FUSSBALL: Vom Ballbub zum unbequemen Gegner

Verteidiger Mario Bühler (23) startete beim FCL seine Karriere. Nach einem Umweg über Wohlen kehrt er am Samstag (17.45) mit Vaduz in die Swissporarena zurück.

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Vaduz-Verteidiger Mario Bühler (in Rot) im September im Zweikampf mit Luzerns Remo Freuler. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Vaduz-Verteidiger Mario Bühler (in Rot) im September im Zweikampf mit Luzerns Remo Freuler. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Daniel Wyrsch

Mario Bühler (23) hat das Dress des FC Luzern vor drei Jahren zum letzten Mal getragen. Morgen kehrt er in die Swissporarena zurück – erstmals als Gegner des FCL. Der Verteidiger spielt seit dieser Saison für den FC Vaduz. «Natürlich ist es etwas Spezielles, in Luzern anzutreten. Ich bin hier aufgewachsen und fühle mich hier zu Hause.» Viele Freunde und die Familie würden ins Stadion kommen. Emotional grenzt er sich aber klar ab: «Ich werde 100 Prozent Einsatz für Vaduz geben.»

Rückkehr zum FCL bleibt das Ziel

Bühler verschiebt alles andere auf die Zeit nach dem Match. Dann kann er sich mit seinen ehemaligen Teamkollegen und Funktionären des FCL austauschen. Als Junior hatte er einst von Emmenbrücke zum wichtigsten Verein der Region gewechselt. In Luzern arbeitete er sich vom Ballbub für die damaligen Stars zum Profi hoch. Für Bühler ist der FCL nach wie vor eine Herzensangelegenheit, ehrlich gibt er zu: «Wenn ich meine persönlichen Ambitionen wie jetzt beim FC Vaduz erfüllen kann, ist eine Rückkehr irgendwann mein Ziel. Aber nur mit der Perspektive, auch tatsächlich spielen zu können – und nicht wieder auf der Bank zu sitzen.»

Der gross gewachsene Model-Typ

Wenn er morgen aufläuft, wird er vor allem mit seiner Grösse von 1,94 Meter auffallen. Es gibt Leute, die sagen, er sei von seinem Aussehen her ein richtiger Model-Typ. Bühler stellt klar: «Ich laufe nach dem Spiel oder Training nie in Trainerhosen herum, sondern ziehe mich gerne gut an. Mode interessiert mich. Eitel bin ich aber nicht.»

Zurück zu seiner Fussballkarriere: Vom Reservistendasein in Luzern hatte Bühler im Sommer 2013 genug. «Ich löste den Vertrag auf und wechselte nach Wohlen in die Challenge League. Dort wollte ich mehr Spielpraxis bekommen.» Sein Wunsch ging zwar in Erfüllung, doch die Resultate des Teams waren enttäuschend. Die Freiämter stiegen fast ab. Der gelernte Detailhandelsangestellte erinnert sich an diese schwierige Zeit: «Meine Freundin und die Familie haben mich immer unterstützt. Dieser moralische Support war enorm wichtig.»

Ein spektakulärer Treffer

Unter Trainer Ciriaco Sforza ging es mit Wohlen und speziell mit Bühler aufwärts. Der Innenverteidiger erzielte in der letzten Saison sogar vier Tore in der Meisterschaft. Plötzlich war sein Selbstvertrauen derart gewachsen, dass er sich getraute, Tore zu schiessen. Der spektakulärste Treffer gelang ihm im Cup gegen Servette mit einem Schuss hinter der Mittellinie. In der Winterpause führte der kleine Klub aus dem Aargau völlig überraschend die Tabelle an. Am Ende reichte es zu Platz 3.

