FUSSBALL: Vrabec: «Ich bin ein Ideengeber»

Roland Vrabec (40) ist Luzerns neuer Co-Trainer. Den Deutsch-Kroaten reizt die Aufgabe, Luzern zum Klassenerhalt zu führen. Erfahrung mit Unruhe bei Traditionsklubs hat Vrabec bei St. Pauli gemacht.

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«Bin ich der Einzige, der hier redet?», fragt FCL-Assistent Roland Vrabec (rechts) die Spieler auf dem Trainingsplatz in Marbella.

«Bin ich der Einzige, der hier redet?», fragt FCL-Assistent Roland Vrabec (rechts) die Spieler auf dem Trainingsplatz in Marbella.

Daniel Wyrsch, Marbella

Roland Vrabec ist ein Antreiber im Training des FC Luzern. Immer wieder macht er die Profis lautstark darauf aufmerksam, dass sie die Pässe präziser spielen müssen. Oder er fragt: «Bin ich der Einzige, der hier redet? Sprecht miteinander auf dem Platz!» Wie Markus Babbel (42) nach der ersten gemeinsamen Einheit vor knapp 14 Tagen festgestellt hat, bringt der 40-jährige Deutsch-Kroate andere Eigenschaften mit als er, der Cheftrainer. Vrabec ist impulsiver und extrovertierter als der meist zurückhaltende Babbel. «Wir ergänzen uns gut», sagt der Bayer, der den FCL seit dem 13. Oktober 2014 führt.

Keiner zum Hütchenaufstellen

Sie kennen sich seit bald fünf Jahren, zusammen machten sie den Bundesliga-Trainerschein und lernten sich fachlich und persönlich schätzen. «Ich habe eine ähnliche Sichtweise vom Fussball wie Markus», sagt Vrabec. Überzeugt ist er, dass er bei Babbel beteiligt ist in der Führung der Mannschaft. «Ich bin nicht nur hier, um Hütchen aufzustellen.»

Seinen Job versteht der Assistenztrainer «in erster Linie als Ideengeber. Ich will neue Inputs geben, weil Markus schon einige Monate länger da ist.» Seinen Vertrauten aus der Heimat kann Babbel gut gebrauchen. Vrabec ersetzte Remo Gaugler (46), der wieder als Chefscout arbeitet. Vrabec hat eine andere hierarchische Position im Team inne als Gaugler. Über seine zupackende Art auf dem Trainingsplatz sagt der gebürtige Frankfurter: «Das ist mein Naturell, ich kann nicht anders als eingreifen, damit jeder Spieler hundertprozentig funktioniert.»

St. Paulis Parallelen mit Luzern

Babbels Anruf aus der Schweiz sei zur rechten Zeit gekommen. «Vier Monate ohne Fussball, da hat es in mir gekribbelt.» Anfang September war er beim FC St. Pauli nach zehn Monaten als Cheftrainer wegen mangelnden Erfolgs freigestellt worden. Der vorherige Assistenztrainer von Michael Frontzeck spricht von einer «sehr hilfreichen Erfahrung», die er beim Traditionsverein aus Hamburg machte. St. Pauli bedeutet für dessen Ex-Trainer: «Sehr grosses Medieninteresse für die 2. Bundesliga, riesige Fangemeinde, welche die Mannschaft mit letzter Konsequenz unterstützt.» Anderseits sei es äusserst schwierig, bei einem sogenannten Kultklub zu arbeiten. Die hohen Erwartungen und die ständigen Wechsel der Sportchefs und der Trainer in den letzten Jahren hätten dem Verein nicht gutgetan.

Manch einer wird jetzt denken, da ist Vrabec für einen ständigen Unruheherd, wie der FCL einer ist, gewappnet. Er lächelt über die Feststellung und meint: «Wer sich leicht aus der Bahn werfen lässt, ist falsch im Profifussball.»

Obwohl Vrabec Angebote gehabt hätte, in Deutschlands 3. Liga als Cheftrainer zu arbeiten, entschied er sich für die Super League. «Es reizt mich sehr, Luzern zusammen mit Markus Babbel vom letzten Platz wegzuführen.»

Der verheiratete Vater von zwei Kindern (2 und 4 Jahre), dessen Familie sicher noch bis zum Sommer in Hamburg bleibt, ist überzeugt: «Meine Erfahrungen helfen mir hier.» Neben dem fussballerischen Bereich, wo er vor allem Defizite in der Effektivität erkannt hat, sei vor allem die Mentalität zu verbessern. Damit meint Vrabec nicht Fleiss und Engagement, sondern vielmehr den Siegeswillen und die Kritikfähigkeit.

Von Klopp und Tuchel geprägt

Vrabec haben zwei Trainer geprägt, die in Deutschland hohes Ansehen geniessen. Zum einen Dortmund-Coach Jürgen Klopp (47), dessen Sohn Marc (26) er beim FSV Frankfurt in der U 17 trainierte hatte. Dank «Kloppo» wechselte Vrabec zu Mainz, wo er via U 17 und U 23 zu Thomas Tuchels (41) Assistenten beim Bundesligisten aufstieg.

Besonders der in dieser Saison eine freiwillige Auszeit nehmende Tuchel ist für Vrabec «jemand, an dem ich mich besonders orientiere, weil er für eine jüngere Generation Trainer steht, die sich alles selber erarbeiten musste».

Tuchel wie Vrabec hatten den Durchbruch als Spieler bei den Profis nie geschafft. Dafür sind sie hervorragend ausgebildet. Tuchel ist neben Trainer auch Diplom-Betriebswirt, Vrabec studierter Sportwissenschaftler mit den Schwerpunkten Sportmedizin und Trainingslehre/Trainingswissenschaft.

Luzern hatte wohl noch nie einen so gut ausgebildeten Trainer wie Vrabec.