FUSSBALL: Vorrunden-Rückblick: FC Luzern auf dem Weg zur stabileren Defensive

Der FC Luzern hat in der Vorrunde vor allem zu Hause unterhaltende Spiele gezeigt. Lange benötigte die Mannschaft von Trainer Markus Babbel, um in der Abwehr kompakter zu stehen.

Daniel Wyrsch
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Sicherer Wert: Luzerns Hekuran Kryeziu (rechts). Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 20. November 2016)

Sicherer Wert: Luzerns Hekuran Kryeziu (rechts). Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 20. November 2016)

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Fussball ist Sport und Entertainment – und der FC Luzern hat sein Publikum zu Hause in der Swissporarena fast in allen Vorrundenspielen unterhalten. Angefangen mit dem 4:3-Sieg über GC. Nicht weniger spektakulär war das Duell gegen Serienmeister Basel, welches der FCL nach einer 2:1-Pausenführung 2:3 verlor. Packende Auseinandersetzungen boten die Innerschweizer gegen Sion (2:2) und YB (2:2). Eindrücklich dominierten sie die St. Galler; zum 3:0-Sieg gab es als Supplement fünf Lattentreffer.

Das 2:1-Siegtor von Tomislav Puljic gegen Lugano in der 95. Minute brachte die FCL-Arena zum Beben, minutenlang jubelten die Zuschauer mit dem Schützen und dem Team. Dieser Treffer in letzter Sekunde war aus Luzerner Sicht wohl der emotionalste Moment dieser Hinrunde.

Kryeziu als Abräumer vor Puljic/Costa

Einen Tiefpunkt dieses Herbstes erlebte die Mannschaft von Trainer Markus Babbel aber ebenfalls zu Hause. Am 24. September setzte es eine unerwartete 1:3-Niederlage gegen Aufsteiger Lausanne ab. Der FCL wurde von den schnellen Waadtländern ein ums andere Mal ausgekontert. Weil man anschliessend auswärts bei GC (2:3-Niederlage) trotz spielerischer Überlegenheit zu viele individuelle Fehler produzierte und in Basel (0:3) wie fast immer nichts zu holen war, musste das Team plötzlich eine Negativserie von sechs Spielen mit nur einem Punkt wegstecken. Der FCL war damit nach einem starken Saisonstart (fünf Spiele, zwölf Zähler) von Platz 2 auf 7 abgestürzt. Von diesem kritischen Zeitpunkt an setzte Babbel auf Hekuran Kryeziu im defensiven Mittelfeld. Der 23-jährige Schwyzer sorgte endlich für mehr Stabilität in der Defensive. Bescheiden meinte der für die Kosovo-Nationalmannschaft spielende Doppelbürger: «Es wurde oft gesagt, dass uns ein Sechser fehlt. Ich versuche diese Lücke zu füllen.» Mit Erfolg. In dieser besten Phase holte der FCL aus sechs Spielen 16 Punkte. Vor allem die Innenverteidiger Tomislav Puljic (33) und Ricardo Costa (35) profitierten von den Abräumerqualitäten, die der ebenso spielstarke Kryeziu an den Tag gelegt hatte.

Zwei Aufsehen erregende Auswärtspleiten gehören zum Rückblick: Zuerst das 0:3 bei grosser Hitze Ende August in St. Gallen, dann das 1:3 bei Minustemperaturen auf eisigem und rutschigem Terrain am letzten Sonntag in Sion. In beiden Spielen grenzte die mangelnde Einsatzbereitschaft einiger FCL-Profis an Arbeitsverweigerung.

Konstant gute Ausbeute in den letzten vier Halbsaisons

Diese zwei Gastauftritte waren die negativen Ausreisser. Sonst arbeiteten Babbel und sein Staff effizient an der Verbesserung der Mentalität und der Physis. Mehrere wichtige Tore in der Schlussphase zeugen davon.

Sehr erfreulich ist ausserdem die Bilanz unter Babbel in den letzten zwei Jahren: 34, 26, 28 und jetzt 29 Punkte sammelte das Team in den vier letzten Halbsaisons (je 18 Spiele). Zum Vergleich: Im letzten schwachen Halbjahr, der Vorrunde 2014/15, waren es nur 13 Zähler gewesen.

Spielt der FCL auf dem mit Babbel erreichten Niveau weiter, wird das Team in der Rückrunde zumindest Platz 4 verteidigen.

Am 2. Januar gehts bereits wieder los

Seit Montag erholen sich die Luzern-Profis von den mit Meisterschaft, Cup und Europa-League-Qualifikation total 23 Pflichtspielen dieser Vorrunde. Nach drei Wochen Ferien beginnt die Vorbereitung auf die Rückrunde am Montag, 2. Januar, um 10 Uhr mit dem ersten Training auf der Allmend.

Das erste Testspiel findet am Donnerstag, 12. Januar, um 14.30 Uhr auswärts beim Challenge-League-Klub Wil statt.

Einen Tag später reist der FCL ins Trainingslager nach Estepona (13. bis 21. Januar). Bereits zum fünften Mal hintereinander logiert der Super-League-Verein aus der Zentralschweiz im Winter in der südspanischen Küstenregion von Marbella.

Personalentscheide stehen nächstens bevor

Bis zum Ende des Transferfensters am 31. Januar sind Entscheide mit wichtigen Spielern zu besprechen und dann zu fällen: Unter anderem laufen Ende Saison die Verträge von Markus Neumayr, Tomislav Puljic, Jahmir Hyka und Jérôme Thiesson aus. Bekanntlich hat Neumayr eine Offerte von Sion. Puljic hat eine Option, dass sich der Vertrag nach 20 Ligaspielen (bisher 12) automatisch um ein Jahr verlängert. Neue Spieler holt der FCL wohl nur, wenn er aktuelle verkaufen kann. (dw)