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Interview

FCL-Trainer René Weiler: «Ich will Spieler, die mitdenken»

Der FC Luzern startet am Samstag (19 Uhr) mit dem Heimspiel gegen Aufsteiger Neuchâtel Xamax in die Saison. Im Interview spricht der neue Trainer René Weiler (44) über die ersten Erfahrungen in Luzern, die Aufgabe und seinen Führungsstil.
Daniel Wyrsch
Nach den Stationen Nürnberg und Anderlecht ist er wieder zurück auf den Schweizer Fussballplätzen: René Weiler. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 28. Juni 2018))

Nach den Stationen Nürnberg und Anderlecht ist er wieder zurück auf den Schweizer Fussballplätzen: René Weiler. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 28. Juni 2018))

René Weiler, Sie waren zuletzt beim RSC Anderlecht und dem 1. FC Nürnberg Trainer. Das sind grosse und traditionsreiche Klubs in Belgien und Deutschland. Wie fällt der direkte Vergleich zum eher beschaulichen FCL aus?

Der FC Luzern ist ein Verein, bei dem der Sport und vor allem die Entwicklung der Spieler im Mittelpunkt stehen. Wie das grosse Geschäft Fussball die Menschen verändern kann, das habe ich gesehen.

Haben Sie in Luzern andere Verhältnisse als bei Ihren Stationen im Ausland vorgefunden?

Klar, in unserer Mannschaft gibt es keine Grossverdiener. Der Unterschied allein zu den Schweizer Spitzenteams YB und Basel ist beträchtlich. Zudem wird im Ausland für Infrastruktur und Personal einiges mehr investiert.

Was für eine Mannschaft haben Sie in den letzten drei Wochen seit dem ersten Training erlebt?

Eine Mannschaft mit guten Fussballern, die einen einwandfreien Charakter haben. Freude machen mir auch die jungen Spieler, ich spüre, dass sie gerne ins Training kommen. Ich darf generell feststellen, dass sich das ganze Team reinhängt, alle wollen sich verbessern. Das sind alles Profis mit Manieren, anständige, gute Menschen.

Sie geben auf dem Trainingsplatz den Ton an, haben aber zwischendurch auch ein offenes Ohr für die Spieler. Wie ist Ihr Führungsstil?

Obwohl ich der Cheftrainer bin, gibt es natürlich ein starkes Miteinander. Ich ermuntere die Spieler, sich zu äussern, mir ihre Meinung kundzutun. Nur so weiss ich, was sie denken und nur so sind sie eines Tages in der Lage, Verantwortung im Sinne des Teams zu tragen. Das Interagieren ist wichtig. Aber natürlich will ich die Übungseinheiten nicht lange unterbrechen, Intensität und Fluss sind entscheidende Prozesstreiber. Für vertiefende Gespräche mit den Spielern nehme ich mir neben dem Feld Zeit.

Sie können auf dem Trainingsplatz auch ziemlich direkt zu den Spielern sein, da waren bei den Übungen einige klare Ansagen dabei.

Wir sind immer noch in der Phase des Kennenlernens, schon bald wird jedoch der Trainingsbetrieb eingespielter sein. Auf der anderen Seite ist meine direkte und manchmal kritische Ansprache auch gewollt: Falls wir in einem Spiel 0:2 im Rückstand liegen, müssen auch die Spieler damit umgehen können. Stress oder Aussendruck, wie jener von den Zuschauern, gehört zum Profifussball dazu. Ich will Spieler, die mitdenken, die Verantwortung übernehmen. Für diese Persönlichkeitsentwicklung sehe ich mich in der Hauptverantwortung.

Gehört das zu Ihrem Gesamtziel, hier etwas entstehen zu lassen?

Grundsätzlich wollen wir die einzelnen Spieler und die Mannschaft als Ganzes weiterbringen und weiterentwickeln. Dazu zählt natürlich der fussballerische Teil, aber ebenso auch die persönliche Entwicklung. Wir erarbeiten zusammen Lösungsansätze, am Schluss müssen die Spieler aber selber die Entscheidungen fällen. Ich kann ihnen nur beratend zur Seite stehen. Fussball ist keine Wissenschaft, aber auch nicht so einfach, wie er oft in der Öffentlichkeit dargestellt wird.

