FUSSBALL: Von der einen Ferienregion in die andere

Kaja Rogulj (28) kommt von Austria Wien zum FC Luzern. Er verzichtet sogar auf Geld, um beim FCL spielen zu können.

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Fühlt sich wohl in Luzern: Kaja Rogulj beim Suva-Gebäude auf dem Rösslimatt-Areal. (Bild Philipp Schmidli)

Fühlt sich wohl in Luzern: Kaja Rogulj beim Suva-Gebäude auf dem Rösslimatt-Areal. (Bild Philipp Schmidli)

Das Wetter spielt verrückt. Dauerregen. Starkregen. Nieselregen – in den letzten Tagen hat die Schweiz so ziemlich jede Form des flüssigen Niederschlags erlebt. Für einen Südländer wie Kaja Rogulj muss das eine Zumutung sein. Der Kroate ist sich aus seiner Heimat ganz anderes Wetter gewöhnt. Im Sommer fällt in seiner Heimatstadt Split rund fünfmal weniger Niederschlag als in Luzern. Der 28-Jährige ist froh, dass sich der Fotograf einen trockenen Platz ausgesucht hat. «Für uns Fussballer ist dieses Wetter aber viel besser als Sonnenschein und 30 Grad. Ich trainiere lieber bei diesen Bedingungen», sagt Rogulj.

Die Krux mit dem Nachnamen

Der 1,89 Meter grosse Hüne hat beim FC Luzern einen Dreijahresvertrag unterschrieben und soll mit François Affolter die neue Innenverteidigung bilden. Seinen Namen muss man sich also merken. Doch wie spricht man ihn eigentlich aus? «Rogulj»? Oder «Rogul»? «Eigentlich ist beides falsch», sagt der Kroate und erklärt, dass wir Schweizer auch den Namen seines Vorgängers Tomislav Puljic nicht ganz korrekt aussprechen. Folge im Kroatischen ein «j» auf ein «l» betone man das speziell. Da das für Deutschsprachige aber sehr schwierig ist, gibt sich Rogulj mit «Rogul» zufrieden. Das «j» am Schluss darf man also getrost weglassen.

Rogulj ist an der Adriaküste, in der wunderschönen Stadt Split aufgewachsen und hat dort früh den Sprung in die Nachwuchsakademie von Hajduk Split geschafft. «Hajduk», erzählt er, «ist in Split eine Religion. Jedes Kind träumt davon, für diesen Verein zu spielen, jeder Einwohner unterstützt die Mannschaft. Das kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man nicht selbst in der Stadt gelebt hat.» In die erste Mannschaft hat er es aber nicht geschafft.

Split ist eine beliebte Feriendestination mit einer malerischen Altstadt. Der neue FCL-Spieler ist sich bewusst, dass es ein Privileg war, in dieser Umgebung gross zu werden. «Nach meiner Karriere als Fussballer werde ich sicher wieder dorthin zurückkehren», sagt er. Wenn seine Teamkollegen im Sommer nach Ibiza oder in die Malediven fliegen, fährt Rogulj einfach nach Hause in die Stadt, in der seine Eltern heute noch leben.

Lebensqualität sprach für Luzern

Der Kroate ist also von der einen Ferienregion in die andere gezogen, als er im Juni mit dem Auto in zwölf Stunden von der Adriaküste in die Innerschweiz gefahren ist. Im Internet hat er vor der Vertragsunterschrift Bilder der Region angeschaut. «Da wusste ich, dass wir hierher kommen werden.» Wir, das sind Fussballer Kaja, seine Frau Maja und der dreijährige Sohn Luka. Rund 20 Tage musste Familie Rogulj im Hotel leben, bis sie eine Wohnung gefunden hat. Zuerst im «Waldegg» in Horw, dann im «Ibis» in Kriens. Der 28-Jährige ist erleichtert, nun in der Nähe eine Wohnung gefunden zu haben. Im Hotel sei es einfach zu eng gewesen.

Die Lebensqualität, sie ist ein wichtiger Grund, warum Rogulj nun für den FC Luzern und nicht für einen Verein in Osteuropa auf dem Platz steht. Nach drei Jahren bei Austria Wien wollte er die österreichische Hauptstadt verlassen. Sie sei ihm zu gross gewesen, Rogulj bevorzugt kleinere Städte wie Luzern. «Ich hatte mehrere Angebote von Klubs, bei denen ich mehr Geld verdient hätte als in Luzern. Aber das Wohl der Familie ist mir wichtiger. Hier gefällt es uns allen. Das Gesamtpaket stimmt», erklärt der Kroate seinen Wechsel zum FCL. Ein Transfer zu einem Verein aus der italienischen Serie A hatte sich zuvor zerschlagen.

Und da war noch Alex Frei. «Natürlich war er mir ein Begriff. Dass ein so guter Fussballer wie er auf mich aufmerksam wurde und meinen Spielstil mag, ist eine grosse Ehre für mich», sagt Rogulj über den FCL-Sportchef, dessen erfolgreiche Karriere auch in seiner neuen Funktion wertvoll ist.

Lieber Englisch als Deutsch

Mit Austria Wien wurde Rogulj vor einem Jahr Meister und qualifizierte sich für die Champions League. Rogulj durfte in Spielen gegen Zenit St. Petersburg, Porto und Atletico Madrid gegen Stars wie Hulk oder Diego Costa spielen. «Den Moment, als ich zum ersten Mal auf dem Feld stand und die Hymne der Champions League gespielt wurde, werde ich nie vergessen», sagt Rogulj.

Sein Alltag heisst jetzt aber Super League. Obwohl er drei Jahre in Wien gelebt hat, spricht Rogulj lieber Englisch. Beim FCL wird er nun aber einen Deutschkurs besuchen. Er finde sich in der Schweiz aber schon gut zurecht, sagt er. Nur das aktuelle Wetter sei etwas gewöhnungsbedürftig. Besserung ist zum Glück in Sicht.

Hinweis

Alle Porträts der neuen FCL-Spieler können im Internet unter www.luzernerzeitung.ch/serien nachgelesen werden. Bisher erschienen sind die Porträts von Marco Schneuwly, Jakob Jantscher, Claudio Holenstein und Ridge Mobulu.