INTERVIEW MORININI: «Wir sagen nicht schon auf Wiedersehen»

Vier Gegentore, dritter Platzverweis, ein neues System - und ein Zusammenbruch der Abwehr: Nach dem 2:4 bei GC ist der FC Luzern ein Fragezeichen.

Drucken
Teilen
Roberto Morinini bei seinem Einstand gegen GC im Zürcher Letzigrund. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Roberto Morinini bei seinem Einstand gegen GC im Zürcher Letzigrund. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Der Morgen danach ist kein guter Morgen, wieder einmal nicht. Der Trainer ist zwar neu, vieles ist mit ihm neu geworden, aber das Erwachen ist für die Luzerner Fussballer das gleiche wie so oft seit Beginn der Saison, in der sie für Furore sorgen wollten: ein böses. 

2:4 verloren sie gegen die Grasshoppers, 2:4 in einem Spiel, in dem zuerst vieles für, danach alles gegen sie lief.

Die Wende, die der FCL im Zürcher Letzigrund einleiten wollte, fand nicht statt. Im Gegenteil. Zurück bleiben vielmehr weitere Fragen. Roberto Morinini (Bild) nimmt dazu Stellung.

? Änderungen: Fünf Neuverpflichtete sassen am Samstag auf der Bank, Renggli 45, Mesbah 56 und Ravasi 79 Minuten. Ferreira und Karanovic sahen bis am Ende zu. Morinini hatte am Donnerstag noch erklärt, Mesbah und Ferreira hätten ihm im Training einen guten Eindruck hinterlassen.

Roberto Morinini dazu:«Mesbah und Ferreira sind zwei offensiv ausgerichtete Spieler. Sie gegen GC gleichzeitig zu bringen, das war mir zu offensiv. Ich versuche, das Gleichgewicht zu finden.»

? Systemumstellung: Sforza bevorzugte das 4:2:3:1, Morinini schwankte lange zwischen 4:4:2 und 4:3:3 - und liess schliesslich ein 3:4:2:1 spielen. Dieses System hatte er schon zu Lugano-Zeiten angewandt.

Roberto Morinini dazu:«Dass ich mich für das 3:4:2:1 entschieden habe, hat letztlich damit zu tun, dass im Training die zwei anderen Systeme nicht zufriedenstellend eingeübt wurden. Vorderhand will ich an dieser Ausrichtung festhalten. Will heissen: Mit Seoane als Abwehrchef.»

? Gegentore: Sieben Gegentore hat der FCL in den letzten zwei Spielen kassiert. Gegen GC hätten es problemlos zwei mehr sein können, wären die Zürcher gegen Ende der Begegnung mit ihren Chancen nicht fahrlässig umgegangen. Der FCL verlor die Ordnung in der Defensive komplett.

Roberto Morinini dazu:«Sieben Gegentore sind eindeutig zu viel, obwohl ich der Meinung bin, dass Bobadilla beim 2:2 der Grasshoppers im Offside stand. An der defensiven Stabilität müssen wir arbeiten. Sie ist die Grundlage, um zu punkten. Erst danach können wir uns auch der Kreativität widmen.»

? Veskovac/Diarra: Veskovac hat angeblich das Interesse aus Frankreich auf sich gezogen (siehe Kasten). Diarra war gegen GC 56 Minuten ein sicherer Wert - und liess sich dann auswechseln. Körperlich sei er noch nicht auf der Höhe.

Roberto Morinini dazu:«Wie es mit Veskovac weitergeht, weiss ich nicht. Wenn er aber gehen sollte, wäre das ein herber Verlust. Bei Diarra mache ich mir schon auch meine Überlegungen. Es ist Besorgnis erregend, wenn ihm die Luft so früh ausgeht. Aber er ist ein wichtiger Spieler für uns.»

? Disziplin: Seoane sah in Aarau Rot, Lustenberger gegen YB, und nun wurde Wiss vom Feld gestellt. Drei Platzverweise in den letzten drei Spielen, das deutet darauf hin, dass auch im disziplinarischen Bereich viel Arbeit ansteht.

Roberto Morinini dazu:«Nach der roten Karte gegen Wiss zerfiel die Ordnung, da bekamen wir Probleme. Ich finde, die gelb-rote Karte war sehr streng, aber ich will das nicht als Entschuldigung gelten lassen. Und für mich ist die rote Karte für Wiss nicht das Gleiche wie jene für Lustenberger. Wiss hat einen Fehler begangen, den ich auf die Jugendlichkeit zurückführe. Ein Foul irgendwo im Mittelfeld, das ist unnötig. Was Lustenberger gegen YB gemacht hat, ist für mich ein gravierender Fehler. Er darf sich diese zweite gelbe Karte einfach nicht einhandeln.»

? Bilanz: Sieben Spiele, ein Punkt - das ist die Bilanz eines Absteigers.

Roberto Morinini dazu:«Dem kann ich nicht widersprechen. Wer keine Punkte holt, steigt ab. Aber ich bin überzeugt, dass wir aus dieser misslichen Situation finden. Die Mannschaft zeigt grossen Willen, sie demonstriert mir im Training die Überzeugung, aus dem Loch zu finden. Und darum sagen wir nicht jetzt schon auf Wiedersehen.»

Peter Birrer