FUSSBALL: Wie 14 ungefütterte Haifische

Der klare 3:0-Sieg in Aarau hat die Perspektiven von Schlusslicht Luzern massiv verbessert. Mit YB und Basel empfängt der FCL in dieser Woche echte Gradmesser.

Daniel Wyrsch
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Bissige Luzerner Spieler am Samstag in Aarau, zweiter von rechts Ridge Mobulu, Torschütze zum 0:3. (Bild: Keystone)

Bissige Luzerner Spieler am Samstag in Aarau, zweiter von rechts Ridge Mobulu, Torschütze zum 0:3. (Bild: Keystone)

Daniel Wyrsch

Fussball ist Resultatsport, Fussball ist Tagesgeschäft. Vor dem Spiel in Aarau hatte Markus Babbel (42) noch erklären müssen, ob er der passende Trainer für den FC Luzern ist. Gelassen stellte er klar: «Wenn der Verein der Meinung ist, ich sei nicht der richtige Trainer, dann muss man mir das sagen.» Nach dem hoch verdienten 3:0-Sieg im Brügglifeld stellt sich die Frage, wie der Bayer seine Spieler verwandelte. Alle eingesetzten Luzerner zeigten sich bissig. In der Bildsprache von Sportchef Alex Frei geschrieben: Es machte den Eindruck, als ob der FCL 14 Haifische ungefüttert aus dem Becken gelassen hätte. Erstmals in dieser Saison sah man eine Luzerner Mannschaft, die von hinten bis vorne hungrig war. Keiner, der plötzlich in den Schlummermodus schaltete und so den Gewinn von Punkten mit Aussetzern leichtfertig herschenkte. Das ist zweifellos das Verdienst von Babbel.

Aussagen wie diese verdeutlichen die neue Einstellung unter Babbel: «Mentalität schlägt oft Qualität. Wieso sind die Bayern so stark? Weil sie mental stark sind und Qualität haben. Darum ist es gegen die besonders schwer.» Doch der Deutsche wäre kein Ex-Bayern-­Profi, wenn er sich schnell zufrieden geben würde. Babbel meint im Interview mit «20 Minuten»: «Die Gier nach Erfolg fehlt mir in Luzern noch ein bisschen.»

Drei Konkurrenten in Reichweite

Für den FCL ist der zweite Sieg im 16. Saisonspiel doppelt wertvoll. Denn der zweite Dreier unter Babbel nach dem 3:2 vor Monatsfrist beim FC Zürich ist nicht nur ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis, der Punktezuwachs bringt die Zentralschweizer auch in eine deutlich bessere Lage im Abstiegskampf. Auf Vaduz (verlor gestern zu Hause gegen Thun mit 0:1) und Sion ist der Rückstand auf zwei Punkte geschrumpft. Auch Aarau hat nach der Niederlage im Direktduell nur noch drei Zähler Vorsprung auf Luzern.

Somit sind für die letztplatzierten Innerschweizer plötzlich drei Gegner in Reichweite, umso mehr es am Mittwoch (19.45) in Luzern zum Nachtragsspiel zwischen dem FCL und den Young Boys kommt. Die Berner feierten gestern mit dem 4:2-Heimsieg gegen St. Gallen ihren dritten Vollerfolg in der Meisterschaft hintereinander. Selbst in der Europa League hat YB nach dem 3:1 auswärts gegen Slovan Bratislava die Chance, die Gruppenphase zu überstehen. Dabei war YB-Trainer Uli Forte vor 30 Tagen nach der peinlichen 0:1-Heimpleite gegen Vaduz vor dem Aus gestanden. Doch wie erwähnt: Fussball ist ein Ergebnissport und Tagesgeschäft.

Erster Heimsieg gegen YB?

Für Babbel und sein Team, das am Sonntagmorgen im Hinblick auf die wenigen Tage bis zum Match nur kurz trainierte und auslief, ist das Heimspiel gegen YB von grosser Bedeutung. Denn nach den doch ziemlich harmlosen Aarauern werden die drittplatzierten Berner echte Gradmesser darstellen. Der FCL hat zudem die zweitletzte Gelegenheit, in dieser Hinrunde den ersten Heimsieg zu erringen.

Die weitere und allenfalls letzte Chance bietet sich dann am nächsten Samstag (17.45) gegen Basel. Allerdings macht Babbel seinen Profis eher wenig Hoffnung, gegen den Leader FCB zum Erfolg zu kommen. «Ich habe die Liga kennen gelernt, bis auf Basel sind die restlichen Teams qualitativ in etwa gleich.»

Wohlfühloase ade

Babbel hat nicht nur wie einst Ex-FCL-Trainer Murat Yakin die defensive Disziplin und Laufbereitschaft bei den Zentralschweizern wieder eingeführt. Der Deutsche hat auch, ähnlich wie es der heutige Coach von Spartak Moskau einst versuchte, die Stammplatzgarantie aufgelöst. So sind Alain Wiss (24) und Adrian Winter (28) mindestens in der jetzigen Phase ihren Stammplatz los. Wiss kam unter Babbel bloss einmal in den letzten Minuten in Aarau – zum Einsatz, Winter stand im Brügglifeld nicht einmal im Aufgebot. «Bei mir kriegt keiner etwas geschenkt. Jeder Spieler muss sich seine Position erarbeiten, und er wird merken, dass es sich lohnt», lässt Babbel also Wiss, Winter und anderen FCL-Profis, die kaum spielen, die Tür offen. Schwer haben es bei ihm Fussballer, die nicht an sich arbeiten. «Man merkt schon, dass die Spieler sich ein Stück weit in einer Wohlfühloase fühlen, und aus dieser Komfortzone wollen wir sie rausholen.»

Für die Winterpause kündigt Babbel einen Schnitt an. «Vielleicht müssen wir uns von dem einen oder anderen auch trennen.» Im 25-Mann-Kader soll Platz geschaffen werden. «Wir haben da zwei, drei Junge in der U 21, die ihre Chance bekommen sollen.»

Dario Lezcano vom FCL, oben, gegen Kim Jaggy vom FCA. (Bild: Keystone)
14 Bilder
Ridge Mobulu. (Bild: Keystone)
Ridge Mobulu, Mitte, vom FCL schiesst das 0:3 und jubelt mit seinen Mitspielern. (Bild: Keystone)
Sportdirektor Alex Frei, rechts und Konditionstrainer Christian Schmidt, können wieder lachen. (Bild: Keystone)
Ridge Mobulu vom FCL schiesst das 0:3 und jubelt. (Bild: Keystone)
Dario Lezcano schiesst ein zum 0:2. (Bild: SIGI TISCHLER)
Die Luzerner Spieler jubeln nach dem zweiten Tor, nebem dem enttäuschten FCA-Goalie Joel Mall. (Bild: Keystone)
FCL Trainer Markus Babbel. (Bild: SIGI TISCHLER)
Frank Feltscher vom FCA, links, und Francois Affolter, vom FCL, kaempfen um den Ball. (Bild: Keystone)
Fans des FCA feiern mit Pyros ihren Club. (Bild: Keystone)
Choreo der Luzerner Fans mit einem Transparent "Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen auf denen wir in die Hoehe steigen". (Bild: Keystone)
FCL Goalie David Zibung. (Bild: Keystone)
Der unsichere FCA Goalie Joel Mall, oben, vor Kaja Rogulj und Dario Lezcano. (Bild: Keystone)
Die Spieler des FCL jubeln nach dem Tor von Marco Schneuwly. (Bild: SIGI TISCHLER)

Dario Lezcano vom FCL, oben, gegen Kim Jaggy vom FCA. (Bild: Keystone)