter dem damaligen Lausanne-Trainer Umberto Barberis in der Challenge League. Später folgte er einem Lockruf aus Übersee. In der 2. Division Nordamerikas spielte er für die Vancouver Whitecaps zusammen mit Davide Chiumiento (FCZ), trainierte zusammen mit Alain Rochat (YB) und Eric Hassli (ehemals FCZ, St. Gallen). Nachdem sich die Whitecaps der Topliga Major League Soccer angeschlossen hatten, hatte er ein Jahr lang praktisch keine Einsätze mehr, begann sich das Heimweh bemerkbar zu machen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz gelangte er via Stade Nyonnais und Yverdon in Lausanne zum FC Le Mont.

Mobulu, der in seiner Freizeit gerne kongolesische Musik hört und selber ab und zu Piano spielt («bei uns zu Hause steht ein Klavier, ich habe mir das Pianospielen selber beigebracht»), weiss, dass die offensiven Aussenpositionen beim FC Luzern durch prominente Spieler (Winter, Hyka) besetzt sind. FCL-Trainer Carlos Bernegger setzte Mobulu in den bisherigen vier Testspielen immer mit Beginn der zweiten Halbzeit auf dem rechten Flügel ein. Mobulu erzielte beim 2:0 gegen Spartak Moskau sein erstes Tor und gab davor beim 4:3 gegen den FC Wil eine wunderschöne Passvorlage zu einem FCL-Tor. Mobulu sagt: «Ich weiss, dass Stürmer an ihren Torerfolgen gemessen werden, ich weiss, dass ich Tore schiessen muss, um beim FCL den Durchbruch zu schaffen.»

Auf Mobulus sportlichen Aufstieg hofft auch Alex Frei: «Nachdem wir Mobulu zum Probetraining eingeladen haben», erzählt der FCL-Sportchef, «konnten wir beobachten, dass er keine Probleme hatte, sich sofort dem Niveau anzupassen. Das waren gute Signale.» Man müsse aber, so Frei weiter, geduldig sein und diesem jungen Spieler noch Zeit geben. «Je schneller er den Anschluss schafft, umso grösser ist die Chance, dass er sich durchsetzen wird. Und umgekehrt verkleinert sich die Chance, wenn er die Zeit verstreichen lässt.»

Hinweis

Alle Porträts der neuen FCL-Spieler können im Internet unter www.luzernerzeitung.ch/serien nachgelesen werden. Bisher erschienen sind die Porträts von Marco Schneuwly, Jakob Jantscher und Claudio Holenstein.