FUSSBALL: Vertrag von Markus Babbel hat eine Ausstiegsklausel

Luzerns Trainer Markus Babbel hat alle sechs Pflichtspiele 2016 verloren. Der FCL könnte den kürzlich mit ihm verlängerten Vertrag aber vorzeitig kündigen.

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Warten auf das kapitale Spiel gegen den FC Lugano vom kommenden Samstag (von links): Trainer Markus Babbel, Assistenztrainer Patrick Rahmen und Torhütertrainer Daniel Böbner. (Bild: Freshfocus/Urs Lindt)

Warten auf das kapitale Spiel gegen den FC Lugano vom kommenden Samstag (von links): Trainer Markus Babbel, Assistenztrainer Patrick Rahmen und Torhütertrainer Daniel Böbner. (Bild: Freshfocus/Urs Lindt)

Daniel Wyrsch

Der FC Luzern hat vor dreieinhalb Wochen den Vertrag mit Cheftrainer Markus Babbel (43) vorzeitig um zwei Jahre bis Ende Juni 2018 verlängert. Das geschah kurz nach der Niederlage zum Rückrundenstart beim Serienmeister in Basel (0:3). Der erhoffte positive Effekt blieb aber gänzlich aus: Seither haben die Innerschweizer fünf weitere Pflichtspiele hintereinander verloren. Neben vier Meisterschaftspartien wurde am letzten Mittwoch daheim auch der Cupfinaleinzug gegen den bescheidenen Aufsteiger Lugano (1:2) verpasst.

FCL-Präsident Ruedi Stäger musste am Sonntag vor dem Match in Bern gegen die Young Boys (2:5) dem Schweizer Fernsehen SRF zugestehen: «So ist es uns gelungen, den 4. Platz nach der Vorrunde und den Cup-Halbfinal zu verspielen. Bei diesen Resultaten trauere ich und habe Verständnis für alle Fans, die nun unzufrieden sind.»

In diesem Interview war der gemäss SRF-Moderator Rainer Maria Salzgeber «ohne Not» um zwei Jahre verlängerte Vertrag mit Trainer Markus Babbel ebenfalls ein Thema. Stäger meinte, darauf angesprochen: «Ohne Not sagt man so leicht. Wichtig war, dass wir ein Vertrauenssignal aussenden konnten.»

Noch ohne echten Erfolgsausweis

Natürlich ist diese Kontraktverlängerung mit Markus Babbel bei den Anhängern ein kontrovers diskutiertes Thema. Die grosse Mehrheit der Fans versteht nicht, weshalb ein Klub, der in den letzten Jahren jeweils ein Defizit von rund 2 Millionen Franken auswies, so grosszügig gegenüber seinem deutschen Trainer auftritt. Dabei hat Babbel mit dem FC Luzern noch keinen Erfolg wie beispielsweise eine Europacup-Qualifikation gefeiert.

Unsere Zeitung hat aus sicheren Quellen erfahren, dass die Verantwortlichen immerhin eine Klausel in den Vertrag mit Babbel einbauten. Sie können demzufolge den Kontrakt vorzeitig kündigen, ohne dass Babbel bis zum Ende der Vertragsdauer am 30. Juni 2018 auf der Lohnliste bleibt. Das ist im Fall von Babbels Vorgänger Carlos Bernegger weiterhin der Fall: Dessen im Sommer 2014 von Stäger und dem damaligen Sportchef Alex Frei um ein Jahr verlängerte Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2016, dabei wurde Bernegger bereits am 6. Oktober 2014 freigestellt.

Detaillierte Angaben zu Babbels Vertrag sind nicht bekannt geworden. Es dürfte bedeuten, dass der FC Luzern im Fall einer Freistellung von Babbel eine Abfindung bezahlen müsste.

FCL-Medienchef Max Fischer wollte eine solche Klausel weder bestätigen noch dementieren. Er antwortete in offizieller Klubmission: «Wir haben mit Markus Babbel einen Vertrag über zwei Jahre abgeschlossen. Über inhaltliche Details geben wir keine Auskunft.»

Schlechtester Start seit 2008

Der schlechteste Start in eine Halbsaison seit dem Auftakt der Spielzeit 2008/09, als der FCL mit den Trainern Ciriaco Sforza, Jean-Daniel Gross und Roberto Morinini aus den ersten zwölf Spielen nur zwei Punkte gewann, könnte für Babbel zur grossen Hypothek werden. In dieser Woche erhält er aller Voraussicht nach weiterhin das Vertrauen des Verwaltungsrats. Doch verliert die Mannschaft auch das nächste Meisterschaftsspiel am Samstag (20.00) in der heimischen Swissporarena gegen Lugano, dann dürfte der Geduldsfaden bei den Geldgebern reissen. Umsomehr sich der FCL in diesem Fall mitten im Abstiegskampf befinden würde.

Für die Position von Stäger würde es ebenfalls eng. Die zwei wichtigsten Personalentscheide mit den Trainern Bernegger und Babbel hätten dann grosse finanzielle Ausgaben ohne Leistung gebracht. Daran würde auch die erwähnte Klausel nicht besonders viel ändern.

Nach der 2:5-Niederlage gegen YB meinte Stäger zu Radio Pilatus: «Man hat heute gesehen, wie Markus Babbel mit den jungen Spielern arbeitet. Die Jungen sind es gewesen, die hervorragende Leistungen gezeigt haben. Das macht mir Mut.»

Diese Worte tönen stark danach, das eigene Handeln gut verkaufen zu wollen. So viele FCL-Nachwuchsleute, nämlich zwei (Haas und Kryeziu), standen in Bern nicht auf dem Platz, und erst recht nicht erfolgreich.

Hinweis

Mehr Super-League-Fussball auf Seite 32.