FUSSBALL: Wiss flirtet mit St. Pauli

Dem Gefühl nach gehört Alain Wiss (24) zum Inventar des FC Luzern. Trotzdem könnte der Luzerner den Klub bald verlassen. Einen neuen Berater hat er bereits.

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Noch ist vollkommen offen, ob Alain Wiss (im blauen Dress, hier 
im Zweikampf mit Zürichs Armando Sadiku) beim FC Luzern bleibt. (Bild: Philipp Schmidli)

Noch ist vollkommen offen, ob Alain Wiss (im blauen Dress, hier im Zweikampf mit Zürichs Armando Sadiku) beim FC Luzern bleibt. (Bild: Philipp Schmidli)

Daniel Wyrsch

199 Super-League-Einsätze hat Alain Wiss (24) schon für den FC Luzern bestritten. Mit 16 Jahren debütierte der defensive Mittelfeldspieler, der auch als Innenverteidiger einsetzbar ist, unter Ciriaco Sforza in der ersten Mannschaft.

Wiss ist der letzte klubeigene Junior, der den Durchbruch in die höchste Spielklasse geschafft hat. «Am Anfang konnte ich mir manchen Riesenfehler leisten, der Trainer hat mir das Vertrauen immer wieder geschenkt», antwortete er kürzlich auf die Frage, wie man sich als Nachwuchsspieler bei den Profis durchsetzt. Wiss hat seinem früheren Coach Sforza viel zu verdanken.

Vielleicht gibt es bald eine Neuauflage der Zusammenarbeit zwischen den beiden. Es gibt Spekulationen, dass Sforza Trainer des FC Zürich wird. Urs Meier hat zwar am Montag mit dem FCZ in Luzern (1:0) gewonnen und damit höchstwahrscheinlich Platz 4 und die Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League gesichert, aber der 53-jährige Zürcher scheint in seiner Position weiter angezählt zu sein.

Babbel möchte Wiss behalten

Alain Wiss hatte in diesem Match auf der Sechserposition gespielt, zur Pause musste er wegen einer Oberschenkelverhärtung draussen bleiben und auf der Bank Platz nehmen. «Ich wollte kein Risiko eingehen», begründete FCL-Trainer Markus Babbel seinen Entschluss. Wiss hatte es bei Babbel zu Beginn der Zusammenarbeit nicht leicht, nach einer Gelbsperre musste der Ur-Luzerner geschlagene sechs Spiele von der Ersatzbank aus zuschauen. Seit der 20. Runde hat er ausser beim 2:1-Sieg in Basel (leichter Muskelfaserriss) und beim 0:0-Unentschieden gegen Thun (zweite Gelbsperre) immer gespielt und sich als Stratege vor der Abwehr den Platz erobert. Babbel: «Alain ist einer, der es unter mir anfänglich nicht leicht hatte, der sich durchgesetzt hat und zum absoluten Leistungsträger avancierte. Mit so einem Spieler möchte man natürlich weitermachen.»

Weniger gut dotierter Vertrag

Doch das Angebot für den neuen Vertrag, das der FCL seinem langjährigen Spieler machte, soll dem Vernehmen nach deutlich unter dem aktuellen Lohn liegen. «Der Verein muss sparen», sagt Babbel, «da ist es unter diesen Voraussetzungen legitim, dass der Spieler nach acht Jahren in der ersten Mannschaft einen anderen Klub sucht.» Luzern-Sportchef Rolf Fringer bestätigt: «Wir müssen uns nach der Decke strecken, die Lohnkosten etwas senken.»

Fringer kennt Wiss bestens aus seiner Trainerzeit beim FCL. «Er ist ein sehr zuverlässiger Spieler, der sich im Verlauf der Saison gesteigert hat.» Oft sei es nicht schlecht, wenn ein Profi keinen längerlaufenden Vertrag besitzt und sich beweisen müsse. «Seit längerem weiss ich von seinem früheren Berater und nun auch vom neuen Spielervermittler, dass Alain eine neue Herausforderung sucht.» Sein neuer Agent heisst übrigens Raffaele Zarra. Für Fringer ist klar: «Wenn Alain Wiss einen Karrieresprung machen kann, dann muss er Luzern verlassen.»

Abenteuer in der 2. Bundesliga?

In Deutschland soll der FC St. Pauli aus der 2. Bundesliga an Wiss interessiert sein, heisst es. Hamburg wäre für den behütet aufgewachsenen Polizistensohn bestimmt ein Abenteuer. Er würde dann den umgekehrten Weg von FCL-Assistenztrainer Roland Vrabec machen.

Vor wenigen Wochen sagte Wiss: «Ich könnte mir eine Luftveränderung vorstellen, aber ich wäre auch nicht abgeneigt zu bleiben.» So ganz sicher war sich der defensive Aufbauer zu diesem Zeitpunkt also nicht. Fringer sagt jetzt: «Das letzte Wort ist nicht gesprochen, die Chancen stehen 50 zu 50, dass Wiss geht oder doch bei uns bleibt.»