Sie scheinen persönlich Mühe damit zu haben, wie Sie in den Medien manchmal dargestellt werden. Ist dieser Eindruck richtig?

Ich arbeite und kommuniziere offen und ehrlich. Dies wird in den Medien leider manchmal anders dargestellt.

Vor allem bei der Entlassung bei Anderlecht vor zehn Monaten fühlten Sie sich ungerecht von der Presse behandelt.

Wir wurden mit Anderlecht nach erfolglosen Jahren belgischer Meister, schafften den Einzug in die Champions League und machten Rekordumsätze. Doch als ich wenige Monate später beinahe grundlos entlassen wurde, betrieb kaum jemand Ursachenforschung. Ich störe mich an der Oberflächlichkeit, welche sich in unsere Gesellschaft eingeschlichen hat. Vor allem die sozialen Medien sind Segen und Fluch gleichzeitig.

Anders als in Brüssel müssen Sie in Luzern kaum befürchten, dass man Ihnen ungefragt einen Millionen teuren Profi ins Team holt.

Ich habe Vertrauen in den FCL und vor allem in Remo Meyer. Alles ist bis jetzt so gewesen, wie wir das miteinander besprochen haben. Im Endeffekt kann man mit Fussball beziehungsweise Fussballern viel Geld verdienen, jedoch nur, wenn in solche auch investiert wird.

Remo Meyer (links) habe ihn überzeugt, zum FCL zu kommen, sagt Weiler. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus (Luzern, 22. Juni 2018))

Remo Meyer (links) habe ihn überzeugt, zum FCL zu kommen, sagt Weiler. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus (Luzern, 22. Juni 2018))

Remo Meyer hat Ihr Vertrauen gewonnen. Manchmal könnte der Sportkoordinator etwas mehr auf sich und sein Handeln aufmerksam machen. Finden Sie nicht auch?

Mir sind Menschen viel lieber, die nicht ständig erzählen müssen, wie gut und umtriebig sie sind. Remo Meyer hat mich überzeugt, zum FC Luzern zu kommen.

Mit sehr teuren Profis müssen Sie sich in Luzern nicht abgeben. Trotzdem: Füllt man die Swisspor-Arena erst wieder, wenn echte Publikumsmagneten darin auftreten?

Das mag sein. Mittelfristig muss der Verein die Ambition haben, überdurchschnittliche Spieler zu verpflichten. Meine Hauptaufgabe ist jedoch, das Beste aus den vorhandenen Möglichkeiten rauszuholen. Für den Rest ist bei uns gutes, anderes Personal zuständig.

Wollen Sie mit dem FCL also nicht jahrelang im Mittelmass rumkicken?

Wir wollen wie erwähnt etwas aufbauen. Die Mannschaft soll weiterkommen und schliesslich nachhaltig erfolgreich sein. Schritt für Schritt.

Doch von Platz 3, wie ihn Gerardo Seoane nach einer fulminanten Aufholjagd mit dem Team erreicht hat, wollen Sie als Ziel für die neue Saison nichts wissen?

Ziele gibt man erst bekannt, wenn das eigene Team und die Konkurrenzteams komplett sind. Ich habe mich noch nie damit beschäftigt, was mein Vorgänger gemacht hat. Wir werden unseren Weg gehen. Wenn YB und Basel nicht grundlegend alles falsch machen, werden sie wieder die ersten beiden Ränge belegen. Der Rest ist nahe beieinander und das Gerangel um die weiteren Plätze wird gross sein. Ich hoffe für alle, dass wir eine faire und spannende Meisterschaft erleben dürfen.

Trainer mit Bachelor- Abschluss in Journalismus

René Weiler (44) ist seit dem 22. Juni Trainer des FC Luzern, bei dem er einen Dreijahresvertrag bis 2021 unterschrieben hat. Der gebürtige Winterthurer war Sportchef in St. Gallen und Trainer bei Schaffhausen, Aarau, Nürnberg und Anderlecht. Neben der Uefa-Pro-Lizenz besitzt er auch eine Ausbildung in Kommunikation, Management und Leadership sowie einen Bachelor-Abschluss in Journalismus und Medien. Weiler ist verheiratet und Vater eines 17- und eines 6-jährigen Sohnes. Mit seiner Familie wohnt er in Zürich. (dw)

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