Bühlers Plan ist aufgegangen. Letzten Sommer kam sein persönlicher Wiederaufstieg: Vaduz-Trainer Giorgio Contini holte ihn nach Liechtenstein. Die beiden kannten sich aus gemeinsamen FCL-Zeiten, als Contini den damaligen Coach Murat Yakin assistierte. «Giorgio weiss, was er an mir hat, und ich weiss, was er verlangt», sagt Bühler. Versprochen hat ihm der Trainer jedoch nichts. «Für mich war von Anfang klar gewesen, dass ich mich gegen eine starke Konkurrenz von drei, vier Innenverteidigern durchsetzen muss. Unter anderem auch gegen Florian Stahel, mit dem ich schon in Luzern zusammenspielte.»

«Meine Freundin pflegt mich fit»

Ans Durchbeissen ist sich der Zentralschweizer gewohnt. Dies dürfte für ihn ein Vorteil gewesen sein, als er in den ersten Spielen wieder auf die Ersatzbank musste. Seit vier Partien hat Bühler jetzt aber durchgespielt. Ausser im letzten Match zu Hause gegen YB (1:1), da musste er sich wegen einer Verletzung im Nacken-/Rückenbereich zur Pause auswechseln lassen. Gegen Luzern sollte er aber wieder zum Einsatz kommen. Bevor Bühler am Donnerstag nach dem Gespräch mit unserer Zeitung nach Emmenbrücke fährt, wo er mit seiner Partnerin Fabienne Buob (25) weiterhin wohnt, sagt er schmunzelnd: «Meine Freundin pflegt mich fit.»

Bühler pendelt nämlich zwischen seiner Heimat und Vaduz. Er hat noch eine Zweitwohnung am Rande des Kantons St. Gallen, sie liegt nur fünf Minuten von Vaduz entfernt. «So muss ich nicht immer weite Strecken mit dem Auto fahren, und kann mich erholen. Zudem ist es schön, dass ich meine Teamkollegen treffen kann. Der Zusammenhalt ist in Vaduz besonders gross.»

Das bedeutet auch, dass der FCL von diesem stets unbequemen, kompakt aufgestellten Gegner keine Geschenke erwarten darf.

Bühler-Debüt unter Trainer Fringer

FCL-Nachwuchsspieler dw. Den Einstand in der Super League gab Mario Bühler am 3. April 2011 beim FC Luzern unter dem heutigen Sportchef und damaligen Trainer Rolf Fringer. Gegen St. Gallen resultierte im Ausweichstadion Gersag in Emmenbrücke ein 1:1. Zwei Wochen später spielte Bühler in Neuenburg gegen Xamax erneut in der zentralen Abwehr. Die Luzerner verloren 1:2, wobei der damals 19-jährige Innenverteidiger in der 75. Minute vom Schiedsrichter mit gelb-roter Karte des Feldes verwiesen wurde. Für Bühler ein Rückschlag. Und Fringer musste kurze Zeit später den FCL verlassen. Für Bühler bleibt er einer der wichtigsten Trainer seiner Karriere. «Fringer schenkte mir das Vertrauen, ermöglichte mir das Debüt in der obersten Liga.»

Noch öfter spielte Bühler beim FCL unter Murat Yakin; immerhin sechs Liga- und zwei Cupspiele stehen zu Buche. Nur einmal stand Bühler unter Ryszard Komornicki für Luzern auf dem Platz, nie in der Zeit von Carlos Bernegger. Im Sommer 2013 folgte der Wechsel nach Wohlen. In der zweiten Saison beim Challenge-League-Klub blühte Bühler auf. Bühler lobt den damaligen Trainer Ciriaco Sforza: «Persönlich verstand ich mich mit ihm sehr gut. Ciri hat mir extrem geholfen.»

Babbel hat fast alle zur Verfügung

Beim FCL sieht es vor dem Heimspiel gegen Vaduz mit Mario Bühler (Vertrag im «Ländle» bis 2017) personell gut aus: Gestern im 15-Uhr-Training waren alle Spieler fit. Trainer Markus Babbel kann fast aus dem Vollen schöpfen – nur die immer noch verletzten Sally Sarr und Nico Brandenburger sowie der gesperrte Dario Lezcano stehen nicht zur Verfügung.