FUSSBALL: «Wir wollen Teamleader holen»

Beim 1:1 gegen Thun ist es einmal mehr deutlich geworden, dem FC Luzern fehlt es an Reissern. Dafür gibt es Gründe, wie FCL-Chefscout Remo Gaugler feststellt.

Daniel Wyrsch
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Alain Wiss soll auf seiner Position im Zentrum vom Teamplayer zum Leader heranwachsen. (Bild Philipp Schmidli)

Alain Wiss soll auf seiner Position im Zentrum vom Teamplayer zum Leader heranwachsen. (Bild Philipp Schmidli)

Dem FC Luzern fehlen seit dem Abgang von Hakan Yakin Spieler, die eine Führungsrolle in der Mannschaft übernehmen. Die Hierarchie ist flach. Trainer Carlos Bernegger (44) kann weniger noch als in der Vorsaison auf seinen bisherigen Captain Michel Renggli (33) setzen. Dabei wäre es für einen Trainer wichtig, wenn er zwei, drei Spieler auf dem Platz hätte, die seine Ideen umsetzen könnten. Beim FC Basel ist das seit Jahren der Fall, waren es früher Alex Frei, Benjamin Huggel und Marco Streller, sind es heute neben Streller die jüngeren Valentin Stocker, Fabian Frei und Yann Sommer. «Die Jungen konnten beim FCB in diese Position hineinwachsen. Ganz nach dem Motto: Persönlichkeiten formen Persönlichkeiten», erklärt FCL-Chefscout Remo Gaugler (44), der den FC Basel von innen kennt, war er doch dort bis zum Engagement in Luzern über 15 Jahre lang als Profitrainer im Nachwuchs tätig gewesen.

Gaugler muss eingestehen, dass Luzern in Sachen Führungsspieler auch mit dem Zweitplatzierten der Super League, den Grasshoppers, nicht mithalten kann. «GC profitiert davon, dass Captain Vero Salatic die jungen Wilden führt, sowie vom hervorragenden Arbeiter Stéphane Grichting und dessen grossen internationalen Erfahrung.» Auffällig sei, dass die erwähnten Schlüsselspieler fast ausnahmslos auf der zentralen Achse spielen. Gauglers Formel lautet: «Ein Leader muss auch ein guter Teamplayer sein.»

Alain Wiss Vertrauen geben

Offensichtlich hat dem FCL am Sonntag im Heimspiel gegen Thun (1:1) der Mut gefehlt. Die meisten Spieler schienen nicht daran zu glauben, den unbequemen Gegner aus dem Berner Oberland bezwingen zu können. «Die letzte Überzeugung hat uns in der Nähe des Sechzehners gefehlt», stellte Luzerns Coach Bernegger nach der Punkteteilung fest. Natürlich ist klar, die Arbeit des Schweiz-Argentiniers wäre deutlich einfacher, wenn er Leute im Team hätte, welche die anderen mitreissen könnten. Anstelle von Renggli hat Alain Wiss (23) die Captainbinde übernommen. Der ruhige, eher introvertierte Mittelfeldspieler ist im Moment noch nicht so weit, dass er innerhalb der Mannschaft der Chef ist. Gaugler sagt aber etwas Entscheidendes: «Alain Wiss soll auf seiner Position im Zentrum vor der Abwehr die nächste Zeit absolutes Vertrauen geniessen und vom Teamplayer zum Leader heranwachsen. Michel Renggli wird ihn dabei auf und neben dem Platz unterstützen.»

Chefscout Gaugler stellt die Frage, weshalb beim FCL in den letzten Jahren kein Leader heranwachsen konnte, gleich selber – und seine Antworten regen zum Nachdenken an. Wesentlich für den Baselbieter ist, dass in Luzern andere Themen und Personen im Zentrum standen. «Hier geht es in der Öffentlichkeit hauptsächlich um vereinspolitische Themen und nur am Rande um die wichtigsten Spieler des sportlichen Aushängeschilds des Vereins.»

Als weiteren Grund stellt er fest, dass es zu wenig Konstanz in der Führung des Teams gegeben habe. Bernegger ist schon der dritte Trainer nach Murat Yakin und Ryszard Komornicki in zwei Jahren und zwei Monaten im neuen Stadion. Ausserdem sei die Zusammenstellung der Mannschaft für seinen Geschmack nicht ideal gewesen. «Florian Stahel hat man wahrscheinlich als Führungsspieler geholt, aber er ist ein Urgestein des FCZ. Gleiches gilt für Philipp Muntwiler, der eine Identifikationsfigur des FC St. Gallen gewesen ist.» Für die Zukunft soll gelten: «Das Herz eines Spielers spielt auch eine Rolle.» Das soll schon beim Nachwuchs die Devise sein, wo der frühere Basler U-18-Coach Gaugler die Trainer ermuntert, die Talente auch mal ihre frechen Seiten ausleben zu lassen. «Ich hoffe, in Luzern schon bald mehr junge Spieler mit der Unbekümmertheit eines Xherdan Shaqiri zu entdecken!»

Neziraj ist ein Hoffnungsträger

Der FCL-Chefscout verspricht, man wähle die neuen Spieler künftig sehr sorgfältig aus. «Neben der spielerischen muss auch die persönliche Qualität stimmen. Wir wollen keine Mitläufer, sondern die Equipe mit Teamleadern und starken Charakteren verstärken.»

Über Haxhi Neziraj (20), der gegen Thun überzeugte, sagt Gaugler: «Ich bin froh, dass wir so einen Spieler aus der Region haben. Carlos Bernegger hat ihn behutsam aufgebaut. Haxhi muss an seiner Wettkampfbereitschaft, Körperspannung und den Rhythmuswechseln arbeiten, dann wird er solche Spiele später mal entscheiden können.» Aufgabe sei es nun, dieses Talent auf dem Weg zum Stammspieler zu begleiten.

Gut möglich, dass sich mit Wiss und Neziraj dereinst eigene Profis entwickeln, die den FCL an die Spitze führen.