FUSSBALL: «Wir stecken im selben Fahrwasser wie der FCL»

Der FC Luzern muss am Sonntag (13.45) in Sion zum «Sechspunkte»-Spiel antreten. Bei den Wallisern weiterhin auf der Trainerbank: Ex-Kriens-Trainer Jochen Dries.

Interview Turi Bucher
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Jochen Dries (ganz links) auf der Trainerbank des FC Sion. Rechts neben ihm Barthelemy Constantin, der Sohn des Sion-Präsidenten. (Bild: Keystone/Valentin Flauraud)

Jochen Dries (ganz links) auf der Trainerbank des FC Sion. Rechts neben ihm Barthelemy Constantin, der Sohn des Sion-Präsidenten. (Bild: Keystone/Valentin Flauraud)

Mittwochmorgen in Sion. Jochen Dries (67) stellt sich als Wortführer vor seine Mannschaft, den Tabellenvorletzten der Super League, und stellt Admir Smajic (51) als neuen (Co-)Trainer vor. Smajic ersetzt Frédéric «Frédy» Chassot, welcher am vergangenen Sonntag nach der 0:1-Auswärtsniederlage gegen den Aufsteiger FC Vaduz resignierte.

Dries übergibt auf dem Trainings­gelände das Wort an Smajic und erzählt hinterher: «Es war ein kurzes Morgentraining. Smajic sagte vor dem Team, jeder Spieler solle jetzt heimgehen und darüber nachdenken, wie er sich und dadurch die Situation des Teams verbessern könne.»

Jochen Dries, zuerst hiess es, Sie seien der sportliche Leiter bis zum Spiel am Sonntag gegen den FC Luzern. Jetzt ist Smajic da. Ist Ihre Zeit beim FC Sion auch bald abgelaufen?

Jochen Dries: Ich verstehe die Polemik, die um den Sion-Trainerstuhl gemacht wird, einfach nicht. Wer nun alleine der Cheftrainer ist und wer das Diplom zur Verfügung stellt, das spielt doch alles keine Rolle – Tatsache ist, dass im Trainerstab des FC Sion ordentlich gearbeitet wird. Admir Smajic wird uns nun weiterhelfen, uns einen Qualitätsschub geben.

Sie haben die Frage nicht beantwortet. Sind Sie über das FCL-Spiel hinaus weiter dabei?

Dries: Ach wissen Sie, das weiss doch hier niemand so genau. Ich gehe davon aus, mein Vertrag läuft ja bis Ende Mai 2015. Aber wenn in der Zeitung steht, der FC Sion werde jetzt von einem IV-Rentner und einem AHV-Bezüger trainiert, dann ist das schon böse und verletzend. Das trifft einen Mann, dem die Mannschaft ans Herz gewachsen ist.

Werden Sie denn vom charismatischen Sion-Präsidenten mit Anstand behandelt?

Dries: Christian Constantin ist ein höflicher, zuvorkommender, humorvoller Mensch, der halt mal auf den Tisch haut. Der Respekt ist gegenseitig.

Wird Constantin am Sonntag beim Spiel gegen den FC Luzern auf der Sion-Trainerbank Platz nehmen?

Dries: Constantin ist ganz nahe beim Team dabei, so viel steht fest. Aber seit ich mit dabei bin, hat er das jedenfalls noch nie getan.

Lassen Sie uns kurz zurückblicken. Was ist schiefgelaufen in den letzten Wochen? Woran krankt der FC Sion?

Dries: Der Kern der Sache ist, dass wir uns selber bestraft haben. Und zwar mit unglücklichen, unverdienten Niederlagen. Das tut am meisten weh: wenn man nicht schlechter ist als der Gegner und am Schluss als Verlierer dasteht. Nun, der Trainer des FC Luzern sagt wahrscheinlich dasselbe. Das Beste im Fussball ist, schlecht zu spielen und trotzdem zu gewinnen. Klar, durch die Niederlagenserie ist schon eine gewisse Traurigkeit in die Mannschaft gedrungen.

Sie sitzen seit Anfang August auf der Trainerbank des FC Sion. Haben Sie sich in den vergangenen zwei Monaten schon mal gefragt, «wieso tue ich mir das bloss noch an»?

Dries: Klar, diese Augenblicke kommen. Sie kommen und sie gehen. Denn die Faszination, mittendrin zu sein, ist gross. Es ist fast wie eine Droge.

Wie wird diese Woche beim FC Sion trainiert? Wie wird die Moral aufgerichtet? Unternehmen Sie als Team etwas gemeinsam neben dem Fussballplatz?

Dries: Es wird ganz normal wie geplant trainiert. Wir haben mit Admir Smajic einen neuen Mitarbeiter, dessen Inputs wir mit ins Spiel nehmen wollen. Und vielleicht darf sich auch der eine oder andere Ersatzspieler plötzlich Hoffnungen machen. Mit einem neuen Trainer wird auch das Spielerkader meistens neu geschüttelt.

Was sagen Sie zur Situation beim FC Luzern?

Dries: Jeder weiss, dass die in derselben Verfassung, im selben Fahrwasser wie wir stecken. Aber: Ich beobachte das nicht mit Freude. Ich weiss, wie es sich anfühlt, unten zu sein.

Umso spezieller ist das Duell vom Sonntag. Auch für Sie als ehemaligen Trainer in der Innerschweiz.

Dries: Der Letzte gegen den Vorletzten: Da steckt Brisanz drin, das ist unbestritten. Das könnte womöglich auch für den FCL-Trainer das letzte Spiel sein. Bei uns ist der Trainerwechsel nun ja bereits vollzogen. Auch bei uns herrscht eine gewisse Nervosität. Aber eine gesunde, es ist nicht so, dass es ein Hauen und Stechen ist.

Wenn Sie jetzt einen vom Trio Luzern/Sion/Vaduz als späteren Absteiger nennen müssten, wer wärs?

Dries: Keiner. Wir vom FC Sion wollen es nicht sein und werden es nicht sein.