INTERVIEW SFORZA: «Es braucht Konkurrenz unter den Spielern»

Ciriaco Sforza bleibt ein weiteres Jahr Trainer beim FC Luzern. Vor seiner Zusage liess sich der 38-Jährige zusichern, dass die Qualität des Kaders angehoben wird.

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FCL-Trainer Ciriaco Sforza verlangt bessere Spieler. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

FCL-Trainer Ciriaco Sforza verlangt bessere Spieler. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Ciriaco Sforza, Sie haben lange gezögert, bis Sie sich entschieden haben. Was hat Sie daran gehindert, sich früher zum FC Luzern zu bekennen?

Ciriaco Sforza: Ich wollte mit den Verantwortlichen des FC Luzern ein klärendes Gespräch, in dem wir einige Punkte ansprachen. Massgebend ist für mich, dass meine Strategie von der Klubleitung mitgetragen wird. Ich habe immer gesagt, dass meine Arbeit noch nicht fertig ist. Es war ein Bauch- und Herzensentscheid, weiterzumachen.

Jetzt, da die Fortsetzung der Zusammenarbeit beschlossen ist: Was war dran an den Gerüchten, dass Sie mit Basel oder Zürich in Verbindung stehen

Sforza: Nichts.

Und ehrlich?

Sforza: Wer in zwei Jahren gute Arbeit leistet, bringt sich doch automatisch ins Gespräch. Dass gewisse Vereine Interesse haben, ist dann normal.

Welchen Verein hatten Sie in der Hinterhand?

Sforza: Keinen! Der erste Ansprechpartner war immer der FC Luzern. Ich habe mit niemandem sonst verhandelt.

Wenn der FCL aber nicht bereit gewesen wäre, Ihre Vorstellungen umzusetzen ?

Sforza: ? hätte ich gesagt: Gut, das wars. Aber eben: Der FCL will die von mir vorgeschlagene Strategie mittragen.

Wie sieht die denn aus?

Sforza: Ich will mit jungen, frechen und dynamischen Spielern arbeiten. Und keine mehr im Kader haben, die da sind und einfach nur Plausch haben, das Trikot des FCL zu tragen. Es braucht mehr Konkurrenz, eindeutig. Ab dem 8. Juni wird ein anderer, intensiverer Kampf um die Plätze losgehen.

Das bedeutet, dass Sie einige Neuverpflichtungen brauchen.

Sforza: Das wurde mir zugesichert.

Wie viele?

Sforza: Es sind einige. Drei für die Offensive, würde ich sagen. Im Mittelfeld haben wir mit Renggli und Ferreira bereits zwei geholt. Und für die Abwehr schauen wir uns ebenfalls um.

Sie wissen aber, dass die finanziellen Ressourcen nicht unerschöpflich sind.

Sforza: Das Budget wird nicht gesprengt. Die Spieler, an die ich denke, sind finanzierbar und würden auch für die Zukunft Sinn machen. Ich habe am Samstag die Liste abgegeben.

Sind da die Namen Goran Karanovic und Enrico Schirinzi vom FC Wohlen drauf?

Sforza: Ja, weil das zwei sind, die den Ehrgeiz und die Qualität haben, einen ähnlichen Weg zu machen wie Dusan Veskovac.

Das sind aber keine bekannten Namen.

Sforza: Ist das nötig? Ich verlange nicht, dass wir Stars verpflichten. Mehr Qualität bekomme auch ich mit jungen Spielern, die ich weiterbringen kann, die sich aber auch weiterbringen lassen. Karanovic ist Schweizer U 21-Nationalspieler, Schirinzi ein Mann mit Potenzial für die linke Seite.

Sie haben das Stichwort geliefert: Dusan Veskovac. Bleibt er?

Sforza: Damit rechne ich, ja.

Suchen Sie auch einen neuen Goalie?

Sforza: Ich habe David Zibung gesagt: Wenn wir die Mannschaft so zusammenbekommen, wie ich mir das vorstelle, soll er noch ein Jahr bleiben. Das tut seiner Entwicklung gut.

Der FCL, sagen Sie also, wird besser als 2007/08 sein.

Sforza: Ja, das glaube ich schon. Ich hatte in dieser Saison kaum die Möglichkeit, mit Einwechslungen zu reagieren. Das Gefälle im Kader war zu gross. Ich brauche aber Spieler, die Druck machen, wenn sie von der Ersatzbank kommen. Das war zuletzt nicht der Fall.

Zuletzt leistete sich der FCL zwei Niederlagen: Das 1:2 in Aarau, am Samstag das 0:2 gegen Xamax. Und beide Male war die Leistung schlecht.

Sforza: Was ich gegen Xamax gesehen habe, war Arbeitsverweigerung, keine Einstellung zum Beruf. Dabei hätten es die über 7000 Zuschauer verdient gehabt, zum Abschluss guten Fussball vorgesetzt zu bekommen. Aber eben: Solche Sachen dulde ich ab sofort nicht mehr. Ich will keine Zeit mehr verlieren.

Wie würden Sie die zu Ende gegangene Saison zusammenfassen?

Sforza: Wir haben zwei Gesichter gezeigt. Das erste Halbjahr war schwach, die Rückrunde bis auf die letzten zwei Spiele sehr gut. Insgesamt haben wir uns gegenüber der ersten Saison in der Super League klar gesteigert, auch punktemässig. Aber wir haben auch viele Punkte unnötig liegen lassen, weil wir in gewissen Momenten die absolute Winner-Mentalität vermissen liessen.

Was wollen Sie nächste Saison mit dem FCL erreichen?

Sforza: Platz sechs übertreffen. Das werde ich den Spielern ab dem Tag einimpfen, an dem ich sie wieder sehe.

Interview Peter Birrer