Gegentreffer in der Nachspielzeit: Luzern verliert gegen Xamax mit 1:2

Der FC Luzern verliert ein ereignisarmes Spiel gegen Neuchâtel Xamax mit 1:2. Der Sieg der Gäste ist verdient, weil sie sich mehr Chancen erarbeitet haben. Torhüter Marius Müller war hinterher bedient.

Jonas von Flüe
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Marcis Oss (Mitte) erzielt in der 91. Minute das 2:1 für Xamax.

Marcis Oss (Mitte) erzielt in der 91. Minute das 2:1 für Xamax.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus

Kurzbericht

Jubelnde Neuenburger, betrübte Luzerner: Xamax gewinnt in Luzern dank eines Treffers von Marcis Oss in der Nachspielzeit mit 2:1. Das Tor hatte sich abgezeichnet, weil die Beine der Luzerner immer müder wurden, die Gäste aber auf den Siegtreffer drangen. Der FCL hatte zwar mehr Ballbesitz, Xamax war insgesamt aber die bessere Mannschaft. 10:1-Ecken und 18:9-Schüsse zugunsten der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. «Wenn du Letzter bist, gehen sie nie rein. Heute war das zum Glück mal anders», sagte der Xamaxien Musa Araz nach dem Spiel. FCL-Torschütze Lorik Emini meinte: «Ab der 80. Minute haben ein paar von uns nachgelassen. Das darf in der Super League nicht passieren.»

Der Rückstand des FC Luzern auf das viertplatzierte Servette beträgt neu vier Punkte – bei deutlich schlechterem Torverhältnis. Der Europa-League-Platz rückt in weite Ferne. Schlusslicht Xamax seinerseits hat ein Lebenszeichen von sich gegeben und liegt nur noch zwei Punkte hinter Sion, das aber ein Spiel weniger absolviert hat. Für den Klassenerhalt ist noch ein grosses Stück Arbeit nötig.

Telegramm

Luzern - Neuchâtel Xamax 1:2 (0:1)
1000 Zuschauer. - SR Schärer.
Tore: 38. Nuzzolo (Araz) 0:1. 57. Emini (Schürpf) 1:1. 91. Oss (Ramizi) 1:2.
Luzern: Müller; Knezevic, Bürki, Mistrafovic; Kakabadse (73. Eleke), Grether; Matos (77. Ndiaye), Emini, Voca, Schürpf; Margiotta.
Neuchâtel Xamax: Walthert; Djuric (59. Neitzke), Oss, Xhemajli; Seydoux, Abanda (81. Doudin); Corbaz (58. Sakho), Mveng, Araz, Nuzzolo; Ramizi.
Bemerkungen: Luzern ohne Schulz (gesperrt), Lucas, Schwegler, Ndenge, Males und Burch (alle verletzt). Neuchâtel Xamax ohne Kouassi (gesperrt), Djourou Gomes und Kamber (alle verletzt). Verwarnungen: 2. Xhemajli (Foul), 18. Corbaz (Foul), 50. Araz (Foul), 69. Emini (Foul), 77. Ramizi (Reklamieren), 83. Eleke (Foul), 85. Margiotta (Foul), 89. Sakho (Foul).

Die Tore

38. Minute, 0:1: Musa Araz kann von der linken ungehindert auf die rechte Seite flanken. Dort steht Xamax-Topskorer Raphaël Nuzzolo. Der nimmt den Ball direkt und haut ihn ins kurze Eck. FCL-Goalie Marius Müller macht dabei keine gute Figur, auch wenn der Ball kurz vor dem Tor noch aufspringt.

Torschütze des 0:1: Raphael Nuzzolo.

Torschütze des 0:1: Raphael Nuzzolo.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

57. Minute, 1:1: Lorik Emini erkämpft sich im Mittelfeld mit viel Einsatz den Ball, Margiotta schickt Schürpf in die Tiefe, der wieder zu Emini passt. Und der 20-Jährige schiebt den Ball locker an Xamax-Goalie Walthert vorbei ins Tor. Ein wunderbar herausgespielter Treffer – Eminis erster in der Super League.

Lorik Emini schoss das 1:1.

Lorik Emini schoss das 1:1.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

91. Minute, 1:2: Xamax drückt auf den zweiten Treffer. Samir Ramizi schlägt einen hohen Ball in den Luzerner Strafraum. Dort stehen drei Xamaxiens und zwei Luzerner. Verteidiger Marcis Oss steigt am höchsten und trifft per Kopf zum viel umjubelten Siegtreffer für Xamax.

Marcis Oss jubelt nach dem 2:1.

