FUSSBALL: Weit weg vom Bundesliga-Zauber

Bei GC gegen FCL (Samstag, 20.00) kommts zur Renaissance: Michael Skibbe und Markus Babbel lassen frühere deutsche Trainerduelle in der Schweiz neu aufleben.

Daniel Wyrsch
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Markus Babbel (links) und Michael Skibbe zeigen auch mal Temperament. (Bild: Philipp Schmidli / Keystone)

Markus Babbel (links) und Michael Skibbe zeigen auch mal Temperament. (Bild: Philipp Schmidli / Keystone)

Lange ist es her: 1989 schnappte Friedel Rausch (74) mit dem FC Luzern den damals renommierten Grasshoppers mit Ottmar Hitzfeld (65) überraschend den Titel weg (siehe auch Box rechts). Morgen Abend bei GC gegen den FCL stehen zwar wieder zwei deutsche Trainer an der Seitenlinie, aber statt um den Meisterpokal geht es für die beiden Traditionsklubs um den Kampf gegen den Abstieg. Wenn in der Kühlschrank-Atmosphäre des weiten Runds im Letzigrund sich einige wenige tausend Zuschauer den Match anschauen, wird die Coaches Michael Skibbe (49, GC) und Markus Babbel (42, Luzern) fast nichts an den Bundesliga-Zauber in der Heimat erinnern. Weit weg sind dann die vollen Stadien und das mediale Scheinwerferlicht des Weltmeister-Landes im Norden der Schweiz.

Dennoch freuen sich die beiden Teamverantwortlichen auf das Wiedersehen, sie kennen sich. Skibbe: «Ich schätze Markus Babbel sehr, persönlich wie sportlich. Er hatte eine tolle Spielerkarriere im In- und Ausland sowie im Nationalteam mit dem Europameister-Titel 1996. Ebenso hat er sich als Trainer des VfB Stuttgart und bei Hertha Berlin erste Meriten erworben.»

Babbel erklärt Skibbe Hertha-Chaos

Stichwort Berlin: Skibbe wurde Ende Dezember 2011 Babbels Nachfolger in der deutschen Hauptstadt, wo der heutige Luzern-Trainer im Streit mit dem immer noch aktiven Sportdirektor Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer wegen seines geplanten Abgangs per Ende Saison als Lügner bezeichnet worden war. Unsere Zeitung fragte Skibbe, ob er es verstehen könne, dass Babbel damals in solch massive Schwierigkeiten beim Chaos-Verein Hertha BSC geriet. Der rhetorisch starke GC-Trainer antwortet mit gewohnt klaren Worten: «Da ich nur sechs Wochen bei der Hertha war, ist mein Erfahrungsschatz dort viel geringer.» Der frühere deutsche Nationaltrainer (an der Seite von Bundestrainer Rudi Völler 2002 WM-Finalist gegen Brasilien), Ex-Chefcoach von Dortmund, Leverkusen, Galatasaray Istanbul und Eintracht Frankfurt hatte im Berliner Olympiastadion nach fünf Niederlagen in fünf Pflichtspielen die schnellste Trainerentlassung der Bundesligageschichte hinnehmen müssen. So erstaunt es nicht, was Skibbe nun über Hertha und ein Gespräch mit Babbel verrät: «Aber vieles, was mir Markus bei einem Telefonat sagte, ist dann auch bei mir so eingetreten ...»

Erstes Spiel nach Salatic-Comeback

Für GC ist das Heimspiel gegen den FCL das erste Spiel nach dem gelungenen Comeback von Vero Salatic beim 3:0-Sieg über St. Gallen. Wie bedeutend ist dem Coach des Rekordmeisters die Partie gegen die letztplatzierten und fünf Punkte zurückliegenden Zentralschweizer? Skibbe: «Es ist sicher ein wichtiges Spiel für beide Teams, und Salatic ist für unsere Mannschaft wertvoll. Aber dennoch erwarte ich ein offenes Spiel zweier guter Teams.»

FCL-Trainer Babbel hat die Rückkehr des vormaligen GC-Captains genau beobachtet: «Es hat viel Wirbel gegeben, Salatic ist zurück. Es ist nicht mehr GC von vor drei Wochen. Wir müssen uns bewusst sein, dass es nicht leicht wird. Wir müssen unsere Leistung abrufen, dann haben wir unsere Möglichkeit.»

Es fällt auf, wie auch Babbel seinen Landsmann auf der gegnerischen Seite schätzt. «Michael Skibbe ist ein sehr angenehmer Mensch mit einer hohen Fachkompetenz.» Für Babbel ist es das vierte Meisterschaftsspiel, er geht mit einer positiven Bilanz (3 Spiele, 5 Punkte) in diesen ersten Match gegen den einen von zwei deutschen Amtskollegen (neben Sion-Trainer Jochen Dries, 67) in der Super League. Luzerns Coach hat klare Vorstellungen: «Es ist schön, Michael wieder zu sehen. Ich freue mich, vor und nach dem Spiel mit ihm zu sprechen. Aber im Match wollen wir alles dafür machen, um GC wehzutun.»

Deutsche Trainer bringen Erfolg

Deutsche Trainer haben im Schweizer Fussball Tradition und oft Erfolg. In den Geschichtsbüchern steht der Name von Albert Sing weit oben. Der spätere FCL-Coach führte YB von 1957 bis 1960 zu vier Meistertiteln in Serie. Ein Rekord in der Schweiz.

Helmut Benthaus feierte mit dem FC Basel gar sieben Meisterschaften (1967, 1969, 1970, 1972, 1973, 1977 und 1980). Timo Konietzka führte den FC Zürich von 1974 bis 1976 zu drei Titeln hintereinander, 1982 wurde er auch mit GC Meister. Nachfolger war Hennes Weisweiler, der seine grosse Karriere in der Schweiz ausklingen lassen wollte. Kurz nach dem Gewinn des Doubles 1983 mit GC verstarb Weisweiler mit 63 Jahren an einem Herzinfarkt.

Friedel Rausch ist seit 1989 Luzerns erster und einziger Meistertrainer. Ottmar Hitzfeld wurde 1990 und 1991 mit GC Meister. Sein späterer Bayern-Spieler Thorsten Fink führte den FCB 2010 und 2011 zum Titel, Heiko Vogel schaffte dies 2012.