FUSSBALL: Was passiert mit Walter Stierlis Aktien?

Walter Stierli (67) hat mit seinem Rücktritt Ernst gemacht. Der Ehrenpräsident überlässt seine Anteile an der FCL-Holding den Investoren. Die sind sich noch nicht einig, wer die Anteile übernimmt.

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Walter Stierli hat seine Anteile an der FCL Holding AG treuhänderisch deponiert. (Bild: EQ/Maria Schmid)

Walter Stierli hat seine Anteile an der FCL Holding AG treuhänderisch deponiert. (Bild: EQ/Maria Schmid)

Daniel Wyrsch

Eigentlich bleibt alles wie gehabt. Trotzdem: In den letzten Wochen und Monaten war ziemlich unklar, welche Rolle der frühere Präsident Walter ­Stierli (67) beim FC Luzern spielt. Es machte den Anschein, als ob der Ehrenpräsident immer noch der starke Mann im Hintergrund wäre. Schliesslich war es im Spätherbst Stierli, der seine weiterhin grosse Macht im Klub gegen den damaligen Sportchef Alex Frei (35) einsetzte. Der Ex-Profi Frei war mit der überwiegend von ihm selber zusammengestellten Mannschaft und mit seinem zweiten Trainer, Markus Babbel, nicht vom Tabellenende weggekommen.

Frei gab am 6. Dezember 2014 nach der 0:3-Heimniederlage gegen Basel entnervt auf. Der FCL sprach offiziell von einer Trennung im gegenseitigen Einvernehmen, aber offensichtlich war: Der Baselbieter Frei hatte gegen das Luzerner Urgestein Stierli keine Chance.

Ein Teil des FCL-Publikums war mit dem erzwungenen Ende von Freis Tätigkeit nicht einverstanden. Allen voran der harte Kern der Fans, ungefähr 100 bis 200 Ultras. Sie skandierten zum Match­ende gegen Basel «Stierli raus!»-Rufe.

Er gibt auch Verlustbeteiligung ab

Wir fragten Stierli gestern, ob ihn dieser Fanprotest dazu gebracht habe, definitiv in der Führung des FCL aufzuhören. Stierli antwortete: «Nein, es hat immer Leute gegeben, die mit meinen Entscheiden oder meinem Führungsstil nicht einverstanden waren. Das gehört im hochemotionalen Fussball dazu. Davon habe ich mich nie abhalten lassen, mein Ding durchzuziehen.» So ist es auch jetzt. Stierli: «Die Zeit ist gekommen, um jüngeren Kräften Platz zu machen. Es ist ein Abschied in gutem Einvernehmen.» Nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratspräsident der FCL-Holding AG vor zwei Jahren sei er nur auf Wunsch der anderen Mitglieder im Gremium geblieben.

Was er am 8. Oktober 2014 exklusiv in unserer Zeitung ankündigte, ist nun eingetroffen: Stierli hat sich per Ende letzten Jahres aus der Holding zurückgezogen. Er hat im Jahr 2015 an keiner Verwaltungsratssitzung teilgenommen. Wie der «Blick» erfuhr, hat er sein Aktienpaket deponiert. Genauer: Sein Anteil von 25 Prozent an der FCL-Holding ist treuhänderisch deponiert. Damit müsste sich Stierli finanziell nicht mehr beteiligen, falls der FCL wie in den ­Geschäftsjahren 2013 und 2014 ein 2-Millionen-Franken-Defizit schreiben würde.

Was mit Stierlis 25-Prozent-Anteil am FCL passiert, ist so offen wie bei ­Stierlis Rücktrittsbekanntgabe vor sechs Monaten. Klar ist, dass Stierli nun keinen spürbaren Einfluss mehr hat. Einzig über Hauptaktionär Bernhard Alpstaeg (69) könnte er weiterhin etwas Einfluss nehmen. Ob der schwerreiche Swiss­por-Patron Stierlis 25-Prozent-Aktienanteil übernimmt, steht weiterhin in den Sternen. Alpstaeg hätte mit neu 51 Prozent die Aktienmehrheit. Er war für unsere Zeitung gestern nicht erreichbar.

Sieber ist auf Investorensuche

Allerdings hat Alpstaeg bisher nie den Eindruck erweckt, als ob er die Aktienmehrheit am FCL anstreben würde. Für seine international tätige Firma ist der bald 70-Jährige weiterhin viel auf Reisen, der FCL ist für ihn nur eine Neben­beschäftigung. Zudem sind die Namensrechte an der Swissporarena, die ihm bis ins Jahr 2021 gehören, gemäss seiner eigenen Aussage ein erfolgreicher Marketingdeal.

Der FCL hat gestern eine Medienmitteilung zum frei gewordenen Aktienpaket veröffentlicht. Darin heisst es: «Über die weitere Entwicklung wird zu gegebener Zeit informiert. Im Moment hat das sportliche Ziel Ligaerhalt für alle erste Priorität.» Bekanntlich ist Holding-Präsident Marco Sieber (57) längst auf der Suche nach neuen Investoren.

FCL Holding AG: So sind die Anteile verteilt. (Bild: Grafik: Loris Succo)

FCL Holding AG: So sind die Anteile verteilt. (Bild: Grafik: Loris Succo)