FUSSBALL: «Wenn du das FCL-Trikot trägst, dann muss es in dir brodeln»

Drei Jahre lang machte er einen «Break», wie er es nennt, wollte nichts mit Fussball zu tun haben. Nun ist der einstige WM-Spieler Thomas Wyss (47) zurück: Als Assistenztrainer beim FC Luzern.

Turi Bucher
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Will seine Erfahrung einbringen: FCL-Assistenztrainer Thomas Wyss. (Bild: Dominik Wunderli)

Will seine Erfahrung einbringen: FCL-Assistenztrainer Thomas Wyss. (Bild: Dominik Wunderli)

Das wissen im Kader des FC Luzern gar nicht so viele. Erst jetzt beginnt es sich langsam herumzusprechen. Jene, die Zentralschweizer Wurzeln haben und genug alt sind, um es überhaupt wissen zu können, Goalie David Zibung und Michel Renggli vielleicht, ja, die sind informiert: Thomas Wyss, seit drei Tagen im Einsatz als Assistent von FCL-Trainer Carlos Bernegger, ist alles andere als ein «Nobody» – Wyss war als Fussballer erfolgreicher als die meisten der aktuellen FCL-Profis, war 1994 sogar WM-Teilnehmer mit der Schweiz in den USA, damals unter dem britischen Nationalcoach Roy Hodgson.

Klar, Fussball-WM 1994, das ist lange her. Wyss erinnert sich gerne an seine 15 Minuten Einsatzzeit gegen die USA und daran, wie die Schweizer Nationalmannschaft mit dem Privatjet der Chicago-Bulls-Basketballer von Detroit nach San Francisco zum nächsten Spiel fliegen durfte. Wyss sagt aber auch: «Mich interessiert jetzt nicht, was damals war. Mich interessiert, was heute beim FCL abläuft.»

Meister und Cupsieger mit GC

Seine fussballerische Karriere führte Wyss quer durch die NLA, von Luzern nach Aarau, nach St. Gallen, nach Zürich zu den Grasshoppers. Mit GC holte er 1989 den Cupsieg und ein Jahr später sogar das Double. Hoppla, das dürfte der eine oder andere im Profikader des FCL staunend zur Kenntnis nehmen. «Es war Sportchef Alex Frei, der mich vor einigen Wochen kontaktiert hat», erzählt Thomas Wyss. «Ich habe um die Jahrtausendwende herum noch mit Alex zusammen beim FC Luzern gespielt. Er war damals das aufstrebende Stürmertalent, ich schon langsam das ‹Auslaufmodell›», sagt Wyss. Im Gespräch zu dritt mit Trainer Bernegger war schnell einmal klar: Wyss ist es, er wird der neue Assistenztrainer.

Drei Jahre lang war Wyss zuvor untergetaucht, weg vom Fussball. Jetzt gibt er sein Comeback. «Es hat mir gut getan, Abstand vom Fussball zu nehmen», erzählt Wyss, «ich habe in diesen drei Jahren den Fussball nur dann konsumiert, wenn ich es wollte. Diese Freiheit habe ich mir genommen.» Schon 2007 hatte er sich eine viermonatige Auszeit in den USA gegönnt, besuchte in San Diego die Schule. Spätestens seit dem letzten Montag, als er am ersten Arbeitstag mit den FCL-Spielern Kondition «büffeln» musste, weiss Wyss allerdings: «Mit der Freiheit ists jetzt vorbei. Es war bei fast 35 Grad Hitze auch für mich ein Konditionstraining. Aber es gibt nichts zu jammern.»

Beim FCL schon so vieles erlebt

Wyss will über das Assistenztrainer-Klischee des Ball- und Getränkeflaschenträgers hinaus inspirierend auf das Super-League-Team des FCL einwirken. «Ich möchte meine Erfahrung und meine Kenntnisse einbringen», sagt der 11-fache Schweizer Nationalspieler. Und er schwärmt von FCL-Trainer Bernegger: «Er ist ein Wahnsinniger an der Seitenlinie, im positiven Sinne natürlich. Bernegger ist einer, der den Fussball liebt und lebt, und ich hoffe, dass er mich mit seinen Augen auch so sieht.»

Bernegger und Wyss sind sich in der Fussball-Schweiz erstaunlicherweise auch schon begegnet. Es war 1993, als Wyss beim FC St. Gallen spielte. «Carlos war drei, vier Monate lang Testspieler in St. Gallen, war dann als Argentinier auf der Ausländerliste überzählig. Bis man herausfand, dass er ja auch Schweizer Wurzeln hat.»

Wyss erwartet von den Spielern, dass sie mit viel Leidenschaft für den FCL zur Sache gehen, sozusagen «Blau-Wyss» denken: «Wenn du das FCL-Trikot trägst», sagt Wyss, «dann muss es abgehen, dann muss es in dir brodeln, dann muss was los sein.» Schliesslich habe er als Spieler in Luzern Zeiten erlebt, «als der FCL nahe am Bankrott war oder die Saisonvorbereitung mit lediglich sechs Spielern in Angriff genommen wurde». Heute sei alles viel fortschrittlicher, professioneller. «Der FCL ist zur gut funktionierenden Firma mit einem tollen Stadion geworden. «Ich hätte diesen Job als Assistenztrainer nicht für jeden Klub gemacht. Aber FCL, das heisst für mich ‹Herzblut›!»

Hinweis

Der Lebensversicherungs-Konzern Swiss Life wird neuer Co-Sponsor des FC Luzern.

FCL testet ein Dortmund-Talent

TRAINING tbu. Der FC Luzern testete gestern im Training drei Spieler: Kevin Holz (19) ist ein Stürmer des Amateurteams von Borussia Dortmund. Marc Fotheringham (29) spielte zuletzt beim schottischen Premier-League-Klub Ross County. Fotheringham ist in der Schweiz kein Neuling: In der Saison 2006/07 war der Mittelfeldspieler beim FC Aarau engagiert. Beim dritten Spieler handelt es sich um einen Brasilianer namens Wellington. Er spielte zuletzt in der zweiten brasilianischen Liga.
FCL-Trainer Carlos Bernegger will die Testspieler-Phase schnell abschliessen, um dann mit dem Stammkader konzentriert arbeiten zu können.

In Entlebuch gegen Wil

Das erste Testspiel des FC Luzern findet am kommenden Samstag, 15.00, in Entlebuch (Farbschachen, Eintritt ab 17 Jahren 15 Franken) statt. Gegner ist der Challenge-League-Klub FC Wil. Am Mittwoch darauf spielt der FC Luzern in Rothenburg gegen den FC Winterthur (19.00).