FUSSBALL: Zweites Duell innert elf Tagen

Luzern kann sich heute (20.00) gegen Lugano für den verpassten Cupfinal revanchieren. Die heikle Lage in der Liga erfordert gar, dass Luzern endlich wieder siegt.

Daniel Wyrsch
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Grund zur Freude hat er in der Meisterschaft nicht: Markus Babbel. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Grund zur Freude hat er in der Meisterschaft nicht: Markus Babbel. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Für Luzern-Trainer Markus Babbel (43) ist das erneute Aufeinandertreffen mit dem FC Lugano keine Revanche für den verlorenen Cup-Halbfinal vor elf Tagen: «Das Aus im Cup ist nicht wiedergutzumachen. Trotzdem bietet uns dieses Spiel die Chance, drei Punkte zu holen.»

Die letzte Siegesfeier ist lange her. Seit dem letzten Match der Vorrunde haben die Luzerner überhaupt nicht mehr gepunktet. Beim 3:1-Heimsieg am 5. Dezember gegen die Young Boys holten die Innerschweizer zum letzten Mal Zähler. Nach fünf Pleiten hintereinander in der Meisterschaft und dem verpassten Cupfinaleinzug vor eigenem Publikum gegen Aufsteiger Lugano ist die Mannschaft von Babbel zwingend gefordert, heute den ersten Sieg der Rückrunde zu erringen. Andernfalls droht in den nächsten Wochen und Monaten der Kampf gegen den Abstieg.

Die Gewissheit von Babbel

Babbel weiss um die brisante Ausgangslage: «Ein Erfolgserlebnis in der Liga wäre jetzt extrem wichtig.» Der Deutsche fordert sein Team auf, «die angestaute Wut rauszulassen».

Babbel hat aus den Eindrücken während der Woche die Gewissheit gewonnen, dass seine Truppe nach sechs Niederlagen in Folge auf die Erfolgsstrasse zurückkehren kann. «Die Mannschaft ist sehr fokussiert, sehr gewissenhaft. Sie versucht, die Dinge umzusetzen, die wir vom Trainerstaff vorgeben.»

Neu im Trainerteam ist Michael Silberbauer (wir berichteten in der gestrigen Ausgabe). Der dänische Ex-Internationale hat als Videoanalyst vorerst einen Vertrag bis Ende Saison erhalten.

Babbel weist auf seine Erfolgsbilanz

FCL-Coach Babbel empfindet die heutige Partie nicht als sein Schicksalsspiel. «Ich brauche keinen Druck vom Verein.» Er sei selber sehr unzufrieden mit der Situation. Er hasse es, zu verlieren. «Wenn man bedenkt, wo ich herkomme.» Als Trainer habe er deutlich mehr Spiele gewonnen als verloren (80 Siege, 60 Niederlagen, 47 Unentschieden).

Auf ein bis auf den letzten Platz gefülltes Stadion wird Luzern kaum zählen können. Trotz der vom Klub grosszügig offerierten zwei Gratis-Tickets pro Saisonkarteninhaber sollen in der Swissporarena einige Plätze leer bleiben, erwartet FCL-Medienchef Max Fischer.

Zum letzten Mal war das Stadion in Luzern am Pfingstmontag, 25. Mai 2015, mit 16 500 Zuschauern gegen Zürich (0:1) ausverkauft. Vom damaligen Stimmungshoch ist nichts mehr zu spüren. Stattdessen herrscht hohe Anspannung.

Euphorische Tessiner Journalisten

Ortswechsel. Im alten Cornaredo-Stadion in Lugano sind alle bestens gelaunt. Selbst der fast immer ernst wirkende Trainer Zdenek Zeman (68) machte gestern Mittag Witze mit den Medienleuten.

Der gebürtige Tscheche gehört zu den beliebtesten Trainern Italiens. Euphorische Journalisten befragen den «Mister», ob der Schweizer Cupfinalist Lugano in der Serie A mithalten könnte. Zeman stellt klar: «Uns fehlen die Erfahrung und die Gewohnheit, auf diesem Niveau zu spielen.» Die Serie B würde er seiner Squadra aber durchaus zutrauen.

Die Tessiner Journalisten lassen nicht locker. Sogar Zeman selbst hat gehört, dass Trainer von Ligakonkurrenten der Meinung sind, Lugano würde den besten Fussball in der Super League spielen. Zeman machen solche Huldigungen zwar stolz, aber er bleibt nüchtern: «Ich bezweifle, ob das wahr ist. Wir haben eine Menge zu verbessern.»

Lugano stets gefährlich gegen FCL

Weniger gefallen hat dem Trainer, dass Lugano seit dem Cup-Coup in Luzern nicht mehr gespielt hat. Letztes Wochenende wurde das Heimspiel gegen Basel wegen Schneefalls abgesagt.

Für Luzern sieht Zeman keine Gefahr, in Abstiegsgefahr zu geraten. «Die Meisterschaft ist noch lange. Ich bin sicher, dass die kürzlich noch viertplatzierten Luzerner wieder Fahrt aufnehmen.»

Trotzdem würde es der Lugano-Coach natürlich gerne sehen, wenn seine Equipe im Abstiegskampf wichtige Punkte nach Hause nehmen könnte.

Für Zeman entspricht es den Tatsachen, dass sein Tessiner FCL gegen den Innerschweizer FCL in dieser Saison stets gut gespielt hat (in der Liga 0:1 zu Hause und 2:2 auswärts). Zuletzt beim 2:1-Sieg im Cup hätten sie Babbels Team zu Fehlern gezwungen. Angriffstrainer Zeman erklärt dazu seine Philosophie: «Im Fussball ist es immer so: Entweder siegt man aufgrund von Aussetzern des Gegners oder man verliert wegen des eigenen Unvermögens.»

Wer macht heute weniger Fehler?

Ebenso wenig Grund zur Freude hat auch Lugano-Trainer Zdenek Zeman. (Bild: Keystone / Valeriano Di Domenico)

Ebenso wenig Grund zur Freude hat auch Lugano-Trainer Zdenek Zeman. (Bild: Keystone / Valeriano Di Domenico)