FUSSBALL: Winter steht beim FCL vor dem Abgang

Der FC Luzern könnte heute (19.45) mit einem Heimsieg über St. Gallen mehr oder weniger den Ligaerhalt feiern. Zu reden gibt aber jetzt schon, wie das Team nächste Saison aussieht.

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Kommt diese Saison nicht auf Touren: FCL-Offensivmann Adrian Winter (links, hier im Zweikampf mit Sions Xavier Kouassi). (Bild Martin Meienberger)

Kommt diese Saison nicht auf Touren: FCL-Offensivmann Adrian Winter (links, hier im Zweikampf mit Sions Xavier Kouassi). (Bild Martin Meienberger)

Daniel Wyrsch

Nach erstmals zwei Siegen in Folge (2:0 gegen GC, 2:1 in Basel) will der FC Luzern heute gegen St. Gallen und dann am Sonntag (13.45) beim Tabellenletzten Aarau alles klarmachen und den Ligaerhalt vorzeitig sichern.

Die wichtigste Personalfrage, jene des Trainers, dürfte in den nächsten Tagen beantwortet werden. Markus Babbel: «Nächste Woche haben wir einen Termin. Für mich ist es wichtig, dass ich das Gefühl habe, der Verein will mich – das spüre ich. Die Leitung weiss, dass ich gerne bleiben möchte. Wir haben eine hervorragende Ausgangsposition.»

Für den Ligaerhalt erhält Babbel automatisch eine Vertragsverlängerung um ein Jahr. Allerdings zu neuen, besseren Konditionen.

Ob Babbel die gewünschten Verstärkungen «aus dem deutschsprachigen Raum», wie er selber sagt, bekommt, hängt vom zur Verfügung stehenden Budget ab. Dieses haben die Investoren noch nicht bestimmt. Sportchef Rolf Fringer möchte deshalb noch nicht über die Spieler sprechen, deren Verträge Ende der laufenden Saison enden.

Unsere Zeitung hat aufgrund der sportlichen Leistungen und der Reaktionen der Protagonisten zu jedem FCL-Profi mit offener Situation eine Prognose für nächste Saison erstellt.

Auslaufende Verträge

Adrian Winter

Der frühere Leistungsträger ist in seiner vierten Saison in Luzern nie auf Touren gekommen; Spritzigkeit und Stammplatz sind weg. Eine Luftveränderung könnte ihm gut tun. GEHT

Jahmir Hyka

Die 1,69 Meter kleine «Zaubermaus» ist ebenfalls bald vier Jahre in Luzern. Talent und Effizienz haben sich nie die Waage gehalten, der Albaner konnte sich nicht durchsetzen. GEHT

Oliver Bozanic

Er startete im Sommer 2013 mit 5 Toren in 4 Spielen durch. Danach folgte eine Baisse, nun zeigt sich immer mehr, wie wertvoll der «Aussie» im Aufbau ist. Er sollte behalten werden. BLEIBT

Alain Wiss

Die ersten vier Monate unter Trainer Babbel musste er sich zurückkämpfen. «Es war hart», sagt er. Seit März spielt Wiss wieder, es hat ihm gut getan – den Trainer hat er überzeugt. BLEIBT

Lorenzo Bucchi

Weil Goalie-Talent Jonas Omlin durch das missglückte Debüt gegen Basel (1:4) zurückgeworfen wurde, ist der Römer wieder die Nummer 2. Seine Zukunft ist momentan unklar. OFFEN

Mögliche Abgänge

Jakob Jantscher

Der Österreicher hat sich sofort in die Herzen der Fans gespielt. Man müsste ihn allein wegen der Assists behalten, doch er hat eine Ausstiegsklausel – und Luzern braucht Geld. OFFEN

Remo Freuler

Konkretes Interesse zeigte Torino; Celtic Glasgow beobachtete ihn. Nun sagt der Mittelfeldspieler: «Ich will in Luzern bleiben.» Er weiss, hier kann er sich stark weiterentwickeln. BLEIBT

Dario Lezcano

Wenn er immer so zielstrebig spielen würde wie in Basel, hätte er Angebote aus Topligen. Trotz Vertrag bis 2016 will der Paraguayer weg. Mindestpreis 1,2 Millionen Franken. OFFEN

Ausgeliehene

Hekuran Kryeziu

Elf Mal ist er bisher in der Vaduzer Startelf gestanden. Vaduz-Trainer Contini hat signalisiert, den Mittelfeldspieler noch ein Jahr ausleihen zu wollen. Sein FCL-Vertrag läuft bis 2016. BLEIBT

Claudio Holenstein

Verlassen Winter, Hyka und Jantscher den FCL, ist der aktuelle Wohlener und Ex-Wiler sicher ein Thema für Fringer. Sein Vertrag läuft hier bis 2017, er deutete sein Potenzial an. KOMMT

Ferid Matri

Hat sich in Wil unter Trainer Gabriele sofort einen Stammplatz erkämpft. Er bleibt wohl dort, da der FCL mit Puljic, Rogulj, Affolter und Sarr weiter vier Innenverteidiger hat. BLEIBT

Haxhi Neziraj

Seine Karriere ist auch in der Challenge League bei Wohlen unter Sforza nicht in Fahrt gekommen. Wie Matri von Liga-Konkurrent Wil hat er beim FCL einen Vertrag bis 2017. OFFEN

 

FCL: Die Chance für Haas und Aliti

Absenzen. Beim FC Luzern fallen im heutigen Heimspiel gegen den FC St. Gallen mehrere Stammkräfte aus. Neben den verletzten Innenverteidigern Tomislav Puljic (Anriss am Syndesmoseband) und Kaja Rogulj (akute Rückenprobleme) ist Captain Claudio Lustenberger gesperrt. Der Linksverteidiger wurde beim 2:1-Sieg in Basel verwarnt, das war seine achte gelbe Karte der Saison.

Haas steht vor Startelf-Premiere

Einen Belastungstest haben Alain Wiss (leichter Muskelfaserriss in der Wade) und Thierry Doubai (Knieprobleme) machen müssen, um herauszufinden, ob sie gegen St. Gallen einsatzfähig sind. Hinter ihre Einsätze ist ein grösseres Fragezeichen zu setzen. Wiss musste bereits in Basel passen, Doubai litt während der gesamten Saison immer wieder unter Schmerzen in den Knien. Er hat mit 26 Jahren schon drei Kreuzbandrisse erlitten. In Basel musste er sich kurz nach der Pause auswechseln lassen. Der eingewechselte Nicolas Haas (19) machte seine Sache im Mittelfeld während des über 40-minütigen Einsatzes im St.-Jakob-Park gut. Der Surseer dürfte heute – im dritten Super-League-Spiel – erstmals in der Startformation stehen, sofern Wiss oder Doubai nicht plötzlich doch fit sind.

Eine Chance bietet sich auch Fidan Aliti (21). Der beim FC Basel ausgebildete Österreich-Albaner ist in den letzten zwei Jahren zu 14 Fanionteam-Einsätzen beim FCL gekommen. Er wird für Lustenberger verteidigen.

FCL-Trainer Markus Babbel beklagt sich nicht über die knappe Personalsituation. «Alle haben gut trainiert und sich ihre Einsatzchance verdient.» Er verlangt von seiner Mannschaft, so geschlossen im Kollektiv aufzutreten wie gegen den FCB. Gegen St. Gallen, das zuletzt zu Hause gegen Vaduz  1:2 unterlag, hat Luzern in der Vorrunde zweimal 1:2 verloren und im Februar auswärts 0:0 unentschieden gespielt.


dw