Marcis Oss jubelt nach dem 2:1.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Die Stimmen

Marius Müller (Torhüter FC Luzern): «Xamax hatte heute das Matchglück auf seiner Seite. Wir haben alles versucht, gemacht und getan, doch ab der 85. Minute haben wir den Faden verloren. Kein Wunder in dieser Ausnahmesituation. Wir gehen alle auf dem Zahnfleisch – mental und körperlich. Man kann nicht wegdiskutieren, dass in der ganzen Liga momentan leichtsinnige Fehler passieren, die man sonst nicht sehen würde. Ich habe heute eine meiner besten Halbzeiten gespielt und dann unterläuft mir beim ersten Gegentreffer ein ärgerlicher Fehler. Klar, der Ball ist mühsam aufgesprungen, aber den halte ich normalerweise. Ich hoffe, dass ich das schnell abhaken kann. Vor dem nächsten Spiel am Mittwoch gilt es, den Kopf leer zu kriegen, gut zu essen und genug zu schlafen.»

FCL-Goalie Marius Müller.

FCL-Goalie Marius Müller.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus

Lorik Emini (Mittelfeldspieler FC Luzern): «Wir sind alle schwer enttäuscht. Wir haben einen grossen Aufwand betrieben und nun keinen Ertrag. In der zweiten Halbzeit haben wir nur in der Platzhälfte von Xamax gespielt. Es wiederholt sich, dass wir in Rückstand geraten. Diesen aufzuholen ist wegen des dichten Spielplans sehr schwierig. Am Schluss geht der Ball unglücklich ins Tor. Doch ab der 80. Minute haben ein paar von uns nachgelassen. Das darf in der Super League nicht passieren. Über mein erstes Tor freue ich mich natürlich. Unser Physiotherapeut hat mich am Samstag gefragt, ob ich ein Tor oder zwei Tore schiessen werde. ‹Ich werde ein Tor machen›, habe ich ihm gesagt. So gesehen war es ein Tor mit Ansage.»

Musa Araz (Mittelfeldspieler Neuchâtel Xamax): «Es ist unglaublich, wie viele Chancen wir heute verpasst haben, bis wir endlich das 2:1 erzielen konnten. Wenn du Letzter bist, gehen sie nie rein. Das war zum Glück heute mal anders. Wir haben uns diesen Sieg verdient, weil wir nicht aufgegeben haben, obwohl es sehr heiss war und die Kräfte nachliessen. Nun haben wir noch vier Spiele, um den Abstieg zu verhindern. Wir glauben weiter an den Ligaerhalt.»

1. Halbzeit

Der FCL hat zwar 57 Prozent Ballbesitz, ist aber nicht die bessere Mannschaft. Gefährliche Chancen kann er sich trotz Dreimannsturm nicht erarbeiten. Die Abschlüsse von Kakabadze, Mistrafovic und Margiotta sind zu harmlos, die weiten Bälle auf die Flügel führen zu oft zu keinen nennenswerten Aktionen. Xamax im Gegenzug kommt nach einer halben Stunde besser ins Spiel und geht in einer leichten Druckphase durch Raphaël Nuzzolo in Führung.

2. Halbzeit

Luzern hat Glück, dass es nach 48 Minuten nicht 0:2 steht. Nach einem Fehlpass von Pascal Schürpf kann Samir Ramizi alleine auf das FCL-Tor laufen, wird aber von David Mistrafovic doch noch entscheidend am Abschuss gehindert. Zehn Minuten später steht es dank Lorik Emini 1:1. Die restlichen Chancen gehören aber Xamax. Verteidiger Arbenit Xhemajli schiesst in der 69. Minute aus fünf Metern am Tor vorbei. In der 77. Minute hält Marius Müller hervorragend gegen Ramizi und in der 85. Minute ist es wieder Ramizi, der das Tor per Kopfball verpasst. Von Luzern kommt nach dem Ausgleich nicht mehr viel, die Batterien scheinen leer. Und so überrascht es nicht, dass in der Nachspielzeit der Siegtreffer für die Neuenburger fällt.

Die anderen Resultate

  • Thun - St.Gallen 2:1.
  • Servette - Basel 2:2.
  • Sion - Lugano 1:1.
  • Zürich - Young Boys 0:5.

Tabelle

Quelle: Swiss Football League

Nächste Spiele

  • Thun - Servette (Mittwoch, 18.15 Uhr)
  • Luzern - Sion (Mittwoch, 20.30 Uhr)
  • Lugano - Zürich (Mittwoch, 20.30 Uhr)
  • St. Gallen - Basel (Mittwoch, 20.30 Uhr)
  • Xamax - Young Boys (Donnerstag, 20.30 Uhr)

Die Tore im Video

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