FUSSBALL: «Wir sind auf dem richtigen Weg»

Am Tag der Entlassung von FCL-Sportchef Rolf Fringer versteckte sich Präsident Ruedi Stäger hinter einer dürren Medienmitteilung. Nun bezieht er Stellung – ohne wirklich viel mehr zu sagen.

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Rolf Fringer (links) steht seit Donnerstag als Sportchef beim FCL definitiv im Abseits: Präsident Ruedi Stäger (Zweiter von links) hat den neben ihm sitzenden Trainer Markus Babbel (rechts seine Partnerin Tina) zum Sieger im Machtkampf gemacht. Das Bild entstand am 23. September 2015 in Vaduz. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Rolf Fringer (links) steht seit Donnerstag als Sportchef beim FCL definitiv im Abseits: Präsident Ruedi Stäger (Zweiter von links) hat den neben ihm sitzenden Trainer Markus Babbel (rechts seine Partnerin Tina) zum Sieger im Machtkampf gemacht. Das Bild entstand am 23. September 2015 in Vaduz. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Interview Andreas Ineichen

Ja, sagte er am Telefon, er sei bereit, Fragen zu beantworten. Aber er hätte sie gerne schriftlich vorliegen, damit er sich genau überlegen könne, was er sagen wolle. Der 58-jährige Ruedi Stäger stand am Freitag nach seiner überraschenden Massnahme, sich per sofort von Fringer zu trennen, im medialen Gegenwind. Seinem Wunsch ist unsere Zeitung nachgekommen.

Mit Rolf Fringer muss jener Mann den Verein verlassen, der in der Führung die sportliche Fachkompetenz sichergestellt hat. Wie und wann wird das Vakuum aufgefüllt?

Ruedi Stäger: Ja gewiss, fachlich reisst der Abgang von Rolf Fringer eine Lücke. Wir dürfen aber nicht vergessen, die sportliche Führung kennt einige Gesichter. Nebst dem Trainerduo gibt es Experten im Staff, im Scouting, aber auch der Einbezug des Nachwuchschefs wird sehr wichtig sein. Im Team wird man die anstehenden Fragen und Probleme angehen und lösen. Ein Vakuum sollte daher nicht aufkommen.

Gehört es beim FCL nicht zur Hauptaufgabe eines Sportchefs, die Qualität der Arbeit des Cheftrainers zu hinterfragen und daraus den entsprechenden Schluss für die sportliche Zukunft zu ziehen?

Stäger: Selbstverständlich gehört es unter anderem zu den Hauptaufgaben des Sportchefs, seine direkt unterstellten Mitarbeiter laufend zu beurteilen und gleichzeitig das Team zu stärken respektive weiterzubringen. Hinsichtlich sportlicher Zukunft stehen schlussendlich aber auch strategische Fragen im Vordergrund.

Reicht das Hinterfragen von Babbel alleine dazu aus, um eine Trennung des Sportchefs rechtfertigen zu können? Oder gibt es andere Gründe für die sofortige Trennung von Fringer?

Stäger: Dass alleine eine allfällige Hinterfragung von Babbel zur Kündigung führen könnte, käme einer Unterstellung gleich. Wie gesagt, waren die Unstimmigkeiten hinsichtlich der strategischen Entwicklung ausschlaggebend.

Sie haben seinerzeit schon den Vertrag mit Babbels Vorgänger Carlos Bernegger verlängert, für diese Massnahme zahlt der FCL noch heute. Was macht Sie sicher, dass die Geschichte mit Babbel nicht auch so endet?

Stäger: Die Vertragsverlängerung mit Carlos Bernegger hatte einen klaren Hintergrund. Diesen wollen wir hier nicht noch einmal ausrollen! Unter normalen Umständen sehen wir grundsätzlich von mehrjährigen Verträgen mit Trainern ab.

Ziehen Sie persönlich die Konsequenzen, wenn der FCL in der Rückrunde in einen sportlichen Krebsgang gerät?

Stäger: Es war ein Entscheid des gesamten Verwaltungsrates. Kommt hinzu: Wir haben heute eine sportlich gute Ausgangslage. Diese gilt es zu nutzen. Über allfällige Konsequenzen sprechen wir zu gegebener Zeit.

Im Januar 2015 wurde der damalige Medienchef René Baumann und nun Fringer schlagartig vor die Türe gestellt. Erachten Sie Ihren Umgang mit Angestellten als korrekt?

Stäger: Personelle Entscheidungen sind nie angenehm, gehören aber in meine Verantwortung. Mein Führungsstil ist ein teamorientierter und kooperativer, aber als Chef muss man auch unbeliebte Entscheide treffen und verantworten. Hinzu kommt, dass sich der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung bei Personalentscheiden in Zusammenhang mit Kaderpositionen immer Zeit für eine sorgfältige und faire Evaluation nehmen.

Seit Beginn Ihrer Amtszeit am 1. Januar 2014 haben Sie einen Trainer und zwei Sportchefs kommen und gehen sehen. Wie hat der Verein seither von Ihrer Arbeit profitiert? Was sind konkret Ihre Verdienste?

Stäger: Dieses Bild ähnelt sich leider in vielen Fussballclubs. Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, Bilanz zu ziehen. Wir haben Strukturen für die Zukunft geschaffen, haben eine klare Ausrichtung, und ich persönlich wie auch der ganze Verwaltungsrat sind überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Sie wurden als bezahlter Präsident engagiert mit dem Ziel, dass das Betriebsergebnis des FCL durch Generieren neuer Sponsoren und Einnahmequellen spürbar verbessert wird und Sie damit auch Ihren eigenen Lohn herausschlagen. In den letzten Jahren steht aber immer jeweils ein Minus in der Höhe von rund 2 Millionen Franken. Wo sehen Sie mittlerweile Ihr Aufgabengebiet?

Stäger: Den FCL sportlich und betriebswirtschaftlich auf Kurs zu bringen, bleibt unser oberstes Ziel. Zwischenzeitlich haben wir weitere Kosteneinsparungen vorgenommen und werden mit einer Vielzahl von Massnahmen die Erträge steigern können. Wir sind zurzeit gemeinsam mit dem Verwaltungsrat in der Prüfung verschiedener strategischer Optionen.