FUSSBALL: Walter Stierli tritt aus FCL-Holding aus

Nächster Schlag für den FC Luzern: Ehrenpräsident Walter Stierli zieht sich per Ende Jahr ganz zurück. Der erfolgreiche frühere Klubchef sagt, er sei müde geworden.

Daniel Wyrsch
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Walter Stierli ist frustriert ob der sportlichen und finanziellen Situation beim FC Luzern. (Bild Philipp Schmidli)

Walter Stierli ist frustriert ob der sportlichen und finanziellen Situation beim FC Luzern. (Bild Philipp Schmidli)

Walter Stierli (66) hat schon vor geraumer Zeit gesagt, dass ihm die Energie fehle, noch einmal Veränderungen beim FC Luzern durchzusetzen. Deshalb hat sich der Mann, der den Verein zwischen 2005 und 2012 führte, bereits vor Wochen entschieden, sein Verwaltungsratsamt am 31. Dezember abzugeben. Die anderen Investoren sind über diesen Schritt des FCL-Ehrenpräsidenten längst informiert worden.

Unsere Zeitung erreichte Stierli gestern telefonisch in seinen Ferien in Süditalien. Nachdem er sich schon seit langem bewusst nicht mehr zum FCL geäussert hatte, bestätigte er: «Stimmt, ich trete Ende Jahr aus dem Verwaltungsrat der Holding aus.» Der Präsident des Wiederaufstiegs von 2006, der mit Bernhard Alpstaeg FCL-Hauptverantwortlicher für den Bau der Swisspor­arena war, ist gemäss eigenen Worten «frustriert über die aktuelle sportliche und finanzielle Situation». Gerade nachdem der FCL Trainer Carlos Bernegger und dessen Assistenten Thomas Wyss mit 21 Monate lang weiterlaufenden Verträgen freigestellt hat. Stierli macht der Zustand des Vereins zudem zu schaffen, wenn er die immer tiefer fallenden Zuschauerzahlen sieht. Der Schnitt pro Match ist inzwischen von über 14 000 im Eröffnungsjahr des Stadions unter die 10 000er-Grenze gefallen.

Sieber muss neues Kapital finden

Die veränderte Klubphilosophie, seit Stierli das Präsidium der Holding vor knapp zwei Jahren an Marco Sieber (56) übergeben hat, wolle er nicht mehr mittragen. «Diese Politik des radikalen Umbruchs der Mannschaft ist nie meine Sache gewesen. Mein Rat und meine Erfahrung sind nicht mehr gefragt gewesen», erklärte Stierli und: «Meine Mitstreiter und ich hatten die Finanzen im Griff. Die Ausgaben wurden durch die Einnahmen bestimmt. Das Fussballgeschäft führten wir wie Unternehmer.»

Die Gesamtverantwortung für die jetzige Situation müsse seiner Meinung nach Sieber übernehmen. «Er ist der Holding-Präsident, der seine Klubpolitik durchgesetzt hat. Ich habe bewusst nicht mehr dreingeredet und den Jüngeren die Führung überlassen.» Jetzt sei es aber auch an Sieber, neues Kapital zu finden. Und Stierli sagte etwas, das nichts Gutes für die Zukunft bedeuten könnte: «Ich bin nicht sicher, ob die Investoren auch in den nächsten Jahren bereit sind, laufend Defizite zu tragen.»

Für zahlreiche Fussballinteressierte ist Stierli in den letzten Wochen, als sich die sportliche Krise zuspitzte, wieder zu einem Hoffnungsträger für den darbenden Verein geworden. Er selber stellte klar: «Es ist für mich kein Thema, den FCL noch einmal zu übernehmen und zu führen. Ein solches Amt braucht eine enorme Energie, ich hatte den Klub einst in einer schwierigen Lage übernommen. Sieben, acht Jahre als Präsident waren eine lange Zeit.» Der einst starke Mann, wie man ihn nun vermisst, wies ausserdem darauf hin, dass die Verantwortung ein Vielfaches grösser geworden ist: «Als ich mit meiner Crew den FCL in der Challenge League übernommen hatte, lag das Budget bei 4,5 Millionen Franken, heute haben wir mit rund 25 Millionen eine ganz andere Dimension.»

Ein grosses Ziel hat Stierli mit Gleichgesinnten erreicht: die Umsetzung der Akademie, die im Oktober eröffnet wird. «Das ist für mich eine Erfüllung zu Gunsten der Jugend gewesen.»

Wer erhält Stierlis Aktienpaket?

«Der FCL bleibt der Klub meines Herzens», sagte Stierli. In diesem Sinn hoffe er fest, «dass Marco Sieber und der geschäftsführende Präsident Ruedi Stäger den Verein wieder aus dem Tief heraus nach oben führen».

Was macht Stierli mit dem 25-Prozent-Aktienanteil an der Holding? «Das muss ich in Ruhe mit Bernhard Alpstaeg besprechen.» Der Ehrenpräsident und Hauptgeldgeber Alpstaeg sind mit 51 Prozent noch FCL-Mehrheitsaktionäre.