FUSSBALL: Weit weg von Freudensprüngen

Abwehrchef Tomislav Puljic hält seine Form trotz Tiefs des Teams. Wie man am Mittwoch im Cup-Halbfinal gegen Lugano ins Tor trifft, hat er den Stürmern in Sion vorgemacht.

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FCL-Verteidiger Tomislav Puljic (in Blau), hier im Zweikampf mit Sions Moussa Konaté, zeigt sich trotz aller Rückschläge zuversichtlich. (Bild: EQ/Pascal Müller)

FCL-Verteidiger Tomislav Puljic (in Blau), hier im Zweikampf mit Sions Moussa Konaté, zeigt sich trotz aller Rückschläge zuversichtlich. (Bild: EQ/Pascal Müller)

Daniel Wyrsch

Tomislav Puljic hat in Sion elf Monate nach seinem letzten Tor (zum 1:0-Sieg beim FC Zürich) wieder getroffen. «Ein Treffer gibt immer Auftrieb. Ich hoffe, es ist nicht das letzte Tor gewesen, und ich schiesse am Mittwoch im Cup-Halbfinal gegen Lugano noch eines», sagt der 32-jährige Kroate.

Natürlich machte Puljic am Sonntagmittag nach der Teamanalyse des 1:3 vom Vorabend im Wallis und dem anschliessenden Auslaufen keine Freudensprünge. «Dass wir verloren haben, ist alles andere als gut. Die vierte Niederlage im vierten Spiel, das tut sehr weh.»

Der Abwehrchef findet, dass die Luzerner nicht vom Glück begünstigt werden. «Wir haben in dieser Rückrunde Pech mit Schiedsrichterentscheiden. In Sion kassierten wir zwei irreguläre Tore, in Basel wurde gegen mich ein sehr fragwürdiger Penalty gepfiffen, und gegen St. Gallen bekam Jahmir Hyka umgekehrt einen Elfmeter nicht zugesprochen.»

Doch für Puljic ist klar, dass den Unparteiischen nicht die Hauptschuld für die Erfolglosigkeit in die Schuhe geschoben werden kann. Gegenwärtig bekommt der FCL zu viele einfache Gegentore, und im Angriff herrscht die Torflaute. Aus vier Spielen im Jahr 2016 resultierten nicht nur null Punkte, sondern auch miserable 2:9 Tore. Die beiden Luzerner Treffer schossen mit Puljic und Sebastian Schachten Verteidiger. Puljic über die Probleme im Angriff: «Wir haben gut von hinten heraus gespielt, viel Ballbesitz gehabt. Uns fehlt einfach der entscheidende letzte Pass. Bislang sind wir nur gegen St. Gallen zu mehreren Chancen gekommen.»

Mit Lezcano und Freuler befreundet

Die Gründe für die Impotenz im Abschluss könnte in den Abgängen von Goalgetter Dario Lezcano (9 Tore) und Mittelfeldstratege Remo Freuler (1 Tor) liegen. Wie schwer wiegen diese Verluste? Puljic: «Beide sind grosse Spieler und für uns wichtig gewesen. Jetzt sind sie nicht mehr da, und wir müssen ohne sie auskommen. Wir haben drei neue Spieler, die sicher gut sind und Potenzial haben. Aber sie brauchen etwas Zeit.»

Für Puljic ist klar, dass Stürmer Michael Frey (21) nach einem einjährigen Verletzungsaus noch eine Anlaufzeit braucht. Aufbauer Christian Schneuwly (28) macht ihm Eindruck, wie dieser in kurzer Zeit schon auf vielen Positionen gespielt hat. «Christian ist polyvalent einsetzbar.» Auch bei Spielmacher Markus Neumayr (29) sieht Puljic, «dass er noch ein bisschen Zeit benötigt». Er hofft: «Es kommt alles gut, integriert sind alle drei im Team.»

Die Situation von Puljic ist speziell, weil er mit Lezcano und Freuler sowie Ex-Sportchef Rolf Fringer und dem vor einer Woche freigestellten Ex-Co-Trainer Roland Vrabec über den Fussball hinaus verbunden ist. Es überrascht, wie der grosse Innenverteidiger deren Abgänge verkraftet hat. «Ich versuche, es leicht zu nehmen, doch es berührt mich im Herzen, wenn zwei gute Kollegen wie Dario und Remo den Klub verlassen. Ich pflege weiterhin einen engen Kontakt mit beiden, besonders mit Remo, der mich nach dem Spiel in Sion angerufen hat», erzählt Puljic. «Mit Rolf und Roland sind zwei gute Personen nicht mehr hier, die für mich Kollegen sind. Doch das gehört zum Leben als Profi. Ich muss auf mich schauen. Zum Glück stimmen meine Leistungen.»

Hoffnung auf Wende im Cup

Seine eigene Zukunft ist bis zum Sommer 2017 geregelt. Der Vertrag wurde letzte Woche von FCL-Präsident Ruedi Stäger um ein Jahr verlängert. Für Puljic war stets klar, dass er und seine Familie bleiben möchten. «Es gefällt uns bestens. Ausser natürlich die aktuellen Resultate, die stören mich enorm. Aber wenn wir am Mittwoch gegen Lugano gewinnen, wird alles gut, das hoffe ich.»

Ein grosses Dankeschön spricht er den FCL-Fans aus. «Sie standen auch in Sion hinter uns. Ich bin sicher, sie sind am Mittwoch wieder mit uns da.» Er verspricht: «Ich gehe mit gutem Beispiel voran, wir zeigen Charakter.»

Puljic stand 2012 mit Luzern im Cupfinal gegen Basel. Er schoss das 1:1, ehe der FCL im Penaltyschiessen verlor. Jetzt will er zusammen mit den anderen wieder ins Endspiel kommen. «Dort würden die Chancen 50 zu 50 stehen – egal, ob gegen Sion oder Zürich.»

«Der FCL braucht unbedingt wieder Emotionen»

Roli Schwegler über fehlendes Selbstvertrauen und seine Hoffnung für den Cup-Halfbinal:

Bei der 1:3-Niederlage in Sion hat mir an den Luzernern nicht gefallen: dass nach dem Big Save von David Zibung des Penaltys von Carlitos kein Ruck durch die Mannschaft gegangen ist. Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit beim Spielstand von 0:1 war kein Aufbäumen zu erkennen. Als dem FCL eine Viertelstunde vor Schluss das 1:3 gelang, war das ebenfalls kein Signal für eine Aufholjagd. Die Spieler haben den Treffer bloss als Ehrentor wahrgenommen. Und irgendwann war der Match fertig.

Klar ist: Beim FCL hat nach den zuvor drei Niederlagen in Serie keiner vor Selbstvertrauen gestrotzt. Dazu haben die Querelen während der Woche mit der Freistellung von Co-Trainer Roland Vrabec und den öffentlichen Streitereien ihre Spuren hinterlassen.

Luzern hat in Sion auch das vierte Rückrundenspiel verloren. Bis jetzt hat das Team von Markus Babbel nur im Match gegen St. Gallen mehrere Torchancen herausspielen können. Nun muss sich der Cheftrainer für den Cup-Halbfinal vom Mittwoch gegen Lugano überlegen, wie seine Offensivabteilung endlich zu Torerfolgen kommt.

Entweder setzt Babbel weiterhin auf das spielerische Element. Damit bekommen die gegnerischen Abwehrspieler Zeit, sich zu organisieren. Oder der Coach wechselt auf einen einfachen Fussball mit langen Bällen, die meiner Ansicht nach kein Verbrechen sind. Denn damit kommt das Spielgerät weg vom eigenen Tor und im optimalen Fall hinter die gegnerische Verteidigung. Die Stürmer können nachsetzen. So kommen unbedingt nötige Emotionen auf. Zur DNA des FCL gehört es, über den Kampf ins Spiel zu kommen.

In diesem Sinn hoffe ich, dass der FCL im Cup das Meisterschaftsgesicht abstreift. Schliesslich winkt der Cupfinal und dort der «Kübel». Für fast alle Luzerner ein einmaliger Höhepunkt.

Ex-Profi Roli Schwegler (34) ist der FCL-Kolumnist unserer Zeitung. Als Junior hatte er von Hochdorf zu GC gewechselt. Mit den Grass­hoppers wurde er 2001 und 2003 Meister. Der Verteidiger wechselte 2007 zum FC Luzern. Für den FCL kam er in drei Jahren zu 74 Einsätzen. Nach zwei Saisons beim FC Vaduz beendete er 2012 seine Karriere. Heute lebt der gebürtige Seetaler mit seiner Familie in Hünenberg See, trainiert den FC Linth (2. Liga inter) und ist bei einer Versicherungsgesellschaft tätig.