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FUSSBALL: Wenn der Schiedsrichter den Spieler zum Buhmann macht

Sportredaktor Turi Bucher zu den Penalty-Diskussionen in den Cup-Halbfinals.
Turi Bucher, Sportredaktor
Turi Bucher

Turi Bucher

War der Penalty, den Schiedsrichter Sascha Amhof am Mittwoch im Cup-Halbfinal dem FC Basel zugesprochen hat, gerechtfertigt oder nicht? Wahrscheinlich nicht. Wer als Verteidiger im Strafraum mit einem gefährlichen Tackling am Boden den Ball wegspediert, gleichzeitig mit seiner Intervention aber dafür sorgt, dass der gegnerische Spieler durch die Luft fliegt, der muss auf jeden Fall mit einem Penalty und womöglich mit einer roten Karte rechnen.

Bei der Abwehraktion von Winterthurs Patrik Schuler gegen Basels Marc Janko zeigen die TV-Bilder aber: Zwischen Schulers Ballkontakt (zuerst) und dem Kontakt mit Janko (danach) gibt es minimen, doch eindeutigen zeitlichen Spielraum. Ja, Schulers Bein geht (danach) in Richtung Janko, aber Jankos Körper geht auch in Richtung Schuler. Ein Körperkontakt, wie er im Naturell des Fussballsports liegt, wenn zwei Spieler um den Ballbesitz kämpfen. Schuler, der vor dem Körperkontakt sauber den Ball wegspediert, wurde übrigens nicht einmal verwarnt.

Es scheint nun plötzlich eine Mode zu werden, dass der Schiedsrichter den Stürmer bei der strittigen Penaltyszene befragt, ob er denn tatsächlich gefoult worden sei. Nur schon mit der Befragung des Spielers zeigt der Schiedsrichter ja, dass er von seinem Entscheid nicht überzeugt ist. Dass er nun aber seinen möglichen Fehlentscheid wegspielen will und dem Stürmer signalisiert, «wenn du meinen Fehler nicht zugibst, dann machst du dich selber zum Buhmann», erscheint mir irgendwie nebulös. Was antwortet der clevere Profi, was antwortet Stürmer Janko, der im Sold seines Vereins steht, dem Schiedsrichter? Er antwortet nämlich: «Herr Schiedsrichter, ich weiss gar nicht, was passiert ist. Ich weiss nur, dass ich zu Fall gekommen bin und dass Sie gepfiffen haben.» In der Tat lautet die Aufgabenverteilung so: Die Aufgabe des Stürmers ist es, für seinen Verein den Torerfolg zu suchen; die Aufgabe des Schiedsrichters ist es, die Regelwidrigkeiten zu finden.

Noch nicht lange ist es her, da warf man dem Basel-Stürmer Breel Embolo beinahe den Friedensnobelpreis hinterher, weil er den Schiedsrichter in einem Spiel darauf hinwies, dass die Entscheidung nicht «Eckball für Basel», sondern «Abstoss für den Gegner» heissen müsse. Wir sprechen hier von einem x-beliebigen Meisterschaftsspiel des FCB auf dem Weg zum x-ten Meistertitel des FCB, und wir sprechen von einem Corner. Es ist wohl auch ein Unterschied dabei, ob der Penalty vom Mittwoch in Winterthur beim Stande von 3:0 oder beim Stande von 0:0 gepfiffen wurde. Hierzu erinnere ich mich beispielsweise an den Cupfinal Basel – Luzern von 2007, als FCL-Torhüter David Zibung in der 93. Minute beim Stande von 0:0 Basel-Stürmer Scott Chipperfield foulte oder gefoult haben soll. Die TV-Bilder wollten winkelweise keinen definitiven Aufschluss bringen, dafür aber Schiedsrichterin Nicole Pétignat nach dem Spiel vor den versammelten Medien: «Ich war mir ziemlich sicher!» Wie bitte? Ziemlich sicher? In der Nachspielzeit des Cup­finals?

Nun höre ich von meinem Redaktionskollegen, der sich täglich im Umfeld des FC Luzern bewegt, dass auch Trainer Markus Babbel seinen Spielern angeraten habe, im Zweifelsfalle dem Schiedsrichter die Wahrheit zu sagen.

Stellen Sie sich also vor, Schiedsrichter Sandro Schärerfragt in der Verlängerung des Cup-Halbfinals Sion – Luzern den Luzerner Nicolas Haas, der im eigenen Strafraum ein offensichtlich klares Handspiel begangen hat, ob dieser seinen Arm zum Ball bewegt hat oder nicht. Es steht 0:0 und der Einzug in den Cupfinal ist für den FCL immer noch möglich. Was antwortet Haas jetzt dem Schiedsrichter?

Turi Bucher, Sportredaktor

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

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