FUSSBALL: Wird der FCL zum Spielverderber?

Am Samstag könnte der FC Luzern den Young Boys (19 Uhr, SRF zwei) die Meisterfeier verderben. FCL-Trainer Gerardo Seoane will von der Rolle des Partykillers aber nichts wissen.
Raphael Gutzwiller
Luzerns Abwehr um Goalie Jonas Omlin (helles Dress) wird gegen YB viel Arbeit bekommen. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 20. September 2017))

Luzerns Abwehr um Goalie Jonas Omlin (helles Dress) wird gegen YB viel Arbeit bekommen. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 20. September 2017))

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

Am Samstag findet das Spiel statt, das die überragende Saison der Berner Young Boys krönen könnte. Nur noch einen Sieg brauchen die Hauptstädter, um das erste Mal seit 32 Jahren wieder den Schweizer-Meister-Titel feiern zu können. Sie empfangen in ihrem ausverkauften Stade de Suisse den FC Luzern. Alles ist angerichtet für eine gelb-schwarze Meisterfeier.

Die Innerschweizer könnten in diesem Spiel mit einem Sieg oder einem Punktgewinn zum grossen Spielverderber werden. «Das ist aber nicht unsere Motivation», stellt Trainer Gerardo Seoane klar. «Wir wollen einfach diese spezielle Atmosphäre geniessen. Für uns ist es eine riesige Chance, bei diesem Spiel mit dabei zu sein.» Danach schwärmt der erfolgreiche FCL-Trainer, der den FCL in der Rückrunde vom neunten auf den dritten Rang geführt hatte, vom designierten Meister. «Die Young Boys spielen eine unglaubliche Saison.»

Die grösste Stärke hat Seoane in der Taktik der Young Boys ausgemacht: Pressing und Ge-genpressing lauten die beiden Zauberworte. «Diese Taktik, die Adi Hütter auch schon bei RB Salzburg spielen liess, funktioniert bei YB ideal.» Auch der FCL setzt auf ein hohes Pressing, das will man gegen die Young Boys erneut versuchen. Seoane erklärt: «Wir stellen unser Spiel nicht um, egal wer auf der Gegenseite steht. Wir sind auf einem Weg und führen diesen konsequent weiter. Aber klar ist auch, wenn das Pressing gegen YB nicht funktioniert, wird es sogleich gefährlich. Sie haben absolute Topstürmer.»

Doch die Gefahr durch die Stürmer Guillaume Hoarau, Roger Assalé und Jean-Pierre Nsame ist beileibe nicht die einzige Stärke der Berner. So ist etwa Miralem Sulejmani als wohl bester Freistossschütze der Schweiz bekannt. Will man sich also mit dummen Fouls zurückhalten? «Wenn man gegen YB spielt, gibt es sehr viele Dinge, auf die man schauen muss. Die kann man sicher nicht alle verhindern. Aber gerade junge Spieler können daran wachsen, in einem solchen Spiel die Nerven bewahren zu können», so Seoane.

Erinnerungen an das 5:1 gegen YB im Gersag

Auch wenn die Aufgabe für den FCL schwierig ist: Der Druck in diesem Spiel liegt klar bei den Young Boys. Und die Geschichte spricht für den FCL: 2010 hatten die Berner letztmals die Chance, Meister zu werden – verspielten einen Matchball damals aber ausgerechnet gegen den FC Luzern. YB verlor im damaligen Ausweichstadion Gersag in Emmenbrücke gleich mit 1:5. «Diese Geschichte interessiert mich nicht», sagt Seoane, darauf angesprochen. «Wir wollen in Bern nicht eine gute Leistung zeigen, um etwas zu verhindern. Für uns geht es darum, als junge Mannschaft diese Erfahrung machen zu dürfen und unser Bestmögliches abzurufen.» Nach dem Spiel werde man dann sehen, was dem FCL noch fehle, «um auch auf diesem Level zu bestehen».

«Wenn wir einen Punkt holen könnten, wäre es cool»

Auch FCL-Stürmer Shkelqim Demhasaj spricht von einem «unglaublichen» Spiel, das auf den FCL wartet. «Die Atmosphäre wird super, das Stadion ausverkauft und die Stimmung grossartig sein. Natürlich freuen wir uns, bei dieser grossen Partie aufzulaufen», so der Stürmer, dessen Einsatz jedoch noch fraglich ist, ihn plagen Adduktorenprobleme. «Wenn ich genau dieses Spiel verpassen würde, würde mich das schon nerven. So einen Match will jeder gerne mal miterleben.» Auch Demhasaj sagt, es werde eine schwierige Aufgabe gegen YB. Er sagt aber auch: «Holen wir einen Punkt oder siegen wir gar, wäre es schon cool.